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Alternative Crowdinvesting Investoren für die eigene Firma gesucht

Von sozialen Projekten über Start-ups hin zur klassischen Unternehmensfinanzierung: Crowdinvesting bietet auch lange bestehende Unternehmen eine Möglichkeit an Geld zu kommen. Immer mehr Handwerksbetriebe wie die Look Außenwerbung GmbH probieren diese alternative Finanzierungsform aus. Ein Beispielbericht aus der Praxis.

Look Außenwerbung GmbH
Werbetechnik aus Handwerksarbeit: Die Look Außenwerbung GmbH setzt bei der Unternehmensfinanzierung unter anderem auf das Crowdinvesting. -

In fünf Jahren muss Knut Hatzius 100.000 Euro zurückzahlen, 100.000 Euro an Genussrechten an seine Anleger. Bis dahin kommen jedes Jahr bis zu 12,5 Prozent gewinnabhängige Ausschüttung dazu. Doch der Mitinhaber der Look Außenwerbung GmbH ist zufrieden, dass er mit der Methode des Crowdinvesting eine Alternative zum Bankkredit gefunden hat, bei der er selbst die Konditionen festlegen konnte.

"Außerdem steigt damit gleichzeitig das Eigenkapital der Firma und da wir noch weiter expandieren wollen, bekommen wir dann einen Bankkredit zu guten Konditionen", sagt der Geschäftsführer des Handwerksbetriebs in Darmstadt. Im Jahr 2011 hat die Look Außenwerbung GmbH die Geschäftstätigkeit der Firma Kindler Neon GmbH übernommen und wollte dann mit neuer Technik neue Kunden für den Betrieb mit Fertigung und Montage von Werbeanlagen, Leuchtreklamen und Beschriftungen gewinnen. Neben der klassischen Beleuchtung mit Neonröhren sollen nun auch energiesparende LED-Lampen das Portfolio erweitern. Doch diese können nur in großen Mengen bestellt werden und das kostet.

Für Hatzius war es der beste Weg, um die Investitionen in ein gutes Gesamtkonzept zu gießen. "Auch wenn die Zinsen für einen Bankkredit niedriger sind, hätten wir ohne das neue Eigenkapital wahrscheinlich gar keinen bekommen", erklärt er den Wagemut, der ihm dazu verhalf einen Account bei bankless24.de zu eröffnen, dort seinen Betrieb und die Gewinnaussichten nach der Modernisierung vorzustellen und dann auf Geldgeber zu hoffen.

Dirk Littig
© Foto: bankless24

Die Geldgeber sind anders als beim Crowdfunding nicht nur Förderer der guten Ideen mit sozialen Hintergrund, sondern auch Anleger, die sich von dieser neuen Form der Geldanlage eine Rendite erwarten. "Oft sind es Kunden und Freunde, die den Betrieb schon lange kennen, aber natürlich auch ganz normale Anleger, die auf die Geschäftstüchtigkeit der kleinen Betriebe setzen", sagt Dirk Littig, der Geschäftsführer von bankless24, einer Crowdinvesting-Plattform für kleine und mittelständische Betriebe.

Viele Anleger sind noch skeptisch

Da es sich bei dieser Form der Unternehmensfinanzierung um ein reines Online-Geschäft handelt, können die Anbieter einerseits den Verwaltungsaufwand und damit die Kosten gering halten (je nach Anlagevolumen sind es bei bankless24 rund vier bis sechs Prozent) – die Betriebe, die über die Plattform nach Investoren suchen, müssen alle nötigen Daten für das Profil selbst liefern ­–, andererseits sind dadurch auch viele noch skeptisch, was die Anlagesicherheit betrifft. Doch Dirk Littig verteidigt: "Bei uns läuft alles über Treuhandkonten bei normalen Banken."

Interessant sind die Geldanlagen über Crowdinvesting seiner Meinung nach vor allem, weil damit eine ganz neue Investitionsklasse entsteht. "Man kann bei uns schon ab 100 Euro mitmachen und da die kleinen Betriebe im Vergleich zu großen Unternehmen oft auch nur kleine Beträge brauchen, sind das Finanzrahmen, die es bei keinen anderen Eigenkapitalgebern gibt", sagt der Geschäftsführer. Genauso wie bei Aktiengeschäften bleibt das Risiko jedoch allein beim Anleger. Wenn das Unternehmen, in das man investiert hat, Pleite geht, wäre auch das Geld weg.

