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Apple-Tablet im Praxistest iPad Pro will auch ein Notebook sein

Das Apple iPad Pro ist groß, schick und wird mit dem Apple Pencil zum Zeichenbrett. Laut Apple-Chef Tim Cook könnte es sogar ein Notebook überflüssig machen. Ob das stimmt, zeigt der Test.

Apple-Chef Tim Cook ist sich sicher: "Für viele, viele Leute wird das iPad Pro das Notebook oder den Desktop-PC ersetzen. Sie werden sich fragen, warum sollte ich noch einen PC kaufen?" Die Aussage von Cook überrascht, weil damit auch indirekt der Sinn eines MacBook oder iMac in Frage gestellt wird. Vielleicht erklärt sich die Kampfansage mit denen seit längerer Zeit sinkenden Absatzzahlen des iPads. Er selbst nutze nach eigenen Angaben inzwischen bei Geschäftsreisen nur noch sein iPhone und iPad Pro. Doch bietet das neue Modell Unternehmern wirklich die gleichen Funktionen wie ein klassisches Notebook?

Apple lud die Deutsche Handwerks Zeitung zur Vorstellung des iPad Pro nach München ein. Im anschließenden Praxistest wurden auch seine Notebook-Eigenschaften genauer unter die Lupe genommen.

Drei iPad mini in einem

Zunächst beeindruckt der neue Tablet-PC durch seine schiere Größe. Der Bildschirm misst 12,9 Zoll, ist damit fast so groß wie ein kleines MacBook und etwa dreimal so groß wie das iPad mini - aber kaum dicker. Die Abmessungen des Gehäuses betragen 30,6 x 22,1 x 0,7 cm (LxBxH). Für die Größe ist es mit 713 bzw. 723 Gramm (je nach Ausstattung) relativ leicht.

iPad Pro Bildschirm

Trotzdem ist es auf Dauer deutlich angenehmer, das iPad Pro in beide Hände zu nehmen oder am besten auf einem Tisch oder den Oberschenkeln abzulegen. Als Begleiter in der Damenhandtasche eignet es sich aufgrund seiner Größe nicht.

Tolle Lautsprecher, Kamera nur solide

Die Verarbeitung aus Metall und Glas ist auf einem von Apple gewohnt hohen Niveau, optisch unterscheidet es sich kaum von den anderen iPads. Dennoch gibt es sichtbare Neuerungen: So bietet das iPad Pro erstmals vier Lautsprecher, die nicht an der Unterseite, sondern an den Geräteecken verbaut sind. Das sorgt im Praxistest bei Videos und Musik für einen wuchtigen Bass und besseren Raumklang als bei anderen Tablet-PCs.

Die Kamera im iPad Pro ist auf dem Datenblatt betrachtet relativ Schwach. Acht Megapixel beträgt die Auflösung der Hauptkamera, für Selfies gibt es zusätzlich eine Frontkamera mit 1,2 Megapixeln. Während die Frontkamera kaum für Schnappschüsse taugt, lassen sich mit der Hauptkamera durchaus ansehnliche Fotos machen. Allerdings hätten wir erwartet, dass im iPad Pro die gleiche Kameraleistung wie im iPhone 6s zum Einsatz kommt - gerade mit Hinblick auf den Gerätepreis. Zum Vergleich: Das iPhone 6S bietet eine Kamera mit zwölf Megapixeln. Im Direktvergleich der Aufnahmen ist der Detailunterschied klar zu erkennen.

Außerdem hat Apple an der Geräteseite einen so genannten "Smart Connector" eingebaut. Drei Mini-Kontakte ermöglichen eine Strom- und Datenverbindung in beide Richtungen zwischen iPad Pro und externer Tastatur.

Toller Bildschirm, viel Tempo

Nach dem Einschalten bestätigt sich zunächst der gute Eindruck. Mit 2.732 × 2.048 Pixel löst der Bildschirm höher auf als bei einem MacBook. Ob ein Video oder eine für das iPad Pro optimierte App, betrachtete Inhalte wirken gestochen scharf.

Im Gegensatz zu MacBook und iMac kommt auf dem iPad Pro nach wie vor das mobile Betriebssystem iOS 9 zum Einsatz, das auch im iPhone genutzt wird. Angetrieben wird es von dem Prozessor A9X, der mehr Leistung bietet als die Recheneinheit in anderen iPads und dem iPhone. Gepaart mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher läuft das iPad Pro im Test stets flüssig und gönnt sich keine Denkpausen.

