Mobilität -

Sicherheit von Transportern im Test ADAC: Transporter in Grundausstattung nicht empfehlenswert

Erstmals hat der ADAC leichte Nutzfahrzeuge nach Euro NCAP-Standard geprüft. Das Urteil: alarmierend.

Das European New Car Assessment Programm, kurz Euro NCAP, beurteilt seit mehr als zwei Jahrzehnten die Sicherheit von Pkw. Nun hat der ADAC erstmals auch Transporter dem Test unterzogen – mit alarmierenden Ergebnissen. "Betrachtet man die Standardausführungen der Transporter, müssen alle Modelle im Test mit ,nicht empfehlenswert‘ bewertet werden", konstatiert der Verkehrsclub.

Trotzdem wurden mit dem VW T6, dem Ford Transit und dem Mercedes- Benz Vito drei der 19 leichten Transporter mit bis zu 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht in die Kategorie "Gold" eingestuft. Das lag allerdings nur an der Tatsache, dass ausschließlich Mo­delle mit der höchsten Ausstattung den Testlauf absolvierten. Nach Einschätzung des ADAC hat das insgesamt schlechte Abschneiden der leichten Nutzfahrzeuge vor allem eine Ursache: Während viele wichtige Assistenzsysteme im Pkw oft schon serienmäßig verbaut werden, sind sie für Transporter gar nicht oder nur gegen Aufpreis erhältlich.

Assistenzsysteme nicht so gut wie im Pkw

Notbremsassistenten mit Radfahrererkennung gab es nur in fünf Modellen. Gurtwarner für Beifahrer würden sogar nur zwei Hersteller bieten. "Weil zugleich Beifahrerairbags häufig fehlen, besteht hier eine echte Sicherheitslücke", warnt der ADAC. Die Tests hätten außerdem ergeben, dass die Assistenzsysteme in den Transportern oft nicht so gut und zuverlässig funktionieren wie im Pkw. Vor allem die Spurhalteassistenten hätten im Test meist schlecht abgeschnitten und würden die Fahrzeuge nicht ausreichend in der Spur halten.

Wie wichtig Notbremsassistenten im Falle einer Kollision sind, konnte der ADAC bei einem Crashtest zwischen einem 3,5-Tonner mit halber Nutzlast und einem Pkw nachweisen, die bei 50 km/h aufeinanderprallten. Da der Transporter höher und schwerer ist, zeigte sich für Fahrer und Beifahrer im Pkw ein deutlich erhöhtes Risiko für Verletzungen von Brust, Becken, Oberschenkel, Knie und den unteren Extremitäten als bei einer Kollision mit einem anderen Pkw. Aber auch für die Insassen des Transporters bestand laut ADAC ein hohes Verletzungsrisiko für Brust, Becken, Oberschenkel und Knie. Der Grund: Es fehlt oft an passiven Sicherheitssystemen wie Airbags oder Gurtstraffern.

Ab Mai 2022 alle neuen Modelle mit Notbrems- und Spurhalteassistent

Das Sicherheitsproblem bei den leichten Nutzfahrzeugen hat längst auch die EU-Kommission auf den Plan gerufen. Ab Mai 2022 müssen neue Modelle mit Notbrems- und Spurhalteassistenten ausgerüstet werden. Auf eine entsprechende vorläufige Vereinbarung haben sich die EU-Verkehrsminister schon im März 2019 geeinigt. Der ADAC fordert derweil die Hersteller dazu auf, bereits vorher die Sicherheitssysteme serienmäßig anzubieten und ihre Leistung auf Pkw-Niveau anzuheben. Handwerkern empfiehlt der Verkehrsclub, beim Kauf eines Transporters mindestens ein Fahrzeug mit Notbremsassistent zu wählen.

Downloads
  • ADAC NCAP-Test für Transporter (PDF, 947 kB)

    Ergebnisse des ersten Euro NCAP-Tests für Transporter von 2,8 bis 3,5 Tonnen. 19 Modelle in höchster Ausstattung hat der ADAC unter die Lupe genommen. mehr...

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