Freiburg -

Messe GETEC Immer eine Nasenlänge voraus

Interview mit Kammerpräsident Johannes Ullrich zur Zukunft der Messe Gebäude.Energie.Technik.

Mehr Themen, mehr Vielfalt, mehr Informationen – so planen die Veranstalter der Gebäude.Energie.Technik (GETEC), sich vom 26. bis 28. Februar 2016 in Freiburg zu präsentieren. Die GETEC ist die führende Messe für energieeffizientes Planen, Bauen und Modernisieren sowie erneuerbare Energien und gesundes Wohnen im Südwesten und bringt Bauherren, Handwerk, Planung und Hersteller zusammen.

Die Energiewende gehört allem Anschein nach aktuell nicht zu den dringlichsten Aufgaben der Politik. Dabei ist die Herausforderung nicht kleiner geworden und der Markt ständigen Veränderungen unterworfen. Noch können sich Betriebe als Aussteller bewerben. Die Deutsche Handwerks Zeitung sprach daher mit Kammerpräsident Johannes Ullrich über die Bedeutung der Messe für die Region.

„Etwas, das als zentrale Herausforderung für mindestens eine ganze Generation definiert wird, kann und sollte auch nicht permanent die Schlagzeilen bestimmen.“

DHZ: Das Thema Energiewende wird ja gerade von anderen Themen etwas verdrängt. Nach wie vor ist sie aber eine der dringlichsten Herausforderungen, der wir uns als Gesellschaft zu stellen haben. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Bedeutung der GETEC für die Handwerks-Unternehmen – aber auch für die Region – in der Zukunft?
Johannes Ullrich: Die Energiewende ist kein Hype-Thema mehr – das ist korrekt, aber auch verständlich. Etwas, das als zentrale Herausforderung für mindestens eine ganze Generation definiert wird, kann und sollte auch nicht permanent die Schlagzeilen bestimmen. Die öffentliche Debatte sollte auch nicht der Gradmesser für die Sinnhaftigkeit der GETEC sein – und das ist sie auch nicht. Die Energiewende ist nach wie vor ein gesellschaftliches Großprojekt mit erheblichen Auswirkungen auf das Handwerk. Vor allem natürlich für diejenigen, die in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energiedienstleistungen tätig sind. Bedenklich wäre es, wenn die Energiewende nicht nur aus den Schlagzeilen verschwinden würde, sondern auf längere Zeit auch aus dem Sichtfeld der zuständigen Politiker. Diese sind letztlich für die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen zuständig und damit für das Maß, wie wir Handwerker die sich bietenden Potenziale nutzen können. Wir müssen das Thema seriös anpacken – auch und vor allem gegenüber den Kunden. Hierfür bietet die GETEC den Unternehmen eine gute Plattform. Da kann etwas weniger Aufregung manchmal auch sein Gutes haben.

Immer eine Nasenlänge voraus

DHZ: Das Messekonzept der GETEC mit neutraler Beratung am Marktplatz Energieberatung, Fachvorträgen/Seminaren, themenspezifischen Messerundgängen etc. ist ja darauf ausgelegt, die Messebesucher gut vorab zu informieren, sie quasi zu „qualifizieren“ und so gerüstet dann den ausstellenden Firmen zuzuführen. Wie können hier die ausstellenden Firmen aus dem Handwerk Ihrer Meinung nach noch besser davon partizipieren?
Ullrich: Das Konzept ist genau richtig. Unsere Aussteller sollen an ihren Ständen auf gut vorbereitete Besucher treffen. Wir ausführenden Handwerker können dann am individuellen Beispiel vertieft in die Materie gehen. Wie eben besprochen ist das Thema natürlich nicht neu. Viele Hausbesitzer haben bereits in den vergangenen Jahren investiert oder sich zumindest informiert und dann entschieden, noch abzuwarten. Die Herausforderung für das Rahmenprogramm lautet somit, jedes Jahr Neuigkeiten zu bieten und damit die Besucher auf die Messe zu locken. Wir Handwerker haben den Markt genau im Blick. Als Handwerkskammer greifen wir die Veränderungen auf und entwickeln gemeinsam mit der Messe ein entsprechendes Rahmenprogramm.

DHZ : Die Auslastung im Handwerk – speziell im Bau-/Ausbaugewerbe – ist gut wie selten. Was können Sie den Handwerksbetrieben raten, die aufgrund ihrer derzeit guten Auftragslage keine Messebeteiligung auf der GETEC 2016 planen?
Ullrich: Es ist eine alte Weisheit, vor allem in den Phasen nicht zu vergessen, an morgen zu denken, wenn es gerade am besten läuft. Sonst kann man eben entscheidende Marktentwicklungen verpassen und dann ab einem bestimmten Tag X ziemlich blöd dastehen. Jeder Betrieb muss für sich entscheiden, ob er für sich einen entsprechende Mehrwert sieht, auf der GETEC präsent zu sein. Die GETEC ist jedenfalls eine ideale Gelegenheit, an nur einem Wochenende die Antworten auf aktuelle Fragen zu bekommen und den Kunden von morgen zu begegnen. Wir, ob Kunden oder Handwerker, wissen nicht mit Sicherheit, was die Zukunft bringt – wie sich die Konjunktur entwickelt, welche Akzente die Politik in den kommenden Jahren setzen wird. Die gute konjunkturelle Lage alleine sollte somit eher kein Ausschlusskriterium für eine Teilnahme sein.

„Die GETEC ist jedenfalls eine ideale ­Gelegenheit, an nur einem Wochenende die Antworten auf aktuelle Fragen zu ­bekommen und den Kunden von morgen zu begegnen.“

DHZ: Die GETEC wird 2017 – also in zwei Jahren – zehn Jahre. Was wünschen Sie sich dann für die Jubiläumsveranstaltung?
Ullrich: Grundsätzlich wünsche ich mir für unsere Fachhandwerker, dass die Politik in der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen entscheidende Schritte vorankommt. Wir sehen ja, dass etwa die Neugestaltung der Strommarktarchitektur mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mitkommt. Das erweckt zunehmend Sorgen hinsichtlich der Versorgungssicherheit in diesem Land. Auch auf solche Sorgen braucht es die richtigen Antworten. Wir sollten daher die GETEC als unser Instrument hier in der Region verstehen, alle Akteure an einem Ort zusammenzubringen und so sicherzustellen, dass wir in Sachen Klimaschutz und Energiewende immer eine Nasenlänge voraus sind. Schließlich sind wir hierauf ja gerne auch besonders stolz. Wenn uns das gelingt, profitieren Kunden, ausführende Handwerker, Hersteller, Messe und die ganze Region gleichermaßen; Und wir können gemeinsam eine erfolgreiche Jubiläums-Messe feiern.

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