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Gesundheit in fortgeschrittenem Alter In Rente und dann krank

Wer in Deutschland mit 65 Jahren in Rente geht, hat statistisch gesehen nur noch knapp sieben gesunde Lebensjahre vor sich. Damit liegt Deutschland weit hinten im internationalen Vergleich. Woran das liegt und was jeder dagegen tun kann.

Norweger und Isländer können sich freuen: Wenn sie mit 65 aufhören, liegen durchschnittlich noch 15 gesunde Lebensjahre vor ihnen. Ganz anders die Deutschen. Nur noch sieben gesunde Lebensjahre erwarten statistisch gesehen die Bürger beim Renteneintritt.

Deutschland liegt in diesem Punkt weit hinten im Vergleich zu anderen Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), zeigt der OECD-Wirtschaftsbericht 2016.

Trotzdem empfahl der Internationale Währungsfonds jüngst wieder, die Deutschen sollten das Renteneintrittsalter weiter anheben, was dem vergleichsweise schlechten Gesundheitszustand der Älteren zu widersprechen scheint.

Deutsche früher und häufiger schwer krank

Schließlich leiden die Deutschen früher und häufiger an Krankheiten wie Krebs, Herz- Kreislaufstörungen und psychischen Problemen als andere EU-Bürger. Auch Demenz tritt hier demnach häufiger auf.

Auf die Lebenserwartung scheint das aber kaum Einfluss zu haben. Diese liegt in Deutschland nur unwesentlich niedriger als bei den Tabellenführern Norwegen und Island: Die Menschen werden in Deutschland im Schnitt 84,7 Jahre alt, in Island glatte 85 Jahre.

Ungesunde Lebensweise und Stress machen krank

Einen Grund für die Unterschiede vermutet die OECD in ungesunden Lebensgewohnheiten der Deutschen, aber auch in den Arbeitsbedingungen. Im internationalen Vergleich werde in Deutschland relativ viel geraucht, Alkohol getrunken, die Deutschen ernährten sich schlechter und bewegten sich vergleichsweise weniger.

Bei der Arbeit liegt Deutschland zwar hinsichtlich Einkommensqualität und Arbeitsmarktsicherheit vor dem OECD-Durchschnitt. Doch die Qualität des Arbeitsumfelds ist laut Umfragen unterdurchschnittlich. Doppelt so viele Arbeitskräfte in Deutschland wie in den Niederlanden oder Dänemark klagen über ungünstige und aufreibende Arbeitsbedingungen (19 Prozent). Dies bewirke einen subjektiv als schlechter empfundenen Gesundheitszustand, führe zu Fehlzeiten, zum Entstehen psychischer Krankheiten und befördere letztlich Frühverrentung.

Nur durch Präventionsmaßnahmen im privaten Umfeld und bei der Arbeit könne hier gegengesteuert werden.

EU-Projekt fördert gesundes Arbeiten für jedes Alter

EU-Kampagne

Um sichere und gesunde Bedingungen bei der Arbeit zu fördern, hat die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitplatz die Kampagne "Gesunde Arbeitsplätze - für jedes Alter" gestartet. Mit Hilfe von Informationen und Instrumenten zu Sicherheit und Gesundheit sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Klein und Kleinstunternehmen die Bedingungen bei der Arbeit verbessern.

bst

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