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Maschinenleasing Alternative zum Bankkredit

Als sich Timm Jansen vor vier Jahren mit seiner Tischlerei in Neuss selbstständig machte, waren die Investitionen "nicht gerade gering". Dennoch: Grundsätzlich spielte seine Hausbank mit. Als dann jedoch noch eine Kantenanleimmaschine angeschafft werden sollte, wurde es knifflig.

Timm Jansen
Tischlermeister Timm Jansen hat sich dafür entschieden, einen Teil seiner Maschinen zu leasen. -

Jansen überlegte nicht lange. Er kannte eine Alternative – und entschied sich, die Maschine einfach zu leasen. Damit ist Jansen eine Ausnahme – zumindest im Handwerk. Denn leider bedauert Burkart Pfalzgraf, Regionalleiter bei der Albis HiTec Leasing AG, sei die Finanzierungsmöglichkeit Leasing noch längst nicht überall bekannt – zumindest nicht, was Maschinen betrifft. Leasing sei allenfalls dann ein Thema, wenn es um sehr teure Anlagen gehe, so seine Erfahrung. Dass sich auch kleinere Maschinen, sogar Handmaschinen oder beispielsweise Softwareprodukte, zunächst leasen und bei Bedarf später kaufen lassen, "wissen viele Betriebsinhaber überhaupt nicht.

Auch Leasingbanken tun sich etwas schwer

Das Problem: Nicht nur in den Werkstätten ist das Thema nicht bekannt, auch viele Maschinenhersteller oder -händler kennen sich nicht aus. Und hinzu kommt: Auch einige Leasingbanken tun sich schwer, wenn es um Summen unter 20.000 Euro geht. "Es gibt aber durchaus Anbieter", weiß Achim Lehnert, Leiter Finanz- und Rechnungswesen bei der Eugen Lägler GmbH, "man muss mitunter nur etwas suchen." Zwischen 1.000 und 5.000 Euro kosten Lägler-Geräte – und bei Bedarf lassen sie sich alle auch leasen.

Lägler, Hersteller von Fußbodenschleifmaschinen, verkauft seit 2001 direkt an Endkunden und beschäftigt sich seitdem auch mit Leasing. Vor ein paar Jahren entwickelte das Unternehmen – gemeinsam mit Albis – sogar ein eigenes Leasing-Modell mit erweiterten Leistungen, darunter die ausdrückliche Erlaubnis, Maschinen auch an Dritte zu verleihen. Ein Konstrukt, das gerade auch für das Handwerk interessant ist, weil es beispielsweise bei Nichtauslastung das Verleihen des Gerätes an einen anderen Betrieb erlaubt.

Es ist möglich, schneller auf Innovationen zu reagieren

Zwar sei beim Leasing von Maschinen unter 10.000 Euro die Verzinsung im Verhältnis hoch, räumt auch Lehnert ein. "Dennoch kann es gute Gründe für Leasing geben." Experten empfehlen die Lösung beispielsweise immer dann, wenn die Ratingrate bei der Hausbank erhalten werden soll, der unternehmerische Handlungspielraum erweitert, Liquidität erhalten und/oder wenn viele Maschinen auf einmal angeschafft werden müssen. Schreinermeister Jansen beispielsweise belastete die knapp 25.000 Euro teure Kantenanleimmaschine auf diese Weise nur mit rund 440 Euro pro Monat.

"Und wenn der Vertrag abgelaufen ist", so Jansen, "kaufe ich sie raus." Franz Falk, Leiter der Abteilung Betriebsberatung der Handwerkskammer Region Stuttgart, empfiehlt, sich auf jeden Fall mehrere Angebote einzuholen. Wichtig seien die Leasingrate, die Anzahlung und der Restwert. Interessant sei auch die Frage, ob bei Liquiditätsengpässen Leasingraten ausgesetzt werden können. Ein weiterer Vorteil ist zudem das schnelle Reagieren auf Innovationen. Denn Leasingkunden sind keineswegs verpflichtet, die Maschine nach Ablauf des Vertrages zu übernehmen.

Ebenso können sie sie zurückgeben und eine neue, aktuellere Maschine leasen oder, wenn die Liquidität zum Kaufen nicht reicht, weiterfinanzieren. Es gibt sogar vorzeitig kündbare Leasingverträge, die somit eine höchstmögliche Flexiblität erlauben. Und natürlich spielen auch steuerliche Aspekte bei der Entscheidung fürs Leasing eine Rolle. Allerdings ist die Situation hier von Betrieb zu Betrieb so unterschiedlich, dass vor allem bei größeren Investitionen ein Steuerberater hinzugezogen werden sollte, wie alle Experten betonen.

Grundsätzlich gilt: Die monatlichen Leasingraten sind voll abzugsfähig und die geleasten Maschinen gehören nicht zum Anlagevermögen des Betriebes, denn Eigentümer bleibt bis zum Ablauf die Leasinggesellschaft. Dadurch entfallen die acht Jahre Abschreibungsdauer, Leasingverträge laufen in der Regel deutlich kürzer (siehe Kasten). Tischlermeister Jansen ist mit dem Konzept so zufrieden, dass er mittlerweile noch einen weiteren Vertrag abgeschlossen hat. Um seinen eigenen Abfall für die Energiegewinnung einsetzen zu können und kein Öl zukaufen zu müssen, hat er sich einen Warmluftofen angeschafft. Über einen Kredit hat er dieses Mal gar nicht erst nachgedacht.

Wie Leasing funktioniert

Die Maschine gehört bis zum Ende der Laufzeit der Leasinggesellschaft. In dieser Zeit ist der Leasingnehmer für Pflege, Wartung und Instandhaltung zuständig. Er darf die Maschine nicht ver­leihen. Mehrere Arten von Verträgen sind möglich, z.B:

  • Optionsverträge: Der Kunde entscheidet am Ende der Vertragslaufzeit, ob er das Objekt übernehmen, zurückgeben oder weiter finanzieren will.
  • Restwertverträge: Hier besteht für den Kunden die Möglichkeit, am ­Ende die Maschine zum kalkulierten Restwert oder höheren Marktwert zu übernehmen.
Obligatorisch ist eine Versicherung gegen Zerstörung, Beschädigung oder Diebstahl. Diese wird entweder mit dem Leasingvertrag abgeschlossen. Oder muss anderweitig nachgewiesen werden.

Zwei Rechenbeispiele

Bandschleifmaschine*
Kaufpreis: 4.079 Euro
Monatliche Rate
Laufzeit 36 Monate: 135,32 Euro
Laufzeit 48 Monate: 103,93 Euro
Restwert 10 Prozent,
konkret: 441,50 Euro

Kantenanleimmaschine**
Kaufpreis: 24.950 Euro
Monatliche Rate
Laufzeit 54 Monate: 439,87 Euro
Restwert 20 Prozent,
konkret: 4.990 Euro

*Beispiel Albis HiTec Leasing AG
** Beispiel andere Leasinggesellschaft

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