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GmbH-Gesellschafter Musterprozess zur Abgeltungsteuer

GmbH-Gesellschafter, die zu mindestens 10 Prozent an einer GmbH beteiligt sind und der GmbH ein verzinsliches Darlehen gewähren, müssen Gewinnausschüttungen dieser GmbH mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Die Besteuerung mit der oftmals günstigeren 25-prozentigen Abgeltungsteuer scheidet nach § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1b EStG aus. Doch gilt das für jede Form der Beteiligung?

Im Einkommensteuergesetz steht nur, dass die Sondervorschrift des § 32d EStG greift, wenn ein Steuerzahler eine Beteiligung von mindestens 10 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält. Doch was ist mit Beteiligung gemeint? Nur die unmittelbare Beteiligung oder auch die mittelbare Beteiligung?

Für die Finanzämter ist die Sache glasklar. Es sind beide Beteiligungsformen gemeint (BMF, Schreiben v. 9.10.2012, Az. IV C 1 - S 2252/10/10013). Doch die Richter des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz sehen das ganz anders. Da die mittelbare Beteiligung in § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1b EStG nicht explizit genannt ist, profitieren zu mindestens 10 Prozent mittelbar beteiligte Gesellschafter, die der GmbH ein verzinsliches Darlehen gewähren, bei Erhalt einer Gewinnausschüttung von der Abgeltungsteuer (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 24.6.2015, Az. 2 K 1036/13).

Beispiel: Max Maier ist zu 13 Prozent mittelbar an der XY-GmbH beteiligt. Er hat der GmbH ein verzinsliches Darlehen gewährt, für das er von der GmbH Zinsen erhält. Die GmbH schüttet 100.000 Euro an Max aus. Sein persönlicher Einkommensteuersatz beträgt 42 Prozent.

  Besteuerung mit der Abgeltungsteuer Besteuerung mit persönlichem Einkommensteuersatz
Ausschüttung 100.000 Euro 100.000 Euro
Steuerlast (Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag) 26.375 Euro 44.310 Euro
Begründung FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 24.6.2015, Az. 2 K 1036/13 BMF, Schreiben v. 9.10.2012, Az. IV C 1 - S 2252/10/10013

Tipp: Bevor die Finanzämter diese steuerzahlerfreundliche Entscheidung umsetzen, muss erst der Bundesfinanzfinanzhof in einem Revisionsverfahren entscheiden (BFH, Az. VIII R 27/15). Bis dahin müssen sich benachteiligte Gesellschafter mit einem Einspruch gegen die Versagung der Abgeltungsteuer wehren.

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