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Kommentar Integration als Herkulesaufgabe

Eingliederung gelingt nur durch Fördern und Fordern. Beide Seiten müssen zur Integration beitragen. Mit kurzfristigen Erfolgen ist auch im Handwerk nicht zu rechnen.

Die Zahl der Flüchtlinge scheint vorübergehend spürbar zurückzugehen. Wie genau, das kann derzeit niemand so recht sagen. Denn im Land der Gründlichkeit und Pünktlichkeit gibt es keine verlässliche Antwort auf die Frage, wie viele Flüchtlinge genau im letzten Jahr nach Deutschland kamen. Gibt es mehr Doppelzählungen als Unregistrierte – niemand weiß es. Zudem sind viele Flüchtlinge nicht dort, wo die Ämter sie vermuten. Hinzu kommt, dass der Datenaustausch zwischen Bund und Ländern alles andere als optimal ist. Wen wundert es, dass dieses Versagen der deutschen Behörden mittlerweile auch zu Leistungsmissbrauch und – so befürchten manche – zu Sicherheitsrisiken führt.

Arbeitswelten unterscheiden sich

Auch die Integration wird eine schwierige Aufgabe, wenn man nicht einmal weiß, wie viele Menschen es zu integrieren gilt. Trotzdem war es richtig und wichtig, dass die Berliner Koalitionsparteien sich auf die Eckwerte eines Integrationsgesetzes geeinigt haben, bei dem es vor allem um Fördern und Fordern geht. Sprich: Die Förderung der Flüchtlinge hängt auch davon ab, dass diese ihrerseits nachhaltig an der Integration mitwirken. Das heißt unter anderem, dass sie an Integrations- und Sprachkursen teilnehmen und auch an dem Ort bleiben, an den die Behörden sie zugewiesen haben. Leistungskürzungen können ansonsten die Folge sein. Die angedrohten Sanktionen dürfen aber kein stumpfes Schwert sein. Denn die Herkulesaufgabe der Integration kann nur gelingen, wenn auch die zu Integrierenden aktiv daran mitwirken. Erste Erfahrungen lassen allerdings vermuten, dass kurzfristige Erfolge nicht zu erwarten sind. Zu groß sind die kulturellen Unterschiede. Die Arbeitswelten in Deutschland und in den Herkunftsländern der Flüchtlinge sind oft doch allzu unterschiedlich. Wir haben indes keine Alternative. Mögliche Folgen einer gescheiterten Integration sieht man in den Vorstädten französischer Metropolen.

Für das Handwerk bringt das Integrationsgesetz eine wichtige und lange geforderte Botschaft: Für Schutzberechtigte sowie Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive wird es in der Regel für die Ausbildung wie auch für eine zweijährige Beschäftigung danach Rechtssicherheit geben. Weniger positiv kann das Handwerk die Schaffung von 100.000 Arbeitsgelegenheiten im Sinne von 1-Euro-Jobs sehen. Flüchtlinge sollen stattdessen so schnell wie möglich in den regulären Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Und auf keinen Fall dürfen solche 1-Euro-Jobs so eingesetzt werden, dass daraus eine unfaire Konkurrenz für Handwerksbetriebe entsteht.

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