Unternehmensführung -

Projekt "INklusiv! Gemeinsam arbeiten" Inklusion im Handwerksbetrieb: Wie Richard die Monteure entlastet

"Richard ist für uns Facharbeiter eine große Hilfe und einfach ein ­Sonnenschein." Die Worte des Monteurs Jörg Schimmer von der Firma Kurt Herold in Würzburg bringen es auf den Punkt. Richard Demuth ist ein Mitarbeiter mit geistiger Behinderung. Er wurde über das Projekt "INklusiv! Gemeinsam arbeiten" der Mainfränkischen Werkstätten GmbH aus Würzburg in den Betrieb vermittelt. Eine Erfolgsgeschichte.

"Schön hier!" – diesen Satz wiederholt Richard Demuth immer wieder. Er sagt ihn, wenn er durch die Werkhalle der Firma Kurt Herold in Würzburg läuft – dort wo die Unimogs und großen LKWs stehen. Er sagt ihn, wenn er im Büro einen Kollegen trifft. "Schön hier!", das sagt Richard Demuth auch immer wieder zu seiner Chefin Annett Herold-Behl. Sie muss dann lächeln, denn der Satz bestätigt sie darin, dass es eine gute Entscheidung war, Richard Demuth ins Team ihrer Nutzfahrzeugfirma zu holen.

Der 29-Jährige ist ein Mitarbeiter mit geistiger Behinderung. Er wurde über das Projekt "INklusiv! Gemeinsam arbeiten" der Mainfränkischen Werkstätten GmbH aus Würzburg in den Betrieb vermittelt. Der Arbeitsplatz wird dabei nach den Wünschen und Fähigkeiten des Bewerbers und in enger Abstimmung mit dem Unternehmen geschaffen. Richard Demuth unterstützt die Gesellen und Meister in der Werkstatt, indem er sauber macht und Werkzeug aufräumt.

Mitarbeiter mit Behinderung: Das Team muss stimmen

Gut ein halbes Jahr gehört der 29-jährige Würzburger nun zum Team der Firma Ing. Kurt Herold GmbH & Co. KG und Geschäftsführerin Annett Herold-Behl zieht nach dieser Zeit eine durchweg positive Bilanz: "Richard trägt einfach unheimlich gut zum Betriebsklima bei", freut sie sich. Es ist eine erfolgreiche Inklusion am Arbeitsplatz, für die es nach Ansicht der Geschäftsführerin aber mehrere, wichtige Rahmenbedingungen braucht. Denn wie jeder andere Mitarbeiter müsse auch ein Mitarbeiter mit Behinderung ins Team passen.

Ein Gewinn für beide Seiten

"Für mich war es zudem sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter hinter dem Projekt stehen", so Annett Herold-Behl. Sie sagt auch ganz offen, dass wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle gespielt hätten: "Wir haben jemanden gesucht, der in der Werkstatt einfache, aber wichtige Arbeiten übernimmt und unsere Monteure entlastet. Eine Vollzeitstelle wäre da wirtschaftlich nicht rentabel. Der Arbeitsmarkt ist zudem leer", erklärt die Geschäftsführerin.

Zusätzliche Ressourcen freistellen im Betrieb

Madeleine Leube, Fachbereichsleiterin des Projektes "INklusiv!" der Mainfränkischen Werkstätten, bestätigt, dass sich immer mehr Unternehmen der Inklusion öffnen. Sie sagt: " Handwerksbetriebe sind durch ihre flachen Hierarchien grundsätzlich gut geeignet, um Menschen mit Behinderung zu beschäftigen" und fügt an, dass es natürlich die Bereitschaft brauche, zusätzliche Ressourcen freizustellen. Von Seiten der Mainfränkischen Werkstätten wird Richard Demuth ein Integrationsbegleiter zur Seite gestellt, der regelmäßig zum Arbeitsplatz kommt und für Fragen bzw. bei Problemen zur Verfügung steht. Und auch im Unternehmen selbst brauche es zusätzliche Unterstützung, betont Madeleine Leube.

Im Fall der Firma Herold gibt es diese Unterstützung in Person von Jörg Schimmer. Der Monteur betreut Richard Demuth am Arbeitsplatz, leitet ihn an und hat in der Werkstatt ein Auge auf ihn. "Wir haben aktuell alle Hände voll zu tun, da bleibt schon mal was liegen. Richard ist für uns Facharbeiter eine große Hilfe und einfach ein Sonnenschein", erzählt er. Für Jörg Schimmer ist der zusätzliche Einsatz Herzenssache. Er sagt: "Wenn es mal wieder richtig stressig wird, Richard dann auf mich zukommt und mich anlacht, dann nimmt das einfach den Druck raus." Nicht nur für ihn, sondern für das gesamte Team sei das ein echter Gewinn. Dass auch Richard Demuth die Arbeit richtig Spaß macht, ist nicht zu übersehen: Voller Stolz läuft er durch die Werkhalle und strahlt dabei jeden an, der ihm begegnet. "Und wenn Richard sagt ‚Schön hier!", dann macht uns Mitarbeitern das bewusst, dass es hier wirklich schön ist. Das tut einfach gut", sagt Jörg Schimmer mit einem Lachen.

Projekt "INklusiv! Gemeinsam arbeiten"

Das Projekt "INklusiv! Gemeinsam arbeiten" der Mainfränkischen Werkstätten GmbH hat das Ziel, die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu fördern. Ausgehend vom Wunsch- und Wahlrecht des Beschäftigten und in enger Abstimmung mit Unternehmen werden dabei maßgeschneiderte Arbeitsplätze in regionalen Unternehmen geschaffen. Bewerber und Betriebe können sich zunächst bei einem Praktikum kennenlernen. Ein Integrationsbegleiter unterstützt bei der Einarbeitung und steht als Ansprechpartner für Mitarbeiter und Betrieb zur Verfügung. Arbeitgeber bleibt die Mainfränkische Werkstätten GmbH.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten