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Schuhtechnik für den Spitzensport Immer eine Fußlänge voraus

Orthopädieschuhtechnik Trautmann ist führend bei der Herstellung von Schuheinlagen. Gerade auch im Spitzensport, etwa in der Fußball-Bundesliga, sind die Badener mit ihren Produkten präsent.

Die Trautmanns mit Einlage
Johannes, Martin und Matthias Trautmann (von links) mit ihrem wichtigsten Produkt: der Einlage. -

Das Handy klingelt. Matthias Trautmann schaut aufs Display. Er springt auf und entschuldigt sich. Da müsse er kurz rangehen. Keine zwei Minuten später ist der Orthopädieschuhmachermeister schon wieder zurück und erzählt, wer dran war. Richard Adjei hat angerufen. Er habe sich nur kurz bedanken wollen. Der Bobfahrer wird seit kurzem von Orthopädieschuhtechnik Trautmann mit Einlagen versorgt. Seine Archillensehnenbeschwerden seien nun fort und er habe sich in den Hintern beißen können, dass er nicht schon viel früher zu Trautmann gegangen sei.

Nichts von der Stange

Solcherart Danksagungen bekommen die Trautmanns öfter. Seit 1889 sind sie Spezialisten in Sachen Orthopädieschuhtechnik und haben sich speziell in den letzten 20 Jahren zu einem der Versorger im Bereich Einlagen gemausert. Das Unternehmen aus dem badischen Appenweier-Urloffen in der Nähe von Offenburg macht Einlagen für Bundesligavereine wie Schalke 04 und den SC Freiburg, für Fenerbahce Istanbul, Tischtennisprofi Timo Boll, die Bobfahrer André und Christoph Langen sowie die Speerwerferin Christina Obergföll. Aber auch andere Prominente wie Jürgen Todenhöfer oder Toni Marschall wissen die Leistungen von Trautmann zu schätzen.

Ihren Erfolg sehen die Trautmanns, Vater Martin mit den Söhnen Matthias und Johannes, in ihrer ganzheitlichen Arbeitsweise begründet. "Bei uns bekommen Sie kein Produkt von der Stange", betont Martin Trautmann. Der Seniorchef, der zwar nicht mehr im operativen Geschäft tätig ist, dennoch mehrmals pro Woche im Betrieb vorbeischaut und auf Anfrage gern auch noch seine Kunden behandelt, sagt, dass es darum gehe, jeden Kunden individuell zu versorgen und ihm Einlagen und Schuhe maßgeschneidert herzustellen. Dafür investieren die Trautmanns auch Zeit und Wissen. Um dem Bobfahrer Richard Adjei die richtige Einlage zu verpassen, tastet Matthias Trautmann nicht nur mit neuester Technik die Fußsohle ab. Analysiert werden auch das Gangbild sowie die gesamte Statik vom Rücken bis zur Ferse. Auch die Gelenkbeweglichkeit wird begutachtet. Zu guter Letzt erfolgt noch eine Druckmessung der Fußsohle, um zu kontrollieren, wo der Fuß die meiste Belastung trägt. Zusammen mit Ärzten und Physiotherapeuten wird über die optimale Versorgung beraten. Aus diesem Gesamtbild entwickeln die Orthopädieschuhtechniker die beste Einlagenform. CNC-gesteuert wird aus den Fräsblöcken das so entworfene Fußbett gefräst.

Schon früh hat sich Martin Trautmann mit neuer Technik zur Bewegungsanalyse auseinandergesetzt. Anfang der 90er Jahre etwa folgte er einer Einladung von adidas nach Herzogenaurach. Dort stellten die Sportartikelhersteller besondere Laufbänder vor, mit denen das Gangbild der Patienten eingehend untersucht werden konnte. Inzwischen ist im Firmensitz in Appenweier jedes Zimmer damit ausgestattet. Immer neue Materialien zu testen und sich nicht zurückzulehnen, ist auch für Matthias Trautmann Pflicht. Der 40-Jährige führt gemeinsam mit Bruder Johannes die Geschäfte und kümmert sich um die Freiburger Filiale. Die beiden Brüder betonen, wie wichtig es ihnen ist, nah am Kunden zu sein und an der Basis mitzubekommen, wo es Probleme gibt und wo etwas geändert werden muss. Ihre 55 Mitarbeiter, auch aus den drei Filialen München, Offenburg und Freiburg, laden die drei Chefs einmal jährlich zur Betriebsversammlung mit anschließendem Jahresfest ein. Dann stehen die Trautmanns für ihre Belegschaft am Grill und hören sich an, wo es eventuell hakt.

Die Firma wächst mit Bedacht

Als Martin Trautmann 1964 mit zwei Mitarbeitern den Betrieb übernahm, waren die Herausforderungen noch überschaubarer. Vater Andreas hatte das Geschäft ab 1937 bereits in zweiter Generation geführt. Martin, mit 22 Jahren damals jüngster Orthopädieschumachermeister in Baden-Württemberg, vergrößerte den Betrieb kontinuierlich, etwa um die Geschäftsfelder Fußpflege und Schuhverkauf. Schon in den 70er Jahren entwickelte Trautmann eigene orthopädische Einlagen und produzierte sie selbst. 1978 wurde der Betrieb in eine GmbH umfirmiert. Eine Sanitätshaus-Lizenz kam später noch hinzu. Seit 2000 sind die Söhne Matthias und Johannes in der Geschäftsleitung. In der heutigen Größe mit 55 Mitarbeitern und drei Filialen ist Trautmann in der Branche etwas Außergewöhnliches. "Ein Betrieb rein auf Orthopädieschuhtechnik spezialisiert ist in dieser Größe selten", sagt Johannes Trautmann. Sie hätten früh erkannt, dass man nicht im beschaulichen Dörfchen Urloffen bleiben kann, sondern die Zusammenarbeit mit Fachleuten suchen muss, wenn man wachsen wolle. Der Aufbau dieses Netzwerks sorgt denn auch dafür, dass neue Kunden hinzukommen. Sportler, Physiotherapeuten und Ärzte tauschen sich aus. Die gute Qualität der Einlagen spreche sich eben auch unter Spitzensportlern rum.

Nicht zuletzt deswegen schauen die drei Trautmanns optimistisch in die Zukunft. Wachsen soll das Unternehmen weiterhin. Allerdings kontrolliert, so wie in den letzten 122 Jahren. Dafür wurde bereits ein angrenzendes Grundstück dazugekauft und kontinuierlich wird an technischen Verbesserungen gearbeitet, wie etwa an der Frästechnik für die Einlagen. Die Nähe der Chefs, das persönliche Kümmern um eine individuelle Versorgung sorgt gleichzeitig dafür, dass die Größe nicht an der Qualität zehrt und das Niveau gehalten wird. Und so ruft eben auch ein Bobfahrer gerne wie-der persönlich beim Chef an, wenn es in der Sehne zwickt.

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