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Donau-Radweg Immer an der Donau entlang

Mit dem Rad wird die Donau zu einem einzigen großen Abenteuer. Viele Kilometer stehen einem bevor. Doch die Eindrücke entschädigen für alles.

Immer an der Donau entlang
Die Donau: 3.000 Kilometer, zehn Länder und vier Hauptstädte - und das per Rad. -

Am Anfang schaut die Donau noch recht gediegen aus. Ein kleiner Brunnen im schicken Schlossgarten von Donaueschingen dient als offizielle Donauquelle. Wer da am Brunnen steht, muss bezweifeln, dass aus den zwei kleinen Flüsschen Brigach und Breg einer der größten, schönsten und spannendsten Ströme Europas wird.

Fast 3.000 Kilometer durch halb Europa, zehn Länder und vier Hauptstädte – und das per Rad. Denn nur wer mit dem Fahrrad reist, lernt Fluss, Land und Leute richtig kennen. Näher kann man einer Region nicht sein. Die Radstrecke immer an der Donau entlang ist ein Traum und ein Abenteuer zugleich. Die Strecke wurde vor zehn Jahren von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit erschlossen, mit perfektem Kartenmaterial für Radler.

Dass die Tour spannend, aber auch sportlich wird, ist klar. Jeden Tag im Schnitt 100 Kilometer über Straßen und Schotterwege, dann schafft man es in zehn Tagen immerhin von der Quelle nach Wien. Und weitere zehn Tage braucht man, dann sind wir in Belgrad.

Das Abenteuer kann beginnen

Unser Abenteuer beginnt an Kilometerpunkt 2.850 in Donaueschingen – die Kilometerzahl der Donau wird rückwärts gezählt, am Schwarzen Meer ist man demnach bei Kilometer null. Aber so weit denken wir nicht. Gleich der erste Abschnitt bis Sigmaringen gehört zu den schönsten, mit Donaudurchbruch bei Beuron und Schloss der Hohenzollern. In diesen ersten Tagen geht es durchs schwäbische Oberjura, an Ulm und Ingolstadt vorbei hinein nach Niederbayern und die Oberpfalz, bis schließlich Passau erreicht wird. Die deutsche Donau ist am sechsten Tag geschafft, die Beine schmerzen, anderes auch, aber die Eindrücke, die sind unbezahlbar.

Österreich. Die Wachau wartet. Sie ist die gesellige Weinstube der Donau, auf die man nach den vielen einsamen Kilometern plötzlich trifft. Hier wird übernachtet und Wein verkostet. Krems – die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe – bietet sich zur Mittagspause an. Danach geht es aber schnurstracks nach Wien. Und für diese Stadt muss man sich einfach noch einen Tag frei nehmen – dann auch gern ohne Radl. Knapp 1.000 Kilometer Sport sollten erstmal reichen.

Donau-Radweg
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Eintauchen in Osteuropa

Das zweite Kapitel der 3.000-Kilometer-Donau-Lovestory ist Wien–Belgrad. Es ist der gleiche Fluss, aber eine andere Reise. Es geht durch bevölkerungsarme Länder, Verpflegung und Unterkunft müssen genau geplant werden.

Slowakei. Gleich hinter Bratislava direkt an der Grenze hat man das Gefühl, dass das Abenteuer jetzt wirklich anfängt. Aus der Donau wird ein riesiger Stausee, den Stalin hat bauen lassen. Gruselig. Im Wirtshaus in der Slowakei weigert sich die Wirtin, Euro anzunehmen. Fünf freundliche Tschechen sind so frei, mich auszuhalten, am Abend geht es noch auf einen privaten Campingplatz, die es hier überall in den Gärten für die Radler gibt.

Ungarn. Links und rechts am Ufer steht Geschichte, Burgen und Schlösser säumen den Donauradweg. Man sieht sie von weitem, inmitten von Wäldern.

Und immer ist es der Wechsel von Natur und Großstadt, der den Reiz der Reise ausmacht. Die Einfahrt nach Budapest ist erhaben, ein euphorisches Gefühl, sich diesen Besuch mit eigener Muskelkraft erarbeitet zu haben. Im Oakley-Shop muss eine neue Fahrradhose her, die alte ist durchgescheuert.

Budapest ist für Radler ein Wagnis. Ungarische Autofahrer denken, Radfahrer hätten sieben Leben. Also schnell raus hier am anderen Morgen. Dann nur noch das unbekannte Ungarn, kaum Orte, kaum Menschen, nur die Störche begleiten den Radfahrer übertags. Bis Kroatien geht das so.

Kroatien. Die Sonne brennt. Hier kommen Orte, die im Balkankrieg zu trauriger Berühmtheit gelangt sind. Ein Ex-Söldner drängt mir einen Espresso auf, weil er wissen will, was in Deutschland so geredet wird. Ein anderer hört, ich sei mit dem Fahrrad unterwegs und schaut mich mitleidig an. Auf so eine Idee würde hier niemand kommen. Er schenkt mir zwei Dosen "Red Bull" für die Weiterfahrt. In Vukovar überall noch die Einschusslöcher.

Junges Serbien

Serbien. Von Kroatien geht der Landeswechsel fix. Serbien ist noch einmal eine andere Dimension. Hier erscheinen die Bewohner der Donau-Dörfer noch wie Selbstversorger, der Fisch aus dem Fluss ist das Hauptnahrungsmittel, dazu Kartoffeln aus dem Garten. Die alten Serben sind mit Pferdekutschen unterwegs und grüßen stets freundlich. Immer wollen sie ein Schwätzchen halten, auch wenn sich die Kommunikation schwierig gestaltet. Eine Einladung zum Tee oder Kaffee, so viel Zeit muss sein.

Die Strecke strengt an. Hier am Donauufer fallen die Ausläufer der Kleinen Karpaten direkt in den Fluss, das heißt, stundenlang 50 Meter rauf und 50 Meter runter.

Dann ist wieder alles anders. Die junge Stadt Novi Sad ist das Szeneviertel Serbiens, hier ignoriert die Jugend die Probleme des Alltags und feiert ausgelassen am Donaustrand. Zeit für einen Tag Pause. Und danach kommt nur noch das Ende des zweiten Kapitels: Belgrad. Bis dahin geht es stundenlang an viel befahrenen Straßen entlang, die Laster brettern keinen halben Meter vorbei. Ankommen ist alles.

Was fehlt, ist das dritte Kapitel: Belgrad–Schwarzes Meer. Aber kommt noch. Es soll ein noch größeres Abenteuer sein.

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