Erfurt -

Besuch im Bildungszentrum Japaner lernen deutsches Arbeits- und Ausbildungssystem kennen

Fünf Frauen und Männer aus Japan besuchten im Rahmen des deutsch-japanischen Austauschprogramms für junge Berufstätige verschiedene Instituionen in Deutschland. Der Fokus richtete sich dabei auf das Thema „Gute Arbeit von Frauen und Männern: Work-Life-Balance und Karriereplanung“.

In Japan gibt es ein Wort für den Tod durch Überarbeitung: Karoshi. Es ist allgemein bekannt, dass sich Arbeitgeber in Japan nicht gerade durch eine gute Work-Life-Balance auszeichnen. Überstunden stehen bei den meisten Arbeitnehmern auf der Tagesordnung. Aus diesem Grund fand das deutsch-japanische Austauschprogramm für junge Berufstätige unter dem Thema „Gute Arbeit von Frauen und Männern: Work-Life-Balance und Karriereplanung“ statt.

Fünf junge Frauen und Männer besuchten Anfang August verschiedene Institutionen in Deutschland, um sich mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen. „Früher gab es ein starkes Gefälle zwischen Deutschland und Japan. Inzwischen sind die Unterschiede geringer“, erklärt Onozato Sunnosuke, einer der Teilnehmer. Je nach Branche leisten die meisten Japaner etwa fünf Überstunden, in der Werbebranche seien es jedoch wesentlich mehr, etwa 80 bis 100 im Monat.

Während den Arbeitnehmern in Japan 20 Tage Urlaub zur Verfügung stehen, lassen die meisten die Hälfte davon verfallen. „Ich nehme sogar nur fünf Tage Urlaub im Jahr“, fügt der Japaner verschmitzt hinzu. Im Mai dieses Jahres verabschiedete Japans Regierung ein neues Arbeitsgesetz. Demnach sollen die Überstunden auf monatlich 100 und jährlich insgesamt 720 Stunden begrenzt sein. „Es gibt aber keine Sanktionen für Betriebe. Die Umsetzung bleibt also abzuwarten“, so der Mitarbeiter eines Nahrungsmittelherstellers.

Die Teilnehmer des Austauschprogramms besuchten unter anderem den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin sowie das Berufsbildungszentrum der HWK Erfurt. Neben der Work-Life-Balance lag der Fokus auf der dualen Ausbildung, der Meisterausbildung sowie der Nachwuchssicherung im Handwerk.

Stefan Lobenstein, Präsident der HWK Erfurt, erklärte den Teilnehmern, wie die Ausbildung in Deutschland finanziert wird und wie digital das Handwerk inzwischen ist. „Das duale System ist sehr praxisorientiert. In den Werkstätten gibt es neue und alte Geräte. Dadurch ist die Ausbildung breiter als in Japan angelegt“, beschreibt Onozato Sunnosuke seinen Eindruck nach dem Rundgang im BBZ.

Die Besuche der japanischen Delegation finden seit mehreren Jahren regelmäßig statt. Ziel des Austauschprogrammes ist es, die Lebens- und Arbeitswelt Deutschlands mit deren Kultur und Geschichte kennenzulernen. Finanziert wird das ­Programm im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes und aus Mitteln des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie mit einer Eigenbeteiligung von 700 Euro.

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