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Wer Tankstopps gut plant, kommt ohne Bezin aus Im Iveco Daily mit Erdgasantrieb auf Tanktour

Wer vom Diesel-Antrieb Abstand nehmen möchte, findet im Iveco Daily mit Erdgasantrieb eine Alternative. Ein Erfahrungsbericht.

Auf der Internationalen Automobilausstellung im September in Hannover will Iveco komplett auf umweltfreundliche Antriebe setzen. In der sogenannten „Low Emission Area“ soll kein einziger Diesel-Motor in Sichtweite sein, kündigte Marken-Präsident Pierre Lahutte an. Wie sich der Iveco Daily mit Erdgasantrieb schlägt, durfte die Deutsche Handwerks Zeitung ausprobieren. Die entscheidende Frage: Gibt es ausreichend Tankstellen?

Die Teststrecke soll von München aus über die Oberpfalz ins Erzgebirge führen und zurück über Nürnberg, Ulm und Memmingen – alles in allem reichlich 1.000 Kilometer, der größte Teil leicht beladen über die Autobahn. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von rund 400 Kilometer. Zur Beruhigung für den Fahrer sind noch 14 Liter Benzin an Bord, bewusst nicht mehr, denn dann würde der Daily laut Vorschrift als bivalent gelten. So aber kann Iveco seinen Transporter noch als reines Erdgasfahrzeug verkaufen. Das passt viel besser zur Produktfamilie unter dem Namen Blue Power, zu der auch der Daily mit Elektroantrieb gehört.

Vor dem Start lohnt sich ein Blick auf das Tankstellennetz. Wichtig: Erdgasfahrzeuge benötigen CNG (Compressed Natural Gas), das unter hohem Druck von 200 bis 240 bar gasförmig im Tank gespeichert wird – im Gegensatz zum flüssigen LPG, dem sogenannten Autogas.

App als Wegweiser

Iveco Daily Blue Power
Iveco Daily Blue Power

Am besten lädt man sich für die Tankstellensuche eine App auf sein Smartphone. Als zuverlässig bewährt hat sich Ecomotori, die im App-Store mit der höchsten Bewertung auf sich aufmerksam gemacht hatte. Erster Tankstopp soll in Weiden sein, nach reichlich 250 Kilometern. Unterwegs wird schnell klar, warum die App so wichtig ist. Immer wieder ziehen Hinweise auf Tankstellen mit LPG vorbei, aber CNG bieten diese Stationen nicht an. Kein Wunder: Während es deutschlandweit rund 6.500 LPG-Tankstellen gibt, beschränkt sich die Zahl der CNG-Anbieter auf rund 860. Dennoch war es kein Problem, im Rahmen der Reichweite des Daily immer eine Nachfüllstation für das Gas zu finden, allerdings muss man in Weiden dafür die Autobahn kurz verlassen.

Wie der Tankvorgang abläuft, ist an den Zapfsäulen Schritt für Schritt erklärt. Es sind aber zwei verschiedene Kupplungen im Einsatz. In Weiden muss der Anschluss über einen Hebel ent- und verriegelt werden, bei den nächsten beiden Tankstopps ähneln die Kupplungen einer Zapfpistole, wie wir sie von Benzin und Diesel kennen. Gestartet wird das Betanken in beiden Fällen per Knopfdruck. Man hört, wie das Gas in die Tanks unter dem Ladeboden strömt. Nach rund zwei Minuten schaltet die Tanksäule automatisch ab. 25,6 Kilogramm stehen auf der Rechnung. Bei einem Preis von 1,17 Euro/Kilogramm macht das rund 30 Euro. Der Tankdeckel muss wegen seines feinen Gewindes geschraubt werden und lässt sich nicht wie bei Benzin- oder Dieseltanks schon mit einer halben Umdrehung arretieren.

Benzin nur für den Notfall

Weiter geht die Fahrt, die trotz der Größe des Kastenwagens entspannt verläuft. Das liegt zum einen am luftgefederten Fahrersitz, der Erschütterungen zuverlässig abdämpft. Außerdem erhöht die Acht-Gang-Wandlerautomatik den Fahrkomfort extrem, zumal sie sich noch über die Modi Eco oder Power an den Fahrstil anpassen lässt. Um den Verbrauch gering zu halten, sollte aber im Eco-Modus gefahren werden, andernfalls sinkt die Reichweite.

Bei der Testfahrt hat es sich als hilfreich erwiesen, den nächsten Tankstopp bereits nach rund 300 Kilometern einzuplanen. Damit bleibt bei moderater Fahrweise genügend Reserve, um ohne den Benzintank anzuzapfen ans Ziel zu kommen. Das Umschalten auf Benzin ist nämlich nur für den Ernstfall gedacht, falls einmal doch kein Erdgas zur Verfügung stehen sollte. Im Benzinbetrieb reduziert sich denn auch die Leistung des Daily erheblich, statt 136 PS bringt der Transporter dann nur noch 86 PS auf die Straße. Bei Iveco heißt das Notlaufmodus.

Dieser Ernstfall wäre beim letzten Tankstopp in Vöhringen bei Ulm fast eingetreten. Die anvisierte Tanksäule war wegen eines Defekts außer Betrieb, aber es fand sich noch eine zweite, so dass Benzin während der gesamten Fahrt nicht angezapft werden musste.

Keine Preistransparenz

Wer über den Kauf eines Erdgasfahrzeugs nachdenkt, steht vor einem Problem. Denn die Kosten für Kraftstoffe lassen sich an den Preistafeln der Tankstellen nicht vergleichen.

Während die Preise für Benzin, Diesel und Autogas in Litern ausgezeichnet sind, wird Erdgas nach Kilogramm bepreist. Die Initiative Erdgasmobilität rät daher dazu, den Energiegehalt zu vergleichen. In einem Kilogramm Erdgas steckt mehr Energie als in Diesel oder Benzin.

Kraftstoffe nach Energiegehalt

Im Falle der Testfahrt mit dem Iveco Daily ergibt sich folgende Rechnung: Beim Tankstopp am Münchberger Autohof an der A9 zwischen Hof und Bayreuth strömten nach 310 gefahrenen Kilometern genau 30,09 Kilogramm Erdgas in die Tanks. Macht bei einem Preis von 1,09 Euro genau 32,80 Euro. Das sind 10,58 Cent pro gefahrenen Kilometer.

Nach drei Tankstopps und rund 1.000 gefahrenen Kilometern zeigte sich ein ähnliches Bild: Auf 100 Kilometer sind Kraftstoffkosten von etwa zehn Euro angefallen, allerdings bei nur leichter Beladung und langen Strecken ohne viele Brems- und Anfahrmanöver. Deshalb dürfte im Alltag eines Handwerksbetriebs der Verbrauch etwas höher ausfallen.

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