Deutsche Handwerks Zeitung -

EU-Batterierichtlinie auf dem Prüfstand Immer mehr Batterien und Akkus in Gebrauch und auf dem Müll

Akkuschrauber, Staubsaugerroboter, Pedelecs und Solaranlagen mit Speicher – immer mehr Technik unseres Alltags ist mit Akkus ausgestattet. Die Hersteller nutzen dafür heute meist Lithium-Ionen-Batterien. Da diese in der EU-Batterierichtlinie keine eigene Kategorie bilden, gibt es allerdings auch keine eindeutigen Recyclingvorgaben.

Die EU-Batterierichtlinie stammt aus dem Jahr 2006. Als sie erstellt wurde, spielten Lithium-Ionen-Batterien noch keine namhafte Rolle. Im Fokus damals: Blei-, Nickel-Cadmium und sonstige Batterien und Akkus. Zwar gibt es für sie somit auch genaue Vorgaben, wie sie gesammelt und recycelt werden müssen und wer dafür zuständig ist. Insgesamt landen aber viel zu viele Batterien im Müll und werden nicht recycelt. Eine große  Ressourcenverschwendung bahnt sich nun bei den Lithium-Ionen-Batterien an, wenn es nicht bald neue Vorgaben für deren Sammlung und Recycling nach der Nutzung gibt.

Die EU hat gerade die turnusmäßige Überprüfung der Batterierichtlinie in Arbeit – und das ist nötig, denn die aktuellen Vorgaben sind veraltet. Im Rahmen der Prüfung hat das Öko-Institut e.V. eine Studie zur Evaluierung der Batterierichtlinie durchgeführt und die Sammelmenge der Gerätebatterien in allen 28 EU-Mitgliedstaaten ausgewertet. Zu den Gerätebatterien gehören hierbei Batterien, die in Haushalten und kleinen Betrieben genutzt werden, wie beispielsweise Akkuschrauber oder Staubsauger, wie elektrische Zahnbürsten und Handys und vieles mehr.

Das zentrale Ergebnis: Nur rund der Hälfte aller Mitgliedstaaten erreicht die vorgeschriebene Sammelquote von 45 Prozent. Anders gesagt: Der Großteil aller Gerätebatterien und Akkus wird nicht ordnungsgemäß gesammelt und kann nicht recycelt werden.

Brandgefahr durch kaputte Lithium-Ionen-Batterien

"So besteht die Gefahr, dass gefährliche Stoffe wie Blei und Cadmium in der Umwelt landen und wertvolle Materialien wie Kobalt und Lithium können nicht nochmals genutzt werden", sagt Hartmut Stahl vom Öko-Institut, der Hauptautor der Studie. Er plädiert dafür, dass mehr Aufklärung zur besseren Sammlung der Batterien betrieben werden sollte. Bei Lithium-Ionen-Batterien kommt noch eine Gefahr hinzu. Insbesondere wenn  sie beschädigt sind, besteht Brandgefahr.

Auch in Deutschland könnte aus seiner Sicht mehr unternommen werden, damit Batterien nicht achtlos weggeworfen werden. Zwar liegt die Sammelquote hierzulande bei knapp 45 Prozent, "aber so werden eben nur die Vorgaben erfüllt und es gibt keinen Anreiz, dass mehr Batterien gesammelt werden als gesetzlich vorgegeben", sagt Stahl. Ein weiteres Problem liegt aus seiner Sicht in den unklaren Formulierungen der EU-Richtlinie, die in Deutschland als "Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Batterien und Akkumulatoren" Gültigkeit hat.

Sind darin zwar die Hersteller der Geräte, die mit diesen die Batterien und Akkus in den Verkehr bringen, ganz klar in die Pflicht genommen, sich um die Sammlung dieser Gerätebatterien zu kümmern, gibt es in der Praxis dennoch Probleme. Der Grund: neue Anwendungen wie Akkus von Pedelecs und Speichern von Solaranlagen, die zwar von Privatleuten verwendet werden, aber nicht in die Kategorie der Gerätebatterien fallen. Anders als für Gerätebatterien, für die die Wege der Sammlung und Verwertung klar vorgegeben sind, sind für solche Akkus die Vorgaben nicht eindeutig formuliert.

Wohin mit den Akkus von Pedelecs und E-Fahrzeugen?

So funktioniere das System, dass man die kleinen Batterien, wenn sie leer sind, im Einzelhandel in die typischen grünen Kartons und Boxen wirft, und die Akkus von kaputten Elektrokleingeräten mit dem Gerät beim Recyclinghof abgibt, eben genau bei den genannten Beispielen nicht zwingend. "Gerade bei Pedelecs und PV-Speichern ist die Richtlinie vage was Sammlung und Transport der alten Akkus betrifft, da sie nicht den Geräte- sondern den Industriebatterien zugeordnet werden", erklärt Hartmut Stahl. So könne es etwa sein, dass ein Fahrradhändler zwar die alten Akkus des E-Bikes zurücknimmt, aber dann gar nicht weiß was er damit anfangen soll und im schlimmsten Fall trägt der Endverbraucher das finanzielle Risiko.

Noch zeigt sich hierbei kein großes Problem in der Praxis, weil die meisten PV-Speicher noch nicht so lange in Betrieb sind, dass sie massenweise ausgetauscht werden – ähnlich bei Pedelecs oder gar Elektroautos. Doch ohne Anpassung in der EU-Batterierichtlinie und entsprechend auch in den nationalen Gesetzen könnte ein Problem entstehen.

Neben der besseren Aufklärung über das korrekte Sammeln von Batterien hat das Öko-Institut noch einen weiteren Ansatzpunkt identifiziert, um eine Wiederverwertung einzelne Bestandteile zu verbessern und die Umwelt zu schützen: Die Batterien und Akkus müssen aus gesammelten Elektroaltgeräten entnommen werden und die Geräte müssen so entworfen werden, dass Altbatterien leicht entfernt werden können. "Auch dazu gibt es im Gesetz eigentlich eine Pflicht, aber gleichzeitig Ausnahmen wie etwa Sicherheitsaspekte und die Wasserdichtheit, die die Gerätehersteller geltend machen", erklärt der Batterien-Experte. Daher sollte die überarbeitete Richtlinie eine eindeutige Regelung der Ausnahmen und die Pflicht enthalten, eine möglichst lange Lebensdauer der Geräte zu unterstützen, indem Batterien und Akkus austauschbar sein müssen.

Die Studie des Öko-Instituts gibt es hier zum Download.>>>

Folgen Sie der Autorin auf Twitter

Folgen Sie Jana Tashina Wörrle auf Twitter @JanaTashina

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten