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Steuertipp Ist-Besteuerung bei Umsatzsteuer: Folgen unwahrer Angaben

Gründen Sie einen Betrieb und der auf zwölf Monate hochgerechnete Umsatz liegt voraussichtlich nicht über 500.000 Euro, können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Ist-Besteuerung bei der Umsatzsteuer stellen. Doch bei unwahren Angaben versteht das Finanzamt keinen Spaß.

Hintergrund: Normalerweise gilt bei der Umsatzsteuer die Soll-Besteuerung. Das bedeutet, dass die Umsatzsteuer bereits nach Ausübung eines Umsatzes ans Finanzamt überwiesen werden muss. Bei der Ist-Besteuerung muss der Unternehmer die Umsatzsteuer erst dann ans Finanzamt überweisen, wenn der Kunde die Rechnung beglichen hat.

Bei Betriebsgründungen in 2019 bekommen Sie vom Finanzamt einen Gründerfragebogen zugeschickt, in dem es Ihnen Fragen zu Ihrem voraussichtlichen Umsatz im Gründungsjahr stellt. Beantragen Sie im Gründungsjahr die Ist-Besteuerung bei der Umsatzsteuer, rechnet das Finanzamt den von Ihnen kalkulierten Umsatz auf zwölf Monate hoch. Liegt der Umsatz nicht über 500.000 Euro, steht der Ist-Besteuerung grundsätzlich nichts im Weg. Nur wenn Sie unwahre Angaben zum Umsatz machen, kann es passieren, dass das Finanzamt die Ist-Besteuerung rückwirkend für die vergangenen Jahre aberkennt. Das bedeutet eine Menge Arbeit, möglicherweise Verschiebungen der Umsatzsteuerzahlungsverpflichtungen und damit verbunden Nachzahlungszinsen.

Vorsicht bei unwahren Angaben

In einem Urteilsfall gründete ein Unternehmer im September einen Betrieb, kalkulierte seinen Umsatz von September bis Dezember mit 30.000 Euro und beantragte die Ist-Besteuerung. Das Finanzamt gewährte die Ist-Besteuerung, weil der auf zwölf Monate hochgerechnete Umsatz nicht über 500.000 Euro lag (30.000 Euro : 4 Monate x 12 Monate = 90.000 Euro). Doch das Finanzamt bekam Wind davon, dass der Unternehmer noch vor der Genehmigung der Ist-Besteuerung einen Vertrag mit einem Umsatzvolumen von einer Million Euro in der Tasche hatte. Darüber informierte er das Finanzamt nicht.

Steuertipp: Da der Unternehmer nicht mit offenen Karten bei seinem Umsatz spielte, nahm das Finanzamt die Genehmigung der Ist-Besteuerung rückwirkend zurück. Das Finanzgericht München gab dem Finanzamt Recht (FG München, Urteil vom 25.10.2018, Az. 14 K 2379/16). dhz

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