Um einen solchen Fall abzusichern, können auf den Crowdinvesting-Plattformen jedoch nur diejenigen Betriebe mitmachen, die ihre Geschäftszahlen offenlegen und gute Gewinneinschätzungen für die Zukunft nachweisen können. Jeder Betrieb wird deshalb vorher von dem externen Wirtschaftsunternehmen Creditreform geratet. "Nur wer transparent mit seinen Plänen umgeht, kann auch erwarten, dass Anleger in seinen Betrieb investieren", sagt Littig und verweist auf dann aber relativ einfache Handhabe für die Unternehmen.

Wer mit seinen Geschäftszahlen überzeugt und Anleger findet, die seine selbst festgelegten Konditionen zur Anlagedauer und den zu erwarteten Zinsen akzeptieren, habe dann nämlich einerseits neues Eigenkapital zur Verfügung, da die Crowdinvesting als sogenannte Genussrechte ausgegeben werden und nicht als Kredite. Andererseits könne er so auch seine Bonität stärken und besser an Kredite für Investitionen kommen.

Look Außenwerbung GmbH
© Foto: Dominik Froehner

Auszahlungen nur im Erfolgsfall

"Wer seine Bilanzen, einen guten Bericht über die zu erwartende Geschäftsentwicklung und das Rating vorlegt, für den beginnt die Zeichnungsfrist von 30 Tagen, in denen es darum geht, Investoren zu finden", sagt Littig. Wenn alles klappt, steht die gewünschte Summe dann sofort zur Verfügung. Wie viele Investoren mitmachen und wie viel jeder einzelne gibt, ist dann erst wieder relevant, wenn es ums auszahlen der jährlichen Ausschüttungen und der Genussrechte am Ende der Anlagephase geht. Die dafür nötige Investorendatei kann über das Portal geführt werden – online, per Mausklick.

Für die Firma Look Außenwerbung ist dafür aber noch Zeit, denn das Geld für die Ausrichtung des Betriebs auf energiesparende Außenbeleuchtung ist gerade erst auf dem Konto angekommen. Nun geht es für die Mitarbeiter darum, neue Kunden und die Stammkunden dafür zu gewinnen. Auch wenn Knut Hatzius nun optimistisch an die neue Geschäftsidee rangeht, fügt er lachend hinzu: "Die hohe Ausschüttung von 12,5 Prozent bekommen die Investoren, wenn wir den geplanten Gewinn erzielen. Schaffen wir das nicht, dann sinkt die Ausschüttung, aber wir zahlen nicht drauf."

Crowdfunding, Crowdinvesting und Genussrechte

Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) bezeichnet eine alternative Finanzierungsform und unterscheidet sich vom herkömmlichen Bankkredit vor allem durch eine größere Menge an Geldgebern. Statt einer Bank stellen hierbei mehrere einzelne Sponsoren Geld zur Verfügung.  Als Dank dafür werden sie später meist an den Erfolgen des Projekts beteiligt. In Deutschland ist Crowdfunding seit ein paar Jahren bekannt und diente anfangs hauptsächlich der Finanzierung von sozialen Projekten oder Kunstaktionen.

Als sich zeigte, dass Crowdfunding als erfolgreiche Alternative dienen kann, hat sich um dieses Thema ein eigener kleiner Markt entwickelt. Was für soziale Projekte funktioniert, könnte auch als neben die anderen klassischen Unternehmensfinanzierungen treten, dachten sich eigene Finanzexperten und begannen derartige Sponsorenzusammenschlüsse auch für Existenzgründer zu organisieren.  So wurde auch dem Crowdfunding ein professionelles Crowdinvesting. Mittlerweile gibt es diese Finanzierungsform auch für etablierte Betriebe und speziell für den Mittelstand. Unternehmen, die Crowdinvesting nutzen, stellen den Investoren sogenannte Genussrechte  zur Verfügung, deren Konditionen sie selbst festlegen. Die Investoren werden im Gegenzug an den Gewinnen des Betriebs beteiligt.

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