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Checkliste für den Investitionsabzugsbetrag Investitionsabzug: So sparen Sie Steuern

Bei der Ermittlung des Gewinns für die Steuererklärung steht kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben ein Steuersparmodell der Superklasse zur Verfügung. Die Rede ist vom Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG. Liegen die Voraussetzungen dafür vor, winken einem Unternehmer Steuererstattungen, ohne tatsächlich einen Cent ausgegeben zu haben. Im Jahressteuergesetz 2020 wurden nun rückwirkend ab 2020 neue, steuerlich noch günstigere Steuerspielregeln beschlossen.

Das Bundesfinanzministerium hat aufgrund zahlreicher Urteile des Bundesfinanzhofs ein Infoschreiben zum Investitionsabzugsbetrag veröffentlicht, das viele Zweifelsfragen beantwortet. Die Informationen der folgenden Passagen stammen aus dem neuen Gesetzestext ab dem Steuerjahr 2020, aus Urteilen zum Investitionsabzugsbetrag und aus einem wegweisenden Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF v. 20.03.2017, Az. IV C 6 - S 2139-b/07/10002-02).

Darum geht es beim Investitionsabzugsbetrag

Beim Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG dürfen 50 Prozent (bis Ende 2019: 40 Prozent) der voraussichtlichen Anschaffungskosten beweglicher Anlagegegenstände vom Gewinn des Handwerksbetriebs abgezogen werden, wenn die Investition innerhalb der nächsten drei Jahre geplant ist. Also eine Gewinnminderung ohne einen Cent ausgeben zu müssen.

Beispiel: Frau Müller, Inhaberin einer Metzgerei, plant in den Jahren 2021 bis 2023 den Kauf neuer Küchenmaschinen. Geplante Kosten: 100.000 Euro.

Folge: Erfüllt Frau Müller alle Voraussetzungen des § 7g EStG, darf sie bereits vom Gewinn 2020 einen Investitionsabzugsbetrag von 50.000 Euro abziehen (50 Prozent von 100.000 Euro).

1x1 zum Investitionsabzugsbetrag

  1. Der Investitionsabzugsbetrag darf nur für bewegliche Gegenstände des Anlagevermögens geltend gemacht werden. Er scheidet also bei geplanten Investitionen in Immobilien, Kundenstamm oder Lizenzen aus.
  2. Der Investitionsabzugsbetrag darf am Ende des Jahres insgesamt nur 200.000 Euro betragen.
  3. Der Abzug des Investitionsabzugsbetrags setzt voraus, dass dem Finanzamt die Höhe des Investitionsabzugsbetrags zu Kontrollzwecken elektronisch übermittelt wird.
  4. Der Investitionsabzugsbetrag wird nicht gebucht. Er wird außerhalb der Bilanz wie Betriebsausgaben vom ermittelten Gewinn abgezogen.
  5. Handwerksbetriebe, die ihren Gewinn 2021 schon heute aufs Jahr hochrechnen und in den nächsten Jahren begünstigte Investitionen planen, können beim Finanzamt die am 10. Dezember fälligen Einkommen- beziehungsweise Körperschaftsteuervorauszahlungen 2021 aufgrund des Investitionsabzugsbetrags herabsetzen lassen.

Steuertipp: Eine Funktionsbeschreibung muss seit 2016 nicht mehr erfolgen. Sie müssen dem Finanzamt in der Gewinnermittlung also nicht sagen, für welchen Gegenstand Sie den Investitionsabzugsbetrag abziehen. Vorteil: Sie können innerhalb des Dreijahres-Zeitraums kaufen, was Sie möchten – vorausgesetzt es handelt sich um bewegliche Gegenstände des Anlagevermögens.