Unterhaltungsmaschine

Wer eine reine Unterhaltungsmaschine sucht, wird am iPad Pro kaum etwas auszusetzen haben. Auf dem Sofa oder im Zug Filme zu sehen, im Internet zu surfen oder ein aus dem App Store heruntergeladenes Spiel zu nutzen, macht auf dem großen Bildschirm noch mehr Spaß als auf den kleineren Geräten. Aufgrund der Bildschirmgröße ist es auch praktisch, dass sich jetzt zwei Apps nebeneinander in zwei Fenstern nutzen lassen.

Doch bei je nach Ausstattung aufgerufenen Preisen zwischen 899 Euro und 1.229 Euro muss man vom iPad Pro mehr erwarten dürfen, als nur gut unterhalten zu werden.

Wer das iPad Pro auch als Notebook nutzen will, kommt an weiteren Kosten jedoch nicht vorbei. Die Tastatur sowie ein Bedienstift von Apple sind nur separat erhältlich. Während der Stift 109 Euro kostet, werden für das Keyboard sogar 179 Euro fällig. Das ist happig, wenn man bedenkt, dass es für diese Zubehörpreise bei anderen Herstellern schon Tablet-PCs zu kaufen gibt.

Stift reagiert auf Druck

Eine Mischung aus Arbeits- und Unterhaltszubehör ist der Apple Pencil. In Kombination mit dem in mehreren Stufen druckempfindlichen Bildschirm dient der Stift als Zeicheninstrument. Ob Schraffuren, dicke oder dünne Striche – der Stift reagiert sehr exakt und ohne Verzögerung auf die Eingaben. Damit eignet sich der Stift nicht nur zur Bearbeitung von Dokumenten. Spezielle Apps richten sich vor allem an Kreative, Künstler und Architekten, die damit z. B. Gebäudegrundrisse erstellen können.

Was allerdings stört, ist die fehlende Aufbewahrungsmöglichkeit für den Apple Pencil am Gehäuse. So wird der eine oder andere Stift schnell verloren gehen. Wie es besser geht, zeigt das Surface Pro 4 von Microsoft. Dort lässt sich der Bedienstift magnetisch am Gehäuse befestigen.

Tastatur ohne Trackpad

Essenziell für einen Arbeitscomputer ist die Tastatur, die sich beim iPad Pro mit einem Handgriff befestigen lässt. Sie bietet im Gegensatz zu vielen anderen Tablet-Keyboards Tasten in Standardgröße. Mit dem Schreibgefühl auf einem MacBook oder anderen Notebooks der Oberklasse kann es jedoch nicht ganz mithalten, was sich gerade bei längeren Dokumenten bemerkbar macht. Das liegt vor allem am nicht ganz perfekten Druckpunkt der Tasten.

iPad Pro_Farben

Das ließe sich noch verschmerzen, wäre da nicht das gänzlich fehlende Trackpad und keine Möglichkeit, mit einem Mauszeiger über das iPad zu navigieren. Zwangsläufig muss im Arbeitsprozess trotz Tastatur immer wieder auf die Touchscreen-Steuerung zurückgegriffen werden.

Die Akkulaufzeit eignet sich dagegen durchaus zum längeren Arbeitseinsatz. Bei moderater Nutzung hält der Akku zehn bis zwölf Stunden durch.

Kein Notebook-Killer

Allerdings gibt es neben der Tastatur noch weitere Schwachstellen, die das iPad als Notebook-Ersatz disqualifizieren. Da wäre zum einen das mobile Betriebssystem, das nicht mit der Funktionsvielfalt von OS X oder Windows 10 mithalten kann. Zum anderen sind die externen Anschlussmöglichkeiten am iPad Pro sehr begrenzt, vor allem für Zubehör von Fremdherstellern.

Fazit

Unter dem Strich ist das iPad Pro ein zwar herausragender, aber auch überaus teurer Tablet-PC. Der Preis wirkt überzogen, weil das iPad zwar eine tolle Unterhaltszentrale ist, aber das Notebook eben nicht ersetzen kann.

Alternative: Das Microsoft Surface Pro 4 ist ebenfalls neu auf dem Markt erhältlich. Es kann zwar nicht ganz mit dem Design des iPad Pro mithalten, bietet aber ein gleichwertiges Arbeitstempo, das vollwertige Betriebssystem Windows 10, eine Tastatur mit Trackpad und mehr Anschlussmöglichkeiten.

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