Meisterstücke -

Innovationspreis für Toranlagenbauer Immer aufwärts mit den Toren

Unfälle mit spielenden Kindern an Tiefgaragentoren vermeiden – das ist das erklärte Ziel von Meißner Toranlagen aus dem Schwarzwald. Für ein besonders kindersicheres Tor wurden die Badener jetzt mit gleich zwei Innovationspreisen ausgezeichnet. Doch Pionierarbeit leistete der Mittelständler schon früher.

Mit seiner Firma Meißner Toranlagen in Kehl-Auenheim im Schwarzwald hat der Günther Meißner als einer der ersten überhaupt Mitte der 90er Jahre ganz spezielle Tiefgaragentore entwickelt. Nach langer Tüftelei hat die Firma 2009 abermals Pioniergeist bewiesen: Sie entwickelte ein besonders sicheres Tor, das Unfälle mit spielenden Kindern verhindern soll.

Spezielle Tore für Tiefgaragen - was vielen ganz selbstverständlich erscheint, ist es keineswegs. "Lange Zeit bauten viele Firmen einfach modifizierte Garagen- oder Industrietore in Tiefgaragen ein, manche machen das bis heute", sagt der Geschäftsführer und Firmeninhaber Günther Meißner. Dabei müssen Tiefgaragentore ganz andere Ansprüche erfüllen: Zum einen müssen sie besonders leise sein, und zum anderen besonders sicher. Die Produktion spezieller Tiefgaragentore lohnt sich für viele große Hersteller nicht, und so konnte Meißner Toranlagen diese Nische erfolgreich besetzen.

Von unten nach oben

"Ich habe schon mit 14 Jahren gewusst, ich will mich einmal selbstständig machen. Darauf habe ich immer hingearbeitet", erzählt der 62 Jahre alte Meißner. 1985 gründete er sein Unternehmen. Der Torhersteller, für den er als Subunternehmer Tore produzierte, hatte ihn seine eigene Ideen für Tiefgaragentore nicht verwirklichen lassen.

Der Betrieb bestand zu Beginn nur aus Meißner selbst, seiner Ehefrau und einem Gesellen. Die Anfangszeit war nicht einfach, aber trotzdem schön, findet Meißner rückblickend. "Es ging von unten nach oben. Man hat gesehen, wo man hin will."

Nicht nur das Geschäftsmodell änderte sich mit der Zeit. Meißner und seine Mitarbeiter hatten ihre Tore am Anfang noch selbst geliefert, montiert und eingebaut. "Aber wir haben schnell gemerkt, das hat keinen Zweck, wir verlieren zu viel Zeit auf der Straße". Also stellte Meißner komplett um und setzte den Schwerpunkt ausschließlich auf die Produktion von Toren. Er baute den Vertrieb aus und etablierte ein Händlernetz in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "So haben wir die Firma Stück für Stück nach vorne getrieben. Aber wir hatten im Prinzip noch nicht das richtige Produkt."

Nische in der Tiefgarage

Das kam mit dem MRGT, einem Rollgitter für Tiefgaragen. "Am Anfang sind wir von den Großen belächelt worden. Aber es hat sich dann herausgestellt, dass wir hier eine richtige Nische getroffen haben. Diese Nische waren Tore für Tiefgaragen", sagt der gelernte Maschinenbauer.

Und hier waren die Badener echte Vorreiter – in mehr als einer Hinsicht. 1999 ließen sie für das Tor zum ersten Mal vom TÜV eine Baumusterprüfung durchführen, wie Frank Di Patre berichtet, Leiter Marketing und Vertrieb. Das Tor selbst wurde auf "Herz und Nieren" geprüft, und auch die Produktion. "Alle Tore, die aus dieser Baureihe stammen, haben den Garantiestempel, dass sie hundert Prozent sicher sind."

Sicheres Tor brachte den Durchbruch

Sicherheit liegt Meißner ganz besonders am Herzen: "Wir hatten ja alle mal kleine Kinder, und jetzt hab ich eben Enkelkinder". Tiefgaragentore sind für spielende Kinder eine große Gefahr. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu schweren Unfällen, wenn Kinder mit Toren, die sich gerade öffneten, nach oben fahren wollten. Um das zu vermeiden, hat Meißner Toranlagen Lichtschranken an Tiefgaragentoren angebracht und war damit Vorreiter. Diese stoppen das Tor automatisch, wenn zum Beispiel ein Arm oder eine Hand die Schranke durchbricht.

Die Baumusterprüfung verlief schon 1999 nach neuen Normen, die erst 2005 für die ganze Torbranche in Kraft treten sollten. "Obwohl, oder vielleicht gerade weil wir so ein kleiner Hersteller sind, waren wir unsere Zeit so weit voraus in Sachen Sicherheit". Ein Jahr später, 2006, kam dann der richtige Durchbruch.

Handwerker als Kunden

Inzwischen verkauft Meißner Toranlagen nicht nur an Fachhändler im deutschsprachigen Raum, sondern auch nach Belgien und Luxemburg. Rund 90 Prozent der Fachhandelspartner sind Handwerker, zum Beispiel Schlosser und Metall- oder Rollladenbauer. Sie montieren und bauen die Tore vor Ort in den Tiefgaragen ein. Sogar an andere Torhändler verkauft Meißner seine Tore, weil die nicht das passende Produkt im Sortiment haben.

Doch der Seniorchef ist nie zufrieden, wie er selbst mit einem Lächeln zugibt: "Ich muss immer einen Schritt weitergehen". Diesen Schritt ging er mit der neuen Generation des Tiefgaragentores, dem MRGT Plus. Dieses stellte Meißner Toranlagen 2009 auf der Fachmesse R + T in Stuttgart vor und bekam dafür viel Anerkennung. Wenn Meißner von seiner Weiterentwicklung erzählt, leuchten seine Augen, man merkt ihm die Begeisterung an. "Das MRGT-Plus vereint ein neuartiges Antriebssystem und eine neue Steuerungstechnologie und ist damit noch sicherer."

Intelligente Steuerung

Um Unfälle zu vermeiden, setzt sich das neue Meißner-Tor gar nicht erst in Bewegung, wenn sich ein spielendes Kind darauf stellt. Denn die Steuerung erkennt, dass der Motor durch das zusätzliche Gewicht mehr Strom braucht und stoppt das Tor, bevor es gefährlich wird.

Ein weiterer Vorteil: Das Tor benötigt laut Meißner-Angaben wesentlich weniger Strom als ein herkömmliches. Zum einen wird es mit Niedervolt-Strom betrieben, zum anderen fallen stromintensive Sensoren und Lichtschranken weg. Di Patre berichtet: "Zehn, fünfzehn Jahre lang haben wir unseren Kunden eingetrichtert, wie wichtig eine Lichtschranke an Tiefgaragentoren ist. Ihnen jetzt zu erklären, dass die neue Baureihe keine Lichtschranken mehr braucht, ist gar nicht so einfach." Sollte einmal der Strom in der Tiefgarage ausfallen, dann lässt sich das Tor mithilfe eines Akkus noch einmal öffnen. So können auch Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwagen das Tor per Knopfdruck öffnen und als Notausgang nutzen.

"Dass ich ein Tor in diese Richtung entwickeln wollte, diese Idee hatte ich eigentlich schon vor 15 Jahren. Aber da gab es die richtige Steuerungstechnik noch nicht", sagt Meißner. Vor circa vier Jahren zog er seine Pläne wieder aus der Schublade und entwickelte das Tiefgaragentor weiter – in unzähligen Stunden Arbeit und immer wieder mit Rückschlägen. Aber die anfängliche Skepsis der Mitarbeiter löste sich schnell auf, als der Chef auf der Weihnachtsfeier das erste Mal einen Prototyp vorführte. "Da konnten auch wir uns plötzlich vorstellen, dass das funktioniert", schmunzelt di Patre.

Bedarf ist da

So ein fertiges Tor, das vom Handwerker eingebaut wird, kostet rund 4.500 bis 5.000 Euro und soll mindestens 200.000 mal nach oben und unten fahren. Alle Tore sind Sonderanfertigungen nach den Wünschen der Kunden, die Händler müssen maximal zwei Wochen darauf warten. Im ersten Produktionsjahr 2009 stellten die Meißner-Mitarbeiter 160 Tore der Plus-Reihe her und damit deutlich mehr als erwartet. Und Meißner sieht noch Potenzial: "Vor allem im Bestand gibt es noch viele veraltete Tore, die ausgetauscht werden müssen. Und wir haben durch das neue Tor nicht weniger herkömmliche Tore verkauft, wie wir es erwartet hatten."

Die Innovation aus dem Hause Meißner ist positiv aufgefallen. So durften die Badener im vergangenen Jahr den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg entgegen nehmen. Beim VR-InnovationsPreis Mittelstand erhielt Meißner den Sonderpreis für das Handwerk. Meißner: "Beide Preise waren eine riesige Anerkennung für die ganze Firma. Und zwar vom Geschäftsführer bis zu dem Mann, der den Hof fegt."

Ideen für die Zukunft

In ein paar Jahren wird der Sohn von Günther Meißner, Marc Meißner (36), die Geschäftsführung übernehmen. Er ist Metallbau-Meister und schon jetzt für die Produktion und die Technikabteilung zuständig.

Der Senior will sich dann ganz auf Neuentwicklungen konzentrieren. "Ich hab mir in einer angemieteten Halle ein Eck eingerichtet, da kann ich dann ganz in Ruhe tüfteln."

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