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Im Team zum Ziel

Das Zentrale Innovationsprogamm Mittelstand (ZIM) unterstützt Betriebe mit innovativen Ideen.

Damit wir nicht wieder in Seenot geraten, müssen wir die Wachstumskräfte dauerhaft stärken“, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, als er Ende Januar seine neue Technologieoffensive vorstellte. Sein Ministerium will dazu die Haushaltsmittel für Technologiepolitik bis zum Jahr 2013 um 500 Millionen Euro erhöhen und insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) unterstützen. Besondere Beachtung findet dabei auch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), das KMU finanzielle Hilfen für die Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zur Verfügung stellt.

Unter dem Titel "Impulse für Wachstum" fördert das ZIM sowohl Einzel- als auch Kooperations- und Netzwerkprojekte von einzelnen Unternehmen und gemeinsam mit Forschungseinrichtungen. Schon im Jahr 2009 hat die Bundesregierung die dafür verfügbaren Fördermittel bis Ende 2010 erhöht, aber auch im Haushaltsplan für 2011 sind zusätzliche Gelder enthalten. "Damit steht jetzt ein verlässlicher Förderrahmen bis Ende 2013 zur Verfügung", sagt Ute Bornschein von der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, die die ZIM-Netzwerkprojekte im Auftrag des Ministeriums betreut.

Marktlücke gefunden

Eine dieser Wachstumskräfte liegt im Handwerk, da gerade aus diesem Wirtschaftszweig viele innovative Ideen stammen. Nach dem Motto "Problem erkannt, Problem gebannt" schafft es so manch ein Handwerksbetrieb, eine Marktlücke zu finden und ein neues Produkt zu etablieren. Doch dazu sind meist externe Unterstützung und finanzielle Förderung notwendig.

Auch Andreas Zawatzky und Claus Haag haben eine Marktlücken entdeckt. Beide Handwerksunternehmer sind spezialisiert auf behindertengerechte Fahrzeugumbauten. "Nicht jeder Rollstuhlfahrer möchte mit einem riesigen Auto wie einem Sprinter oder Ähnlichem herumfahren", erklärt Andreas Zawatzky, Geschäftsführer des Mobilcenters Zawatzky aus dem baden-württembergischen Meckesheim. Da andere Autos aber sehr niedrig seien, hätten Gehbehinderte, die an den Rollstuhl gebunden sind, bislang jedoch kaum eine andere Möglichkeit. Aus diesem Grund entwickelte er gemeinsam mit Claus Haag von der Haag Rehatechnik GmbH aus Kronau eine Technik, bei der der Fahrzeugboden nach unten versetzt wird, so dass das Auto eine größere Innenraumhöhe bekommt. Gleichzeitig verringert sich dadurch der Abstand zwischen dem Fahrzeugboden und dem Asphalt und die Ein- und Ausfahrtrampe hat keinen steilen Anstieg mehr. "Wir haben dies an einem normalen Van von Chrysler umgesetzt", sagt Zawatzky.

Um diese Idee zu realisieren, beantragten die beiden Tüftler ZIM-Fördermittel für ein Kooperationsprojekt. "Wir hatten die Idee und suchten dann nach einer Möglichkeit, sie in die Tat umzusetzen. Über eine Beratungsgesellschaft, die auch die Formalitäten übernommen hat, kamen wir auf das ZIM", sagt Zawatzky. Zu diesem Zeitpunkt - es war der Sommer 2008 - bot das ZIM für Betriebe in den alten Bundesländern noch keine Einzelunterstützung an, so dass eine Förderung nur gemeinsam mit einem Partnerbetrieb möglich war. "Ursprünglich war dieses Instrument nur für die neuen Bundesländer vorgesehen, da die dort ansässigen KMU noch wirtschaftliche Nachteile hatten", erklärt Ute Bornschein. Durch die zusätzlichen Mittel, die 2009 zur Verfügung gestellt wurden und durch den großen Zuspruch den das ZIM erfuhr, weitete das Bundeswirtschaftsministerium die Einzelprojektförderung bundesweit aus. Bislang wurden Fördergelder in Höhe von 1,476 Milliarden Euro bewilligt.

"Der eigentliche Ansatz der ZIM-Förderung ist, das Innovationsniveau der kleinen Betriebe anzuheben", berichtet Kerstin Röhrich, die bei VDI/VDE die Einzelprojekte betreut. "Leider fehlt es bei vielen kleinen Handwerksunternehmen an den notwendigen personellen Ressourcen und an der Zeit, um Ideen zur Geschäftsreife zu bringen - und oft trauen sie sich das auch nicht zu." Der Vorschlag, Projekte auch in Kooperation mit anderen Betrieben oder gemeinsam mit Forschungseinrichtungen oder gar in größeren Netzwerken durchzuführen, bietet deshalb gute Chancen für Handwerksinnovationen.

Andreas Zawatzky und Claus Haag haben genau dies umgesetzt und die Arbeit geteilt. "Wir haben gegenseitig vom Können des anderen profitiert, so wie es große Firmen ständig machen", sagt Zawatzky. Ihre Idee für behindertengerechte Fahrzeugumbauten verkaufen sie mittlerweile auch in Norwegen.

Ein schlüssiges Konzept

Um die Idee der gegenseitigen Hilfe noch weiter zu stärken, fördert das ZIM auch Netzwerkprojekte von mindestens sechs Unternehmen. Diese Projekte gliedern sich in zwei Phasen. In der ersten Phase geht es darum, das eigentliche Netzwerkkonzept zu entwickeln, das dann in Phase zwei umgesetzt wird. "Natürlich muss bereits am Anfang eine Vision des Netzwerks dargelegt werden, Eine vom Bundeswirtschaftsministerium ausgewählte Expertenjury wählt die Netzwerke mit den überzeugendsten Ideen aus und schlägt dieser zur Förderung vor", sagt Ute Bornschein. Vorher müssen die Projektpartner jedoch ein schlüssiges Netzwerkkonzept vorlegen. Aus diesem Konzept können im Anschluss auch verschiedene Kooperations- oder Einzelprojekte entstehen, die sich mit dem Themenfeld des Netzwerks beschäftigen.

Ein gelungenes Beispiel der Symbiose zwischen Tradition und Innovation ist das ZIM-Netzwerk "MI-Future Musikinstrumentenbau der Zukunft", gemanagt von Musicon Valley aus dem sächsischen Markneukirchen. Elf Unternehmen und fünf Forschungsinstitute sind darin vereint.

Nutzen im Vordergrund

"Unsere Region ist eine Hochburg des Musikinstrumentenbaus und wir haben hier quasi eine Interessenvertretung für die daran beteiligten Betriebe aufgebaut", berichtet Frank Bilz, Marketingleiter des Netzwerks. 90 Prozent der Firmen sind Handwerksbetriebe und genau darin sieht Bilz einen großen Vorteil und den Grund für den Erfolg von Musicon Valley: "Hier forscht niemand nur, um zu forschen. Im Handwerk ist es eindeutig, dass am Ende immer ein klarer Nutzen entstehen muss." Und gerade wenn Forschung und Handwerk zusammenkommen, könnten umso schneller neue Produkte entstehen. "Viele Betriebe haben tolle Ideen, aber all diese Ideen müssen koordiniert werden", sagt Bilz. "Wir sind da quasi die Vermittler zwischen den Forschungseinrichtungen und den Unternehmen und helfen bei den Formalitäten."

Zusätzlich unterstützen die Netzwerkmitarbeiter die Betriebe beim Eintritt des neuen Produkts in die Wettbewerbsphase wie etwa beim Marketing. Da es auch hier einen nicht zu unterschätzenden Förderbedarf gibt, hat auch das ZIM eine weitere Unterstützung für Betriebe geschaffen, die im Anschluss an die eigentliche ZIM-Förderung beantragt werden kann. "Das ZIM-Vorhaben endet eigentlich, wenn der Prototyp fertig ist", sagt Kerstin Röhrich, "um aber auch eine zügige Markteinführung zu unterstützen, können die Betriebe zusätzliche Mittel für Dienst- und Beratungsleistungen beantragen."

Weitere Informationen zum ZIM finden Sie unter zim-bmwi.de.

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