Voraussetzung 1: Begünstigte Wirtschaftsgüter

Begünstigt ist nur der geplante Kauf von beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens. Hier eine Übersicht, für welche Wirtschaftsgüter ein Investitionsabzugsbetrag abgezogen werden kann und für welche nicht:

Begünstigte Wirtschaftsgüter Nicht begünstigte Wirtschaftsgüter
Maschinen Gebäude
Fahrzeuge Rechte
PC Kundenstamm
Einrichtungsgegenstände Software
Werkzeuge Patente

Eine Besonderheit zu Software sollten Sie kennen: Trivialprogramme sind abnutzbare bewegliche und selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter. Computerprogramme, deren Anschaffungskosten nicht mehr als 800 Euro betragen, sind wie Trivialprogramme zu behandeln (Richtlinie 5.5 Abs. 1 EStR).

Wie hoch die Kosten für den Investitionsgegenstand sind, ist ebenfalls unbedeutend. Der Investitionsabzugsbetrag kann sich gerade für billige Gegenstände anbieten, um im Jahr der Investition vom Sofortabzug geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWG) profitieren zu können.

Beispiel: Sie planen in den nächsten Jahren den Kauf von zwanzig neuen Bürostühlen im Wert von jeweils 1.200 Euro netto. Dafür können Sie einen Investitionsabzugsbetrag von 600 Euro je Stuhl abziehen. Im Jahr der Investition mindert sich der abzuschreibende Kaufpreis auf 600 Euro. In diesem Fall muss der Bürostuhl nicht auf 13 Jahre verteilt abgeschrieben werden, sondern es greift der Sofortabzug für geringwertige Wirtschaftsgüter (= Wirtschaftsgüter mit einem Nettowert von maximal 800 Euro).

Tipp: Ohne Bedeutung ist es, ob das Wirtschaftsgut, dessen Kauf beabsichtigt ist, neu oder gebraucht ist. Der Investitionsabzugsbetrag ist in beiden Fällen abziehbar.

Voraussetzung 2: Betriebsgrößenmerkmale

Seit dem Steuerjahr 2020 gilt sowohl für Einnahmen-Überschussrechner als auch für Bilanzierer eine einheitliche Gewinnhöchstgrenze als Voraussetzung für den Abzug eines Investitionsabzugsbetrags.

  • Der Gewinn darf im Abzugsjahr vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags nicht mehr als 200.000 Euro betragen.

Beispiel zur Einnahmen-Überschussrechnung: Ein selbständiger Handwerker, Einnahmen-Überschussrechner, hat 2020 einen Gewinn von a) 210.000 Euro oder b) 199.000 Euro. Für geplante Investitionen möchte er einen Investitionsabzugsbetrag von 10.000 Euro abziehen.

  Variante a Variante b
Gewinn 2020 vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags 210.000 Euro 199.000 Euro
Investitionsabzugsbetrag Nicht abziehbar -10.000 Euro
Gewinn 2020 endgültig 210.000 Euro 189.000 Euro

Voraussetzung 3: Betriebliche Mindestnutzung und Verbleibensvoraussetzung

Die Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrages setzt voraus, dass das begünstigte Wirtschaftsgut mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahres (Verbleibens- und Nutzungszeitraum) in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebes ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt wird (§ 7g Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 Buchstabe b EStG).

Infos zur Verbleibensvoraussetzung

Die Verbleibens- und Nutzungsvoraussetzung wird insbesondere dann nicht mehr erfüllt, wenn das Wirtschaftsgut innerhalb des zweijährigen Verbleibens- und Nutzungszeitraums

  • veräußert oder entnommen wird oder
  • in einen anderen Betrieb, in eine ausländische Betriebsstätte oder in das Umlaufvermögen überführt wird.

Praxis-Tipp: Seit dem Steuerjahr gilt hier eine Ausnahmeregelung. Denn es ist für den Investitionsabzugsbetrag unschädlich, wenn der Gegenstand im Jahr des Kaufs und im Folgejahr vermietet wird.

Die Verbleibens- und Nutzungsvoraussetzung gilt dagegen als erfüllt, wenn das vorzeitige Ausscheiden des Wirtschaftsgutes unmittelbar auf einem nicht vom Willen des Steuerpflichtigen abhängigen Ereignis beruht, z. B. infolge des

  • Ablaufes der Nutzungsdauer wegen wirtschaftlichen Verbrauches,
  • Umtausches wegen Mangelhaftigkeit gegen ein anderes Wirtschaftsgut gleicher oder besserer Qualität oder infolge
  • höherer Gewalt oder behördlicher Eingriffe (s. R 6.6 Absatz 2 EStR).

