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Shopfloor-Management Erfolgsmodell aus dem Friseursalon: So gelingt die Absprache im Team

Als Tina Schellhammer und Stefania Ferraro vor eineinhalb Jahren einen alteingesessenen Friseursalon in Worblingen übernommen hatten, mussten sie sich erst einmal mit der neuen Rolle als Chefinnen in ihrem Salon Hairflair auseinandersetzen. Dank einer besonderen Besprechungsmethode klappt es jetzt mit Kommunikation und Abläufen.

"Wie spricht man Probleme im Team an, wie kann man Leerläufe vermeiden und Arbeitsabläufe verbessern? Das waren die Fragen, die uns bewegt haben", beschreibt Tina Schellhammer die Zeit nach der Übernahme. Jetzt, sechs Monate nach der Einführung von Shopfloor-Management, sind diese Fragen kein Thema mehr. Denn zweimal in der Woche trifft sich das ganze Team des Salons nun zur Shopfloor-Runde. Diese findet immer vor Arbeitsbeginn statt und dauert maximal 15 Minuten. "An unserem Board besprechen wir die nächsten Tage, anstehende Aktionen und besondere Kundenanliegen", erläutert Tina Schellhammer. "Außerdem nutzen wir die kurze Runde auch, um Trends zu teilen oder uns einfach mal zu motivieren. Gute Bewertungen bei Facebook oder Google werden natürlich auch gefeiert."

Die wichtigen Themen am richtigen Ort

Ursprünglich wurde Shopfloor-Management in der Industrie entwickelt. "Der Begriff Shopfloor stammt aus dem Englischen und bezeichnet den Ort der Wertschöpfung in einem Unternehmen. In einem Handwerksunternehmen ist das der Friseursalon, die Werkstatt, die Baustelle oder die Backstube", erläutert Maximilian Wolf, Professor für Unternehmensführung und Personal sowie Experte für Shopfloor-Management im Handwerk. Gemeinsam mit Personalberaterin Fabienne Gehrig von der Handwerkskammer Konstanz hat Wolf die Besprechungsmethode im Friseursalon Hairflair eingeführt.

Zunächst erarbeiteten Fabienne Gehrig und Maximilian Wolf mit dem Friseur-Team alle wichtigen Themen für das Board. "Wir sind ganz pragmatisch vorgegangen und haben die Ideen der Geschäftsführerinnen mit den Ideen der Mitarbeiter abgeglichen", sagt Fabienne Gehrig, "so haben wir einen gemeinsamen Nenner gefunden, der uns half, alle wichtigen Themen zu definieren." Schöner Nebeneffekt: Das ganze Team wurde gehört und einbezogen.

Shopfloor-Management ist laut Maximilian Wolf eine Methode, mit der die Mitarbeiter und Geschäftsführer eines Betriebs auftretende Probleme gemeinsam lösen können. Das kann beispielsweise der Ausfall einer Maschine, fehlendes Material oder der Umgang mit besonderen Kundenanliegen sein. Im Friseursalon Hairflair werden auf dem Shopfloor-Board Tagesabläufe, Organisatorisches, Neues sowie wichtige Termine und Ideen festgehalten.

Um die Zuständigkeiten zu regeln, nutzt das Team durch Fotos personalisierte Magnete, die den einzelnen Aufgaben zugeordnet werden. "Anfangs verliefen unsere Runden ehrlich gesagt noch etwas steif", erzählt Friseurmeisterin Stefania Ferraro. "Das Team und auch ich selbst mussten erst unseren eigenen Style für die Besprechung finden und auch den Mut aufbringen, Probleme und Schwierigkeiten in der großen Runde anzusprechen." Mittlerweile sei die Shopfloor-Runde aber fest institutionalisiert und sorge für einen guten Informationsfluss.

Auch Joshua Schuhmacher, Auszubildender im Salon, sieht Vorteile im regelmäßigen Austausch: "Dank unserer Shopfloor-Besprechung am Morgen weiß man sehr gut, wie man bei einem kurzen Leerlauf seinen Kollegen helfen kann. Denn alle anstehenden Aufgaben sind jetzt auf dem Board."

So funktioniert Shopfloor-Management im Handwerk

Mit Shopfloor-Management können Betriebsinhaber die Kommunikation im Unternehmen maßgeblich verbessern und gleichzeitig ihre Mitarbeiter binden. Wie die Methode in der Praxis funktioniert, worin besondere Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Umsetzung liegen und warum sich Shopfloor für jeden Handwerksbetrieb lohnt.

Gehör finden und Wertschätzung erfahren

Aus ihrer täglichen Arbeit als Personalberaterin weiß Fabienne Gehrig um die Wichtigkeit einer guten Kommunikation in Handwerksbetrieben. "Informationen transparent weitergeben und seine Mitarbeiter aktiv einbinden, sind das A und O einer guten Führung", so Gehrig. Sie ist überzeugt, dass gut informierte Mitarbeiter nicht nur produktiver arbeiten, weil sie mitdenken, sondern auch länger im Unternehmen bleiben, weil sie sich wertgeschätzt fühlen. "Shopfloor-Management ist in dieser Hinsicht eine Riesen-Chance fürs Handwerk, weil es effiziente Besprechungen über die gesamte Hierarchie hinweg fest im Arbeitsalltag etabliert."

Da im Salon Hairflair manche Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten, finden die Runden immer dienstags und freitags statt. Zweimal pro Woche maximal 15 Minuten – und ein Mehrwert, den die beiden Geschäftsführerinnen nicht mehr missen möchten. "Das Tolle an Shopfloor, finde ich, ist die Möglichkeit, im Team Probleme anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden", resümiert Tina Schellhammer. "Davon profitieren unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und natürlich wir als Chefs – denn seit wir Shopfloor-Management machen, sind wir tatsächlich entspannter."

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