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Reform tritt am 23. Dezember in Kraft Immobilienkauf: Was das Gesetz zur Teilung der Maklerkosten bringt

Zukünftig dürfen Verkäufer von Wohneigentum die Maklerprovision nicht mehr vollständig auf den Käufer abwälzen. Die Reform zur Maklerprovision tritt kurz vor Weihnachten in Kraft und soll Käufer finanziell entlasten. Doch inwieweit profitieren sie tatsächlich vom neuen Gesetz?

Bisher war es in vielen Bundesländern so: Wer ein Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung über einen vom Verkäufer beauftragten Makler kaufte, zahlte auch die komplette Provision. Zukünftig jedoch müssen die Kosten für die Maklercourtage geteilt werden. Grund dafür ist eine Reform über die Verteilung der Maklerkosten, die der Bundestag und Bundesrat bereits Mitte Mai 2020 beschlossen haben. Die neuen Regelungen treten am 23. Dezember 2020 in Kraft. Sie gelten für Maklerverträge, die ab diesem Zeitpunkt geschlossen werden.

Finanzielle Entlastung für Käufer

Durch die Teilung der Maklerkosten sollen private Immobilienkäufer finanziell entlastet werden. Inbesondere in größeren Städten und Ballungsräumen können die Kosten für die Maklercourtage hoch ausfallen, da sich diese am Kaufpreis bemisst. Bei Objekten im Wert von Hunderttausenden Euro können so schnell Zehntausende Euro an Maklerkosten fällig werden. Je nach Bundesland unterscheidet sich die Courtage und kann inklusive Mehrwertsteuer bis zu 7,14 Prozent des Kaufpreises betragen.

Die Reform werde die Nebenkosten beim Kauf von Wohneigentum spürbar senken, heißt es in einem Statement von Christina Lambrecht vom 14. Mai 2020. "Durch die neuen Regeln erleichtern wir jungen Menschen und Familien die Bildung von Wohneigentum und den Aufbau einer zukunftsfesten Altersvorsorge", so die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz.

Teilung der Maklercourtage: Das ändert sich mit dem neuen Gesetz

Laut des neuen Gesetzes darf derjenige, der den Makler zuerst beauftragt hat, nicht mehr als 50 Prozent der Kosten der Maklercourtage auf die andere Partei abwälzen. Gehen Verkäufer und Käufer gemeinsam einen Maklervertrag ein, müssen sie jeweils zu gleichen Teilen die Provision zahlen. Die Regelungen gelten allerdings nur, wenn der Käufer als Verbraucher handelt und etwa ein Einfamilienhaus oder eine Wohnung für die private Vermietung erwirbt.

Handelt er hingegen gewerblich, dürfen die Kosten für die Maklercourtage wie schon zuvor frei verhandelt werden. Das gilt ebenfalls beim Kauf eines Mehrfamilienhauses. Auch wer für die Vermietung von Wohnraum einen Makler beauftragt hat, muss die Kosten für die Provision übernehmen. Für diesen Fall gilt seit 2015 das Bestellerprinzip.

Das Gesetz sieht zudem vor, dass Maklerverträge, bei den es um den Verkauf eines Einfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung geht, zukünftig in Textform geschlossen werden müssen.

Immobilienmakler begrüßt das neue Gesetz

Kurt Friedl, CEO des Immobilienmaklernetzwerks RE/MAX Germany, begrüßt das neue Gesetz: "Wir sehen die Teilung der Maklercourtage als einen fairen Interessenausgleich zwischen den beiden Parteien Käufer und Verkäufer." Die Befürchtung, dass durch die Reform zukünftig weniger Makler beauftragt werden, teilt er nicht. Die neue Regelung sei aber ein Anreiz für Immobilienmakler, ihren Service zu verbessern. "Makler arbeiten dann nicht nur für die Eigentümer, sondern auch die Käufer. Sie müssen beide Seiten zufriedenstellen", so Friedl. Wer unzureichende Leistungen biete, hätte in Zukunft weniger Chancen engagiert zu werden: "Die gut ausgebildeten und serviceorientierten Makler werden sich am Markt durchsetzen ", prognostiziert Friedl.

Maklerprovision wird möglicherweise auf Kaufsumme aufgeschlagen

Doch nicht alle halten das neue Gesetz für ausreichend. Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund (BSB) sieht die Gefahr, dass Immobilienverkäufer die zusätzlichen Kosten auf den Kaufpreis aufschlagen. "Dieser Mitnahmeeffekt konnte besonders in den Ballungsregionen auch auf Seiten der Unternehmen beim Baukindergeld beobachtet werden", erläuterte Becker am 18. Mai 2020.

Um den Immobilienerwerb für Verbraucher nachhaltig bezahlbarer zu machen, schlägt der Verbraucherschutzverband stattdessen eine Reform der Grunderwerbssteuer vor. Je nach Region werde bis zu 6,5 Prozent der Kaufsumme als Steuer fällig. Dies habe seit 2010 für ein dreifaches Steueraufkommen in diesem Bereich gesorgt. "Die Länder haben durch die stetige Erhöhung der Grunderwerbssteuer deutlich vom Immobilienboom profitiert", so Becker. "Eine Steuersenkung wäre ein wichtiges Signal, um gerade in Zeiten der Corona-Krise für Stabilität zu sorgen und Verbraucher beim Immobilienkauf besser zu unterstützen."

Kaufnebenkosten: So könnten sie in den Bundesländern zukünftig sinken

Maklercourtage und Grunderwerbsteuer machen den Löwenanteil der Kaufnebenkosten aus. Das zeigt auch eine im Mai 2020 erstellte Karte von Interhyp, Vermittler privater Baufinanzierungen. Demnach könnten die Kaufnebenkosten in Brandenburg mit dem Beschluss von mehr als 15,5 Prozent auf rund zwölf Prozent, in Bremen von gut 13 Prozent auf rund zehn Prozent und in Berlin von etwas über 15 Prozent auf fast zwölf Prozent sinken. In Hamburg lagen die Kaufnebenkosten Mitte Mai bei knapp 13 Prozent. Sie könnten Interhyp zufolge auf zehn Prozent zurückgehen, in Hessen wiederum von etwa 14 Prozent auf rund elf Prozent. "Bei einem Kaufpreis von rund 400.000 Euro in Berlin machen rund 3,5 Prozent weniger über 14.000 Euro mehr in der Kasse der Immobilienkäufer aus", so Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft bei Interhyp. Mit Inhalten von dpa

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