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Kapitallebensversicherung Kündigung ist immer nur der letzte Ausweg

Veränderungen am Vertrag seiner Kapitallebensversicherung sollte man nur im Notfall vornehmen, dennoch ist die Lebensversicherung bei Liquiditätsengpässen nicht so unflexibel wie oft befürchtet. Welche Möglichkeiten Kunden haben und wie sie sich auswirken.

Beratung
Die Änderung einer Lebensversicherung sollte nie ohne eingehende Beratung erfolgen. -

Das Wichtigste gleich vorweg: "Bevor sich jemand bei Liquiditätsproblemen überhaupt mit seiner Lebensversicherung befasst, sollten zunächst alle anderen Alternativen geprüft und ausgeschlossen worden sein." Hartmut Drexel, Leiter Betriebsberatung bei der Handwerkskammer München und Oberbayern, sagt es klipp und klar. Auch alle anderen Experten, egal ob aus den Kammern, der Verbraucherberatung oder direkt aus der Versicherungsbranche, stimmen dem zu. "Schließlich diente der Abschluss einer Kapitallebensversicherung der Alterssicherung", betont Heide Härtel-Herrmann, unabhängige Finanzbeaterin aus Köln. Jeder Eingriff kann somit Auswirkungen auf das Auskommen im Alter haben. "Und nicht selten wird das Problem nur nach hinten verlagert." Insbesondere eine Kündigung, so Härtel-Herrmann, "kann immer nur der letzte Schritt sein."

Der Spielraum reicht von Stundung bis Beleihung

Dennoch – auch darin sind sich alle Experten einig – geht es dann nicht anders, erweist sich die Lebensversicherung meist als deutlich flexibler als oft vermutet. Der Spielraum reicht von der Stundung der Beiträge über Beitragsfreistellung oder Herabsetzung der Versicherungssumme bis zur Beleihung. Sogar der Verkauf einer Police ist grundsätzlich möglich – wobei bei dieser Variante am meisten Vorsicht geboten ist. Nachfolgend stellen wir alle Alternativen vor.

Grundfrage ist: Geht es um Investitionen oder müssen Schulden beglichen werden? Sprich: Wird kurzfristig eine größere Summe benötigt? Dann bieten sich Policendarlehen oder Verkauf an. Oder geht es darum, kurz- oder langfristig die monatlichen Belastungen zu reduzieren, dann sind Stundung, Freistellung oder die Herabsetzung der Versicherungssumme angesagt.

Beleihung (Policendarlehen): Seine Versicherung zu beleihen, heißt konkret, sich bereits vor Ablauf des Vertrages einen Teil der Versicherungssumme auszahlen zu lassen. In der Regel geht dies bis zum Betrag des aktuellen Rückkaufwertes. Vorteil: Das Darlehen kann jederzeit ohne Einhaltung von Fristen getilgt werden. Und mit der Tilgung ist wieder alles beim Alten. Kann bis zum Vertragsende nicht getilgt werden, erfolgt am Ende eine Verrechnung. Nachteil: Die Darlehenszinsen sind in der Regel deutlich höher als die Guthabenzinsen. Länger als drei bis vier Jahre rechnet sich eine Beleihung daher in der Regel nicht. Außerdem können bei alten Verträgen und Auszahlungssummen über 25.000 Euro steuerliche Nachteile entstehen. Tipp: Seit ein paar Jahren gibt es Verträge, die gleich von vorneherein Teilauszahlungen ermöglichen.

Verkauf der Police: Noch bis vor ein paar Jahren galt diese Alternative unter Experten als gangbarer Weg. Die Zeitschrift "Finanztest" etwa war sich damals sicher, dass der Verkauf allemal besser ist als eine Kündigung. Dabei ging sie allerdings vom Idealfall aus. Der funktioniert so, dass der Käufer die Police weiterlaufen lässt. Den am Ende fälligen Gewinn teilt er sich mit dem Verkäufer, wodurch dieser bei der Abgabe der Police mehr Geld bekommt, als der aktuelle Rückkaufswert betragen würde. Zudem bleibt der Versicherungsschutz bestehen.

Mittlerweile ist die Skepsis deutlich gewachsen. Der Grund: Aufgrund der Finanzmarktkrise wurde das Geschäft für die Aufkäufer unattraktiv. Daher gibt es nur noch sehr wenige seriöse Anbieter, aber ein Heer von dubiosen Geschäftemachern. Nicht selten wird mit unrealistischen Summen gelockt, von denen nur ein Teil sofort ausgezahlt wird. Der Rest soll in Raten folgen, auf die die Verkäufer allerdings oft vergeblich warten. In Ausgabe 4/2012 zeichnet "Finanztest" inzwischen ein düsteres Bild und auch Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft empfiehlt: "Ist der Policenverkauf explizit gewünscht, so sollte sorgfältig geprüft werden, mit wem man sich einlässt und ob das Angebot plausibel und angemessen ist."

Erst Beratung, dann Versicherung verändern

Stundung der Beiträge: Handelt es sich nur um einen vorübergehenden Engpass, kann der Versicherte auch eine Stundung der Beiträge beantragen. Hierfür gelten je nach Vertrag Fristen, meist ein oder zwei Jahre. Nach dieser Frist, müssen die Beiträge nachgezahlt werden. Sinnvoll ist eine Stundung also nur, wenn sicher ist, dass in absehbarer Zeit wieder Geld fließt, etwa im Mutterschutz oder bei vorübergehender Arbeitslosigkeit. Vorteil: keine Auswirkungen auf die Altersvorsorge.

Beitragsfreistellung: Ist absehbar, dass die monatlichen Raten auf Dauer nicht mehr tragbar sein werden, etwa weil jemand vorzeitig in Rente geht oder eine längere Arbeitslosigkeit droht, gibt es die Möglichkeit der Beitragsfreistellung. Vorteil: Das bereits eingezahlte Geld wird weiter verzinst, es gibt keine Stornoabzüge und Kündigungskosten. Großer Nachteil: Die Altersvorsorge fällt geringer aus.

Herabsetzung der ­Versicherungssumme: Alternativ kann bei zu hohen Beiträgen auch die Herabsetzung der Versicherungssumme eine Lösung sein. Im juristischen Sinne handelt es dabei um eine Teilkündigung. Diese ist jederzeit möglich, ist jedoch wie eine Kündigung mit finanziellen Verlusten und deutlichen Auswirkungen auf die Altersabsicherung verbunden.

Keine großen Folgen hat dagegen die Kündigung der Dynamik, durch die sich Beitrag und Versicherungssumme regelmäßig erhöhen. Da mit jeder Erhöhung rechtlich ein neuer Vertrag abgeschlossen wird, kostet die Kündigung den Kunden nichts. Im Gegenteil: Der bestehende Anspruch bleibt gleich. Heide Härtel-Herrmann rät sogar grundsätzlich ab, Verträge mit Dynamik abzuschließen. Denn mit jeder Erhöhung entstehen auch neue Gebühren.

Grundsätzlich gilt: Veränderungen bei der Kapitallebensversicherung sollten nie ohne umfassende Beratung vorgenommen werden. Ansprechpartner sind die Kammern, Verbraucherzentralen oder Versicherungsexperten.

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