Infos zur betrieblichen Mindestnutzung

Eine oftmals vernachlässigte Voraussetzung für die Zulässigkeit des Investitionsabzugsbetrags ist die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung des Anlagegegenstandes nach erfolgter Investition im Jahr der Investition und im Folgejahr. Wird diese Voraussetzung nicht eingehalten, ändert das Finanzamt den ursprünglichen Steuerbescheid und kippt den abgezogenen Investitionsabzugsbetrag.

Folge: Steuernachzahlungen.

Diese Voraussetzung wird meist Unternehmern zum Verhängnis, die für einen Firmenwagen einen Investitionsabzugsbetrag geltend machen. Wird die 90-prozentige betriebliche Nutzung nicht durch ein Fahrtenbuch nachgewiesen, sind die Voraussetzungen nicht erfüllt. Denn bei Ermittlung der Privatnutzung nach der 1-Prozent-Regelung wird eine mehr als zehnprozentige Privatnutzung unterstellt.

Tipp: Die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung bezieht sich übrigens auf die beiden Jahre insgesamt.

Das bedeutet im Klartext: Selbst wenn die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung in einem der beiden Jahre nicht erfüllt ist, jedoch für beide Jahre zusammen schon, bleibt es bei dem Investitionsabzugsbetrag.

Voraussetzung 4: Benennung des Wirtschaftsgutes nach der Funktion seit 2016 nicht mehr erforderlich

Das Finanzamt verzichtet übrigens auf eine Funktionsbeschreibung zu dem Gegenstand, der innerhalb der nächsten drei Jahre gekauft werden soll. Planen Sie 2020 den Kauf eines neuen Transporters und investieren dann 2023 doch in eine neue Maschine, ist der Investitionsabzugsbetrag nicht zu beanstanden. Das Finanzamt braucht für abgezogene Investitionsabzugsbeträge zwar keine Funktionsbeschreibung. Doch das Finanzamt fordert im Gegenzug die Übermittlung des Werts des ab 2020 abgezogenen Investitionsabzugsbetrags in elektronischer Form.

Hintergrund: Das Finanzamt überwacht, ob die geplante Investition tatsächlich innerhalb des Dreijahreszeitraums realisiert wird.

Voraussetzung 5: Investitionsabzugsbetrag im Jahr vor der Existenzgründung

Wer im Jahr 2021 den Schritt in die handwerkliche Selbständigkeit plant, kann bereits vor Betriebseröffnung im Jahr 2020 für geplante Investitionen in den Jahren 2021 bis 2023 einen Investitionsabzugsbetrag abziehen. Der dabei entstehende Verlust kann mit anderen Einkünften des Gründers in spe Steuer sparend verrechnet werden.

Bisher musste zur Glaubhaftmachung der Investition vor der eigentlichen Gründung des Betriebs eine verbindliche Bestellung vorgelegt werden. Das ist nach dem neuen BMF-Schreiben nun nicht mehr notwendig. Es genügt, wenn die Investition ausreichend konkretisiert wird.

Tipp: "Ausreichend konkretisiert" ist die Investition vor Betriebseröffnung, wenn

  • bereits Kosten angefallen sind,
  • wenn die Investitionen in einem Business-Konzept enthalten sind,
  • wenn bereits Finanzierungszusagen der Bank vorliegen.

Tipp: Allein die Einholung von unverbindlichen Angeboten sowie Kostenvoranschlägen oder die Teilnahme an Informationsveranstaltungen reichen jedoch nicht als Nachweis der Investitionsabsicht aus, da diese ersten Vorbereitungshandlungen für den Steuerpflichtigen in der Regel kostenfrei und risikolos sind.

Investitionsabzugsbetrag beim Pkw: Die Voraussetzungen

Wer sein Auto viel betrieblich nutzt, kann Investitionen in das Fahrzeug steuerlich geltend machen. Voraussetzung des Abzugs des sogenannten Investitionsabzugsbetrags ist allerdings die 90-prozentige betriebliche Nutzung im Jahr des Kaufs und im Jahr danach. Als Nachweis dient meist das Fahrtenbuch. Doch es gibt auch Ausnahmen. Ein Fall aus der Praxis.

Leseranfrage: Ich habe gelesen, dass bei Abzug eines Investitionsabzugsbetrags für einen Pkw das Finanzamt für das Jahr des Kaufs und für das Folgejahr eine mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung dieses Pkws voraussetzt. Dieser Nachweis kann nur durch ein Fahrtenbuch erbracht werden. Gibt es hierzu auch Ausnahmen? Was passiert, wenn ich die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung nicht nachweisen kann?

Antwort auf Frage 1: Dass der Nachweis der mindestens 90-prozentigen betrieblichen Nutzung des Pkw nach § 7g Abs. 4 EStG durch ein Fahrtenbuch nachgewiesen werden muss, hat das Finanzgericht Sachsen-Anhalt bestätigt (Urteil v. 12.6.2013, Az. 2 K 1191/12). Doch es gibt tatsächlich Ausnahmen, bei denen auf ein Fahrtenbuch verzichtet werden kann.

Und zwar immer dann, wenn der Pkw im Jahr des Kaufs und im Folgejahr als Firmenwagen von einem Arbeitnehmer genutzt wird. Hier wird automatisch eine 100-prozentige betriebliche Nutzung des Pkws im Sinne der Vorschrift zum Investitionsabzugsbetrag unterstellt. Diese Betrachtung gilt auch für angestellte Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH.

Ausnahmen beim Einzelunternehmer

Antwort auf Frage 2: Wird der Pkw dagegen von Einzelunternehmer genutzt und die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung des Pkws im Jahr des Kaufs und im Folgejahr kann nicht durch ein Fahrtenbuch nachgewiesen werden, ändert das Finanzamt rückwirkend den Steuerbescheid des Jahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag zu Unrecht abgezogen wurde.

Doch die Landesfinanzdirektion Thüringen entschärft dieses Problem. In einer Verfügung wird klargestellt, dass die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung eines Pkw nicht in jedem einzelnen Jahr, sondern bezogen auf den Zweijahreszeitraum insgesamt vorliegen muss (LFD Thüringen, Verfügung v. 9.2.2015, Az.: S 2183b A – 09 – A 3.13).

Beispiel: Die selbstständige Handwerkerin Huber hat im Jahr 2018 vom Gewinn einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 20.000 Euro für den geplanten Kauf eines Firmenwagens (voraussichtlicher Kaufpreis 40.000 Euro × 50 Prozent) abgezogen. Im November 2021 wird der Pkw tatsächlich gekauft. Die Fahrleistung 2021 beträgt 2.000 km, wobei davon auf Privatfahrten 400 km entfielen. Im Jahr 2022 liegt die Gesamtfahrleistung bei 13.000 km. Davon entfielen 819 km auf Privatfahrten.

Folge: Das Finanzamt hätte den Investitionsabzugsbetrag in diesem Fall rückwirkend gekippt.

Begründung: Die private Nutzung liegt 2021 bei 20 Prozent.

Konter von Handwerkerin Huber: Hinweis auf die Verfügung der LFD Thüringen und Vorlage der folgenden Berechnung: Gesamtfahrleistungen 2021 und 2022 = 15.000 km; Privatfahrten 2021 und 2022 = 1.219 km; private Nutzung des Firmenwagens 2021 und 2022 = 8,13 Prozent. Da die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung in dem Zweijahreszeitraum insgesamt erfüllt war, darf das Finanzamt am Investitionsabzugsbetrag nicht nachträglich rütteln.

Dieser Beitrag wurde am 14. Februar 2021 aktualisiert. 
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