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Im Einsatz für unbeschwertes Vergnügen

Hinter den Kulissen des Europa-Parks Rust wirbeln täglich viele Handwerker, um den Gästen einen reibungslos vergnüglichen Tag zu bescheren

Wildwasserbahn
Ohne Wasser kommt kein Freizeitpark aus: Neben den Wildwasserbahnen setzen viele Attraktionen auf das nasse Element. Fotos: Muck -

" Verstopfung in Griechenland“, sagt Dietmar Herdrich. Sogleich macht sich der Gas- und Wassserinstallateur auf den Weg. Doch mit diesem lapidar dahingeworfenen Satz kommentiert er keineswegs die finanzielle Situation des südeuropäischen Landes. Nein, es geht tatsächlich ganz banal um eine defekte Toilettenanlage – und zwar in einem der nach europäischen Ländern eingeteilten Themendörfer des Europa Parks Rust. Herdrich geht durch all die Kulissen, die einem angenehm den Kurzurlaub in fernen Ländern vorgaukeln. Vorbei an Italien, durch Frankreich und die Schweiz erreicht er schließlich die Toiletten in „Griechenland“. Dort schaut er sich die Störung an und beauftragt ein Team mit der Beseitigung. Herdrich ist Teamleiter von 15 Handwerkern, die sich im Vergnügungspark um alles kümmern, was mit Wasser zu tun hat. Jeden Tag reinigen der 53-Jährige und seine Männer Rohre, wechseln Filter oder sorgen für freie Abflüsse.

Im Einsatz für unbeschwertes Vergnügen

Sie sind die stillen Stars, die Heinzelmännchen im Hintergrund, ohne die ein Vergnügungspark nicht funktionieren könnte. Denn der verehrte Gast will seinen Tag schließlich möglichst störungsfrei genießen und alle Achter- und Wildwasserbahnen und sonstigen Fahrgeschäfte ohne Ausfall nutzen und bestaunen können. Rund 1.000 Pumpen arbeiten zum Beispiel täglich daran, dass für alle Anlagen und Gaststätten Wasser zur Verfügung steht. Täglich geht mindestens eine davon kaputt. 50.000 Kubikmeter Wasser werden jeden Tag umgewälzt, wobei 300 Kubikmeter wegen Verdunstung oder Undichtigkeit nachgefüllt werden müssen. Allein für die Raftinganlagen werden pro Stunde 250 Kubikmeter Wasser durch die Rohre gepumpt. Dass von den kleinen oder größeren Störungen niemand etwas mitbekommt und sich auch sonst alle Karussells drehen, ist das Verdienst von insgesamt 133 Handwerkern, die als Schlosser, Maler, Schreiner oder Zimmerer, Elektrotechniker, Schneider oder eben Sanitärfachmann in dem 1975 gegründeten Park arbeiten.

Immer auf Abruf: Was ist dringend? Was kann warten?

Koordiniert wird deren Arbeit von Horst Römer. Er ist Betriebsleiter des technischen Büros und könnte sich keinen besseren Arbeitsplatz wünschen, sagt er. Beim 46-Jährigen laufen alle Fäden in Sachen Technik zusammen. Auf die Frage, was für ihn ein guter Tag ist, sagt er, ohne zu zögern: „Jeder Tag, wenn ich hier sein kann.“ Es gebe kaum eine ­Arbeit, die abwechslungsreicher sei. Schließlich müssten sie jeden Tag mit ganz unterschiedlichen Schwierigkeiten kämpfen, ganz neue Probleme lösen und für den ständig weiter wachsenden Park neue Bauprojekte umsetzen.
Seit der Europa Park vor 36 Jahren rund um das 1442 erbaute Schloss Balthasar seinen Betrieb aufnahm, stieg die Zahl der Besucher nach und nach auf über vier Millionen im vergangenen Jahr. Die mitwachsende und immer komplizierter werdende Technik will betreut sein. Deshalb bildet der Park seit Anfang der 80er Jahre seine Fachleute auch selbst aus. Derzeit betreut er 65 Auszubildende in 15 Berufen und diversen Studiengängen. Mit 3.100 Mitarbeitern und mehr als 8.000 direkt oder indirekt davon abhängenden Arbeitsplätzen ist der Park einer der wichtigs­ten Wirtschaftsfaktoren für die Region.

Dietmar Herdrich ist seit elf Jahren dabei. Wenn er morgens in sein Büro kommt, geht er erstmal die Checklisten durch. Dann entscheidet er: Was ist dringend? Was kann man schieben? Dinge, die keinen Aufschub dulden, sind zum Beispiel defekte Zapfanlagen in der Gastronomie. Über den Tag sind immer zwei Mann ständig auf Abruf mit griffbereitem Telefon, um einzugreifen, wenn irgendwo das Bier zu stark schäumt oder die Flamme am Gasherd nicht zündet. 47 Gaststätten sind auf die Hilfe der Handwerker angewiesen. Neben den Notfällen gibt es die täglichen Routinearbeiten. Markus Kury zum Beispiel kontrolliert die Achterbahnwagen. Mit Taschenlampe begutachtet der Schlosser stichprobenartig die Räder. Einmal pro Woche kommt jeder Zug raus und wird auf seine Funktionstüchtigkeit geprüft. Doch Kury vertraut dabei nicht nur seinem geschulten Blick. Er hört auch, wenn die Räder nicht rundlaufen. Dazu muss er nicht einmal selbst mitfahren. Ein Hörtest im Halbrund am Fuß der Achterbahn reicht. Allerdings vor Parköffnung. Denn wenn alles in Betrieb ist und das Gekreische der vom Adrenalin hochgepushten Fahrgäste über das Gelände schallt, ist von Nebengeräuschen nichts zu hören.

Dernächste Notruf kommt bestimmt

Wer vom lautstarken Trubel eine Pause braucht, sucht sich ein ruhiges Plätzchen. Viele Grünflächen mit Blumenbeeten und Springbrunnen laden zum Pausieren ein. Den meisten Platz bietet dafür der Schlosspark. Dort bauen Arbeiter gerade den großen Grill für eine Abendveranstaltung auf. Rund um die Rasenflächen sind kleine Springbrunnen, die mit ihren exakt getakteten Fontänen den ausruhenden Besuchern pittoreske Anblicke bieten. Als Dietmar Herdrich den Grill sieht, ahnt er, dass er seine Pläne für eine Reinigung der Springbrunnenzuflüsse am nächsten Morgen über den Haufen werfen kann. Denn dafür müsste er am Abend das Wasser abstellen und ablassen. Doch die Gäste möchten beim Verzehr ihrer Grillsteaks nicht auf das Geplätscher der Wasserfontänen verzichten. „Braucht ihr heute abend die Wasserspiele?“, fragt er den Wirt des Schlossrestaurants. Nachdem der bejaht, ist ihm klar, dass er dieses Projekt um einen Tag verschieben muss. Arbeit gibt es am nächsten Morgen trotzdem. „Hier siehst du immer was“, ergänzt er und hört den nächsten Notruf ab.

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