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Versicherungen Sicherheit fängt beim eigenen Leben an

Innerhalb der privaten Vorsorge spielen Versicherungen eine große Rolle. Wenn es um die Auswahl geht, müssen zuerst die existenziellen Risiken abgesichert werden. Entscheidend ist die jeweils individuelle Situation.

Seil, Karabiner
Eine gute Absicherung in der jeweiligen Situation kann sehr beruhigend sein. -

Der Arbeitstag war anstrengend. Trotzdem wollte Paul Merten* seiner Mutter nicht absagen. Seit Wochen hatte der gelernte Dachdecker ihr versprochen, die Regenrinne zu säubern. Doch offensichtlich war seine Aufmerksamkeit an diesem Abend erschöpft. Und so passierte ihm, was er vorher nie für möglich gehalten hatte. Er rutschte von der Leiter und landete unsanft in einem Gewächshaus.

Immerhin: Der hilfsbereite Sohn hatte Glück im Unglück. Zwar musste er einige Wochen in Krankenhaus und Reha verbringen – aber zumindest war Merten richtig versichert. Das Gewächshaus wurde von der privaten Haftpflicht gezahlt, seinen Arbeitsausfall deckte die private Unfallversicherung.

Beim Schutz gibt es klare Prioritäten

Versicherungsexperten und Verbraucherschützer wissen, dass das nicht immer der Fall ist. Das Problem: Viele Betroffene befassen sich nur halbherzig mit der Versicherungsfrage. "Nicht selten", bedauert Torsten Uhlig von der Signal Iduna, "sind materielle Güter wie Auto oder Hausrat besser abgesichert als der Mensch." Dabei, so der Fachmann, gebe es ­eigentlich ganz klare Prioritäten. An ­erster Stelle beim Versicherungsschutz muss die Absicherung existenzieller ­Risiken stehen. Danach geht es um die Erhaltung des Lebensstandards und im dritten Schritt um die Verbesserung desselben. Welche Versicherungen dann allerdings für wen relevant sind, hängt von der individuellen Situation ab.

Entscheidend ist, so Marcus Königbauer, Regionaldirekter Südbayern bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe, dass die Policen auf die persönlichen Bedürfnisse des Versicherten zugeschnitten sind. "Gute Beratung ist das A und O." Ein absolutes Muss für jeden ist die private Haftpflicht. Ein Umstand, um den längst nicht jeder weiß. In gerade einmal 68 Prozent aller deutschen Haushalte, so aktuelle Zahlen von Infratest TNS, gibt es diese Police (76 Prozent dagegen haben ihren Hausrat versichert). Arbeitskraft muss in jedem Fall abgesichert sein Jeder, der arbeitet, muss zudem seine Arbeitskraft absichern. Doch da fängt das Problem schon an: Junge Menschen haben andere Lebensbedingungen als ältere, Angestellte andere als Selbstständige (siehe Tabelle).

Grundsätzlich anzuraten ist für jeden Arbeitnehmer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Gerade Handwerker haben es oft jedoch schwer, eine solche zu bekommen, insbesondere dann, wenn sie sie nicht gleich in jungen Jahren abgeschlossen haben. Gibt es später bereits Vorerkrankungen, werden die Beiträge oft unbezahlbar oder es ist überhaupt kein Abschluss mehr möglich. Alternativen sind dann die Unfall-, die Erwerbs-, die Grundfähigkeitsversicherung sowie die so genannte Dread-Disease-Versicherung, die schwere Krankheiten absichert.

Halber Schutz ist besser als gar keiner

Zwar ist keine davon so konstruiert, dass sie umfassenden Schutz für den Fall bietet, dass jemand seinen aktuellen Beruf nicht mehr ausüben kann. "Im Zweifel", erläutert Constanze Hintze, Geschäftsführerin von der Münchner Finanzberatung Svea Kuschel + Kolleginnen, "ist ein halber Schutz aber besser als gar keiner." Marcus Königbauer empfiehlt gerade für Handwerker in jedem Fall eine Unfallversicherung. Egal ob eine BU vorhanden ist oder nicht. Der Grund: Handwerklich begabte Menschen sind oft auch in ihrer Freizeit noch handwerklich tätig – wie auch das Beispiel von Paul Merten zeigt. Passiert dann etwas, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht, die private schon.

Ebenfalls wichtig: Der Erwerbsminderungsschutz sollte spezifisch auf Handwerker zugeschnitten sein. Die Signal Iduna beispielsweise bietet hierzu spezielle Gliedertaxen in der Unfallversicherung an. Dies bedeutet, dass die Körperteile und/oder Sinnesorgane, die für die Ausübung des Berufs besonders wichtig sind, höher bewertet werden und beim Verlust dieser Körperteile bis zu 250 Prozent der Versicherungssumme ausgezahlt wird. Ist die eigene Arbeitskraft abgesichert, geht es darum, wer noch Schutz braucht. Muss eine Familie versorgt werden, ist nach Auffassung aller Experten auch eine Risikolebensversicherung unabdingbar. Auch die Frage, ob jemand angestellt oder selbstständig tätig ist, hat Einfluss auf den Versicherungsschutz: Zwar ist zusätzliche private Altersvorsorge heute für alle zu empfehlen. Für selbständige Handwerker, die sich ja von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen können, gilt jedoch umso mehr, sich hier rechtzeitig beraten zu lassen – und für ausreichende Absicherung zu sorgen. Zudem sollten selbstständige Handwerker eine Krankentagegeld-Versicherung abschließen. Bei Angestellten kann sie ebenfalls hilfreich sein, ist aber kein Muss.

*Name von der Redaktion geändert

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