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Minijobs Immer mehr Rentner müssen arbeiten

Immer mehr Deutsche machen sich Sorgen um ihre Rente. Jüngsten Berechnungen zufolge wachsen nicht nur die Kaufkraftverluste, auch müssen sich immer mehr Ältere einige Euro dazuverdienen.

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Alt-Bundespräsident Roman Herzog die außerplanmäßige Erhöhung der Renten durch die Große Koalition als Reaktion auf die Kritik von Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine. "Da hat er offenbar einen wunden Punkt bei den Volksparteien getroffen", sagte Herzog.

Wie die "Berliner Zeitung" berichtete, hat die Bank Unicredit einen Verlust der realen Einkommen der Rentner von 2004 bis einschließlich 2008 um 8,5 Prozent errechnet. Unicredit-Ökonom Alexander Koch zufolge sind die Realrenten damit auf das Niveau von Mitte der 1970er Jahre abgerutscht. Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, befürchtet, dass die Kaufkraftverluste bis 2010 auf mehr als zehn Prozent ansteigen werden.

Angesichts dieser Belastungen gehen immer mehr Ältere auch über das Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus arbeiten. Wie die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf Zahlen des Bundesarbeitsministeriums schreibt, stieg in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Minijobber über 65 Jahren um knapp 40 Prozent. Derzeit sind es den Angaben zufolge 702.141, hinzu kämen 114.913 Ältere, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgingen. Arbeitende Rentner unter 65 Jahren werden in der Statistik nicht mitgezählt.

Für Linke-Chef Oskar Lafontaine werden die Rentner somit immer mehr zu Verlierern der Reformpolitik. "Dies betrifft künftige Rentnerjahrgänge noch schlimmer", fügte Lafontaine hinzu. Während ein Arbeitnehmer, der heute 1.000 Euro verdient, im OECD-Durchschnitt eine Rente von 730 Euro zu erwarten habe, seien für ihn in Deutschland 400 Euro Rente vorgesehen. "Damit ist millionenfache Altersarmut gesetzlich programmiert", sagte Lafontaine.

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen die Renten in diesem Jahr um 1,1 Prozent und damit stärker als nach geltenden Recht vorgesehen steigen. Angesichts der demografischen Entwicklung hatte Herzog bereits vergangene Woche vor einer "Rentnerdemokratie" gewarnt und erklärt: "Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern." Die Sozialdemokraten wiesen solche Äußerungen entschieden zurück.

Es sei "unverantwortlich", einen "Krieg der Generationen" anzuheizen, sagte die Bundesvorsitzende der Arbeitsgruppe SPD 60plus, Erika Drecoll. Zudem sollte anerkannt werden, dass gerade im familiären Bereich die Älteren "eher die Gebenden als die Nehmenden" seien.

ddp

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