Meisterstücke -

Harfenbauer Eric Kleinmann Ikonografie des Klangs

Eric Kleinmann aus Rangendingen baut historische Harfen für eine internationale Musikerszene.

Eric Kleinmann mit Harfe nach Hieronymus Bosch
Kleinmann mit einer Rekonstruktion einer Harfe nach Hieronymus Bosch aus dem Bild "Der Garten der Lüste" von 1493. -

Instrumentenbau ist eine komplexe Angelegenheit. Doch richtig kniffelig wird es, wenn von einem alten Klangkörper nicht mehr als eine zeitgenössische Darstellung existiert. Der in der Nähe von Reutlingen ansässige Harfenbauer Eric Kleinmann hat sich auf die Rekonstruktion historischer Instrumente spezialisiert. Mit viel Liebe zum Detail und einer gehörigen Portