Halle (Saale) -

Innovationspreise zur mhm in Leipzig überreicht Werkzeugbauer, Tischler und Fotografen ausgezeichnet

Auf einer Messe stellen Unternehmen interessierten Besuchern ihre neuen Produkte vor. Ein idealer Ort also, nicht nur Innovationen zu präsentieren, sondern auch zu prämieren. Das ist genau der Grund, warum die Handwerkskammern zu Leipzig und Halle die „mitteldeutsche handwerksmesse“ (mhm) für ihre Verleihung des Innovationspreises nutzen.

Mitte Februar finden sich alle Bewerber um den Innovationspreis am Messestand der Handwerkskammer Leipzig ein. „Wir wollen mit dem Preis das Selbstverständnis des Handwerks als innovative Wirtschaft stärken“, erklärt Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig. Seit der ersten Preisverleihung im Jahr 2006 habe sich die Zeit enorm gewandelt: „Digitalisierung war damals innovativ, heute ist sie selbstverständlich.“ Gerade dem Handwerk gelinge es dank einer hohen Technikkompetenz, innovativ zu sein, stellt Barbara Meyer, Ministerialdirigentin des sächsischen Wirtschaftsministeriums, in ihrem Grußwort fest. „Das Handwerk ist eines der ältesten Wirtschaftsformen und wichtiger Akteur des Fortschritts“, sagt sie.

Neun Ideen aus acht Gewerken bewerteten die Juroren. Trotz der unterschiedlichen Erfindungen – eines eint alle Bewerbungen: Die Ideen wurden immer in Zusammenarbeit mit Partnern verwirklicht. „Alle eingereichten Projekte waren Kooperationen“, sagt Jurymitglied Martin Büdel von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, „wir waren positiv überrascht.“ Kooperatives Denken führe zu neuen Sichtweisen und letztendlich zu neuen Entwicklungen.

Zweiter Platz an Tischlerei Böhme

„Es war eine sehr knappe und schwierige Entscheidung“, sagt Jurymitglied Dirk Lippik von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, „wir haben würdige Preisträger gefunden.“ Den dritten Platz erzielten die Fotografen Felix Mayrl und Olivier Colin mit ihrer Entwicklung der hochauflösenden Irisfotografie, die Reflexionen gänzlich verhindert.

Britta Grahneis, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Halle, hielt die Laudatio für den zweiten Sieger: „Die besten Innovationen sind nicht jene, die die meiste technische Raffinesse aufweisen, sondern jene, die einen echten Nutzen bringen.“ Genau das treffe auf die Entwicklung des Teams um Tischlermeister Rainer Böhme zu. Gemeinsam mit Metallbauermeister Thomas Klaube und Architekt Andreas Köhler baute der Sangerhäuser eine barrierefreie Raumspartür, die sich nach außen falten lässt und weniger Platz als herkömmliche Türen beim Öffnen braucht (siehe DHZ 4). „Wer braucht so etwas, mögen Sie sich fragen – nun, Menschen mit Handicap, die im Rollstuhl sitzen, können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, Türen zu bewältigen ...“, so Grahneis. Sichtlich erfreut nahm das Team um Böhme den Preis entgegen. Die Sangerhäuser waren die einzigen Bewerber aus dem Kammerbezirk Halle.

Der Gewinner ist …

Nach der Prämierung des dritten und zweiten Platzes stieg die Spannung, wer den Innovationspreis in Gold erhalten wird. „Der Unternehmer ist ein umtriebiger Zeitgenosse, der immer ein Projekt in petto hat und gut vernetzt mit Forschungseinrichtungen ist“, stellt Claus Gröhn den Sieger vor.

Der Name der Innovation ist lang: generativ hergestellte anwendungsoptimierte Präzisionswerkzeuge aus Hartverbundwerkstoff. Innovation und Namen stammen von Uwe Schmidt, Betriebsinhaber der PWWU Präzisionswerkzeuge Wurzen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik sowie der Kunststoffbearbeitung Kitze entwickelte Schmidt das Verfahren, das „Zerspanungsprozesse revolutionär verbessert“, so die Jury in ihrer Zusammenfassung.

Die Innovation

Mit dem neuen Produktionsverfahren können Werkzeuge für ihre Zwecke zielgenauer produziert werden. Der ins Zerspanwerkzeug integrierte Kühlkanal kann Kühlschmierstoffe gezielt in die jeweiligen Bearbeitungszonen des Werkstücks einbringen. Weiterer Vorteil: Durch den neu entwickelten Herstellungsweg erweitern sich die geometrischen Gestaltungsmöglichkeiten der inneren und äußeren Struktur des Werkzeugkörpers.

„Seit 150 Jahren gibt es den Spiralbohrer. Wer sagt denn, dass dieser die beste Variante ist, ein Loch in die Wand zu bohren“, sagt Schmidt gegenüber der DHZ. Den ersten funktionierenden Werkzeugrohling, der im Einsatz ist, stellte er bereits her. Nun gilt es, das Verfahren zur Marktreife zu bringen.

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