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Hongkong, Dubai, Sydney & London International gefragt: Deutsche Handwerker im Ausland

Deutsche Fachkräfte sind im Ausland gefragt. Knapp 60.000 deutsche Handwerksbetriebe sind grenzüberschreitend tätig, die meisten in Nachbarländern. Diese vier Handwerksmeister hat es weiter weg verschlagen.

Diese vier Handwerksmeister gingen für die Arbeit ins Ausland. Sie schildern Erfahrungen aus ihren Kurz- und Langzeitaufenthalten:

Elektrotechnikmeister in Hongkong

Zehn Monate lang arbeiteten Elektrotechnikmeister Edwin Helmer und sein Team in Hongkong. "Wir haben den Server und die Software für eine Recyclinganlage geliefert und in Betrieb genommen. Damit lassen sich künftig Kühl- und Klimageräte zu 100 Prozent automatisch in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen", erklärt Helmer den Auftrag.

Elektrotechnikmeister, Edwin Helmer, lieferte Technik für eine Recyclinganlage nach Hongkong.

Die deutsche Alba-Group, weltweit spezialisiert auf Recycling, hatte die öffentliche Ausschreibung der Stadt Hongkong gewonnen und den 30-Mann-Betrieb aus dem oberbayerischen Kaufering wegen seines speziellen Knowhows engagiert. Vor Ort arrangierten sich die Handwerker mit ungewohnten Arbeitsbedingungen. Temperaturen von durchschnittlich 34 bis 40 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit einerseits und zensiertes Internet andererseits forderten das Team am stärksten heraus. "Wir mussten alles Material, das wir brauchten, aus Deutschland importieren, zur Not per Übernachtflug." Versuche, über regionale Großhändler zu bestellen oder mit ­lokalen Anbietern zusammenzuarbeiten, scheiterten. "Es ist ein absolut anderes Arbeiten, da ist Improvisation gefragt" – etwas, das Helmer sehr schätzt: "Es erweitert den Horizont."

Malermeister in Dubai

Mit dem Meisterbrief in der Tasche zog es Maler Oliver Arnold 2015 direkt ins Ausland. Der Spaichinger reiste zuerst ans andere Ende der Welt, nach Australien, wo er drei Monate als Maler auf einer Baustelle in Brisbane arbeitete. In der kurzen Zeit verdiente Arnold so viel, dass er danach sieben Monate als Backpacker das Land erkunden konnte. Kaum wieder zurück in Deutschland, packte ihn erneut das Fernweh. Auf die Empfehlung eines Kollegen aus der Meistervorbereitung heuerte Arnold bei einem Farbenhersteller in Dubai als technischer Berater für Wärmedämmverbundsysteme an.

Malermeister Oliver Arnold arbeitet in Dubai. Am Golf sind gut ausgebildete Handwerker geschätzt.

"Am Persischen Golf sind gutausbildete Handwerker hochgeschätzt und sehr gut bezahlt. Ich bin auf einem Niveau mit Ingenieuren", sagt Arnold, der sich in Dubai schnell eingelebt hat. Derzeit leitet er eine Baustelle mit 15 Mitarbeitern und hat sich auf dekorative Boden- und Wandgestaltung sowie Schallschutztechnik spezialisiert. In Dubai schätzt Arnold neben dem guten Wetter vor allem die tollen Karrieremöglichkeiten und die großen Bauprojekte, die es so in Deutschland nicht gibt. Gewöhnungsbedürftig war für Arnold allerdings die Arbeitsmentalität vieler Einheimischer. "Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind nicht vergleichbar mit Deutschland" sagt Arnold. Mindestens bis 2020 will er noch in Dubai bleiben und danach weiter die Welt entdecken. "Eine Rückkehr nach Deutschland kann noch warten", sagt er.

Spenglermeister in Sydney

Steffen Lerch (links) mit seinem Chef Ralf Paessler vor einem Appartmentblock der Bolte Terrace in Docklands, ein Vorort von Melbourne.

"In Sydney gibt es 160 Strände, in Melbourne schöne Parks und tolle Events", schwärmt der Oberschwabe, der seit September an der Bolte Terrace in Docklands, Melbournes moderner Hafen­city, Fassaden- und Deckenverkleidungen in Zink, Aluminium und Kupfer installiert. Ende Juni 2018 läuft sein Working Holiday Visum aus. Aber Australien bleibt eine Option. Über seinen Arbeitgeber könnte er ein Vier-Jahres-Visum be­kommen.

Bäckermeister in London

"Wir waren die ersten deutschen Bäcker, die jeden Tag frische Backwaren in London angeboten haben", sagt Gerd Kusche. Der Bäcker aus Hessen hat 1966/67 seinen Meister in Kassel abgeschlossen und ist Mitte der 1990er-Jahre mit seiner Frau Carola auf die Insel gezogen. Dort zeigen sie den Briten Tag für Tag, wie lecker gutes Brot sein kann. Mittlerweile haben sie einen festen Kundenstamm von ihren Produkten überzeugt. "Roggen- und Vollkornbrot kennen die hier kaum. Wir produzieren täglich mehrere Brotsorten und arbeiten nur mit Sauerteig, auch bei unseren Brötchen und dem Laugengebäck", sagt Kusche. Vor allem Deutsche, aber auch etwa 30 Prozent Briten, kaufen bei ihnen im "Backhaus" ein. Die Zutaten für ihre Brote müssen die Handwerker aus Deutschland importieren. Die meisten Grundstoffe seien in Großbritannien einfach nicht zu bekommen. Somit haben sie aber auch ein Alleinstellungsmerkmal und kaum Konkurrenz in der britischen Hauptstadt. Andere deutsche Bäckereien würden vor allem Tiefkühlprodukte importieren und aufbacken, so Kusche. Schwierig fällt es den beiden jedoch, neue Kontakte zu knüpfen: "Da wir sieben Tage die Woche produzieren, haben wir sehr wenig soziale Kontakte zu den Engländern", sagt Kusche. Einen großen Einschnitt bereitet den beiden der Brexit. Viele finanziell starke Firmen verlassen die Insel und gehen nach Brüssel, Paris oder Frankfurt. "Diese Kunden fehlen uns", sagt Kusche.

Bäckermeister Gerd Kusche und seine Frau Carola arbeiten in London, kommen aber bald wieder zurück nach Deutschland.

Die Entscheidung der Briten für den Austritt aus der EU hält Kusche für falsch und er rechnet mit "dramatischen Folgen für die britische Wirtschaft". Gemeinsam mit seiner Frau Carola wird er daher schon kommendes Jahr wieder zurück nach Deutschland ziehen. bst/sg/ste/jb

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