Sächsischer Handwerkstag -

Sven Seeliger vom Justizministerium im Interview "Interesse von Gefangenen an einer Lehre ist groß"

Auch hinter Gefängnismauern werden Handwerksberufe erlernt. Sven Seeliger, Referent im Sächsischen Staatsministerium der Justiz, erläutert, wie die Ausbildung abläuft und warum Gefangene handwerklich arbeiten.

DHZ: Wie viele Strafgefangene erlernen einen (Handwerks-)Beruf während ihres Aufenthaltes im Gefängnis?

Seeliger: Im Durchschnitt erlangten seit 2010 jährlich 21 Gefangene während der Haft einen anerkannten Berufsabschluss. Im Jahr 2017 waren es sogar 28 Berufsabschlüsse. Allerdings wird im Justizvollzug die Ausbildung überwiegend modular durchgeführt. Aufgrund der teilweise kurzen Haftzeiten ist eine Vollausbildung auch im Hinblick auf Beginn und Ende nur für wenige Gefangene geeignet. Die modulare Qualifizierung ermöglicht einen ständigen Einstieg, außerdem kann nach wenigen Wochen ein Teilabschluss erlangt werden. Die Module werden im Vorfeld mit den Kammern abgestimmt. Der erfolgreiche Abschluss der einzelnen Module wird den Gefangenen von den Kammern im sogenannten „sächsischen Qualifizierungspass“ zertifiziert, welcher die Grundlage für die Zulassung zur Externenprüfung im jeweils anerkannten Beruf ist. Im letzten Jahr konnten so über 500 Module durch Gefangene erfolgreich abgeschlossen werden. Fehlende Module können nach der Haft absolviert werden.

DHZ: Welche Ausbildungen stehen den Insassen überhaupt zur Verfügung?

Seeliger: Modular ausgebildet werden u. a. die Handwerksberufe des Gebäudereinigers, des Änderungsschneiders, des Medientechnologen, des Metallbauers. Darüber hinaus wird bspw. in der Justizvollzugsanstalt Bautzen eine dreijährige Vollausbildung zum Tischler angeboten, in der Justizvollzugsanstalt Dresden eine zweijährige Umschulung zum Bäcker.

DHZ: Wie groß ist das Interesse der Gefängnisinsassen an einer Berufsbildung?

Seeliger: Das Interesse an einer beruflichen Qualifizierung ist groß. Viele Gefangene wollen ihre Haftzeit sinnvoll nutzen, um möglicherweise das erste Mal in ihrem Leben einen anerkannten Abschluss zu erreichen. Hierdurch erhöhen sich nach Haftentlassung die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und damit gleichzeitig aber auch nicht wieder straffällig zu werden.

DHZ: Wie läuft eigentlich eine Ausbildung hinter Gittern ab? Gibt es Besonderheiten?

Seeliger: Die berufliche Ausbildung bzw. Qualifikation unterscheidet sich weder im theoretischen noch im praktischen Teil von einer herkömmlichen Ausbildung. Allerdings sind dabei die Regeln für die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung in einer Justizvollzugsanstalt zu beachten und einzuhalten.

DHZ: Wie schätzen Sie den Erfolg ein? Wie viele Strafgefangene erhalten eine Anstellung in ihrem neu erlernten Beruf?

Seeliger: Die Zahlen sind uns nicht bekannt, da die Gefangenen nicht verpflichtet sind, uns nach Entlassung über eine Arbeitsaufnahme oder Fortführung ihrer beruflichen Qualifikation zu unterrichten. Jedoch erfolgen von einzelnen Gefangenen als auch von im Vollzug tätigen Bildungsträgern positive Rückmeldungen zu Vermittlungen ehemaliger Gefangener in den Arbeitsmarkt.

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