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Apulien In Zipfelmützen-Iglus und Höhlenhotels

Alberobello und Matera: Zwei Städte in Süditalien beeindrucken mit ihrer rätselhafter Weltkulturerbe-Architektur. In den Zwergenhäuschen und Felsenkirchen können Reisende heute übernachten.

Das muss Schlumpfhausen sein. Ein Städtchen bestehend aus weißen, igluartigen Häuschen mit grauen Zipfelmützen-Dächern. Manche von ihnen mit geheimnisvollen, aufgemalten Symbolen. Trulli heißen diese merkwürdigen Rundbauten, nirgendwo gibt es so viele wie gut 50 Kilometer südlich von Bari, in Alberobello. 1.030 auf der einen Seite der Hauptstraße, im touristischen Stadtteil Monti, weitere 590 auf dem anderen Hügel, in Aja Piccola.

Die Behausungen entstanden als gerissenes Steuersparmodell des fiesen Grafen Gian Girolamo II. Als Lehnsherr sollte er im 17. Jahrhundert Grundsteuern für alle Häuser dieser Gegend an den König nach Neapel entrichten. Also wies er die von ihm im Itria-Tal angesiedelten Bauern an, ohne Mörtel zu bauen. So entstanden die Trulli aus kegelförmig bis in die Dachspitze aufgeschichteten Steinen. Kündigten sich Steuerinspektoren an, mussten die Bewohner sie so schnell wie möglich einreißen.

Ende des 18. Jahrhunderts waren die Menschen in Alberobello ihre wackeligen Lego-Häuschen leid und bekamen die Erlaubnis, "unkaputtbar" bauen zu dürfen.

Apulien

Trulli wohin man sieht

Heutige Trulli haben ein gemauertes Rund mit bis zu drei Meter dicken Wänden, die im Sommer vor Hitze schützen und im Winter die Kälte abhalten. Nur noch das Dach ist schuppenartig aus Steinen aufgeschichtet.

Im Stadtteil Monti beherbergen die meisten Trulli kleine Läden, Werkstätten oder Souvenir-Kioske. Hier droht Trulli-Overkill: Spardosen in Trullo-Form, Trulli-Topflappen und Miniatur-Trulli im Modelleisenbahn-Format. Mittendrin in Schlumpfhausen kann man als Besucher auch übernachten, in einfachen, nicht sehr geräumigen Unterkünften.

Weiter geht’s nach Matera, 70 Kilometer westlich. Ein Bummel durch Gassen mit kleinen Läden, Obstständen und Straßenhändlern zur Piazza Via Veneto – durch einen Torbogen auf eine Aussichtsplattform. Was für ein Panorama.

Ein Schlund von fast 180 Grad. Drei, vier Stockwerke tief geht es hinunter. Bebaut ist dieser Krater mit beigen Kastenhäusern, scheinbar wahllos zueinandergestellt und aufeinandergestapelt. Dazwischen ein Gassengewirr und schwarze Löcher: Höhlen, italienisch: Sassi. So heißen diese Stadtviertel Materas bis heute.

Höhlenwohnungen ohne Luxus

60 ehemalige Felsenkirchen befinden sich darin und unzählige Wohnungen, jahrhundertelang in den Tuffstein geschlagen. 15.000 Menschen hausten hier unter ärmlichsten Verhältnissen bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Keine Heizung, kein Strom, kein fließend Wasser.

Die Sassi verfielen, sind heute Weltkulturerbe. Tagsüber immer noch schäbig, wandeln sie sich abends zur aufgehübschten Diva der blauen Stunde. Abendsonnenstrahlen tauchen die Höhlenschlucht in violettes Licht, mittendrin gelbe Straßenlaternen wie Glühwürmchen. Restaurants öffnen. Diese einmalige Atmosphäre kann man am besten erleben, wenn man eine Nacht im Schlund von Matera verbringt.

Weitere Reiseinformationen zu Apulien

Anreise: Von deutschen Flughäfen fliegen z.B. Germanwings und Air Berlin nach Bari. Ein Mietwagen für zwei Wochen kostet etwa 300 Euro ohne Benzin.
Übernachten: In Alberobello können Trulli unterschiedlicher Größe gemietet werden. Ebenfalls gibt es zahlreiche Möglichkeiten in den Sassi von Matera.
Besichtigen: Ehemalige Höhlenwohnung in Matera, casagrotta.it.
Infos: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, enit.it.

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