Meisterstücke -

Neue Märkte für Solarstrom Immer der Sonne nach – auch ohne Netz

Die Kirchner Solar Group aus Alheim-Heinebach baut autarke Solaranlagen für Afrika. Netzunabhängige Systeme versorgen in Uganda Familien und kleine Dörfer mit Strom.

Immer der Sonne nach – auch ohne Netz
Lars Kirchner mit einem Solar-Home-System, das auch in Uganda genutzt wird (rechts). Diese Systeme, die in unterschiedlichen Größen erhältlich sind, werden unter anderem von Familien genutzt, um (über... -

Lars Kirchner ist stark im Off-Grid. Mit den Worten eines Elektrotechnikers gesprochen, sieht er sich außerhalb des Netzwerks. Er ist nicht drin, wenn man so will. Was dem Laien vermeintlich als Schwäche erscheinen mag, ist Kirchners eigentliche Stärke. Kirchners Firma, die Kirchner Solar Group aus dem nordhessischen Alheim-Heinebach, verkauft nämlich Solarsysteme, die für sich alleine stehen und zum Beispiel ein Haus unabhängig vom Stromnetz versorgen können, also Off-Grid sind. Und das in Ländern, in denen die Stromversorgung eben nicht vernetzt ist und die Verbraucher auf autarke Versorgung ohne Netze angewiesen sind. Wie etwa in Afrika.

Sonnenstrom: Wo, wenn nicht in Afrika

Während sich etwa Solarhersteller zuweilen auf den Umsätzen der fetten Jahre ausgeruht und Installateure unter der rückläufigen Nachfrage gelitten haben, hat Kirchner nach neuen Märkten gesucht. Wo, wenn nicht in sonnenreichen Gebieten wie Afrika, gibt es einen Markt für Solarstrom. Weil es dort jedoch zumeist kein Stromnetz gibt, war die Frage, wie man eine autarke Versorgung mit Photovoltaik installieren kann. Kirchner entwickelte also ein Solar-Home-System, das den Stromverbraucher nur abhängig von der Sonneneinstrahlung macht.

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Einstiegsmarkt war Uganda – ein Land mit stabilen politischen Verhältnissen, wie Kirchner sagt. Er suchte sich einen Projektmanager für das dortige Engagement und entwickelte mit dem Solar-Home-System ein Gerät zur Energieversorgung. Bis dahin wurde der Strom hauptsächlich durch Dieselgeneratoren erzeugt – für das Licht im Haus gab es Paraffinlampen. Steigende Dieselpreise und teures Paraffin machen diese Versorgung zunehmend unwirtschaftlich. "Allein 15 bis 20 Euro des geringen Monatseinkommens in Höhe von 50 Euro der Ugander gehen für das Paraffin drauf", sagt Kirchner. Ein Solarlight dagegen, das Kirchner anbietet, kostet einmalig 59 Euro.

Was im Kleinen klappte, könnte auch für den größeren Bedarf funktionieren, dachte sich Kirchner – und so entwickelte die Firma die so genannten "Solar-Gen-Sets", Generatoren, die größere Einheiten mit Strom versorgen können, also ganze Dörfer etwa. Seit 2013 gibt es in Uganda sogar einen eigenen Produktionsstandort – anderthalb Stunden von der Hauptstadt Kampala entfernt. Einheimische Mitarbeiter werden für Installationsaufgaben geschult.

"Ich hab immer geguckt: Wo sind die Nischen?"

Diese Suche nach dem, was auf den Märkten gerade gefragt ist, hat Lars Kirchner von Beginn seiner unternehmerischen Karriere an ausgezeichnet. Schon bei der Ausbildung zum Elektrotechniker sei ihm klar gewesen, dass er sich selbstständig macht. Kirchner setzte auf Spezialisierung, also Angebote, die viele brauchen können, aber nur wenige beherrschen. Sein erstes Engagement betraf Glockensteuerungen und Läuteanlagen für Kirchen. Für die Gotteshäuser entwickelte er dann auch noch Sonderleuchten. Mitte der 90er Jahre, als die ersten Glasfasernetze aufkamen, arbeitete er im Bereich der Netzwerktechnik und bediente Zulieferer der Autoindustrie mit Steuerungstechnik. "Ich hab immer geguckt: Wo sind die Nischen?", sagt Kirchner.

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Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetzt (EEG) stieg auch Kirchner in den Solarmarkt ein. Die Nachfrage boomte. Aber schon zu Hochzeiten in den Jahren 2004 und 2005 überlegte sich Kirchner, wie der Markt sich weiterentwickeln könnte. Die Nachfrage in Deutschland habe zwar nachgelassen, doch das habe nichts mit der Wirtschaftlichkeit der Solarenergie zu tun. Der Preis für die Komponenten sei sehr niedrig, der Wirkungsgrad der Technik sei auf einem Höchstniveau und die fossile Stromerzeugung werde immer teurer. Kein Grund für potenzielle Betreiber, nicht in diese Technik zu investieren. Nach der nötigen Konsolidierung werde sich der Markt wieder entspannen, prognostiziert Kirchner.

"Geldverdienen wird wichtiger"

Kirchner Solar selbst ist nämlich nicht nur bei Off-Grid-Lösungen erfolgreich. Bei der Photovoltaik setzen die Hessen gerade in der Nachführtechnik Maßstäbe. Das so genannte „sonnen-system“ ermöglicht durch eine astronomisch gesteuerte Nachführung der Solarmodule immer eine rechtwinklige Sonneneinstrahlung auf die Generatorfläche und damit nach eigenem Bekunden einen bis zu 45 Prozent höheren Ertrag. Seit 1996 hat das Unternehmen mehr als 12.500 Solarparks und Dachanlagen realisiert. Lohn für den Einsatz war 2010 die Verleihung des Deutschen Solarpreises.

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Schulung vor Ort bringt Wissen nach Afrika

Lars Kirchner verbindet mit dem Unternehmenserfolg auch gesellschaftliches Engagement. Die Kirchner Solar Group setzt sich für nachhaltige Bildung und Umwelterziehung ein – unter anderem mit der Gestaltung von Themenwochen in Schulen und Kindergärten, der Zusammenarbeit mit dem Umweltbildungszentrum Licherode und der weiteren Etablierung von Inselsystemen zur netzunabhängigen Stromerzeugung in Entwicklungsländern. Letzteres ist für Kirchner auch Hilfe zur Selbsthilfe. Durch die Beschäftigung und Schulung der einheimischen Mitarbeiter vor Ort bringe das Unternehmen das Wissen nach Afrika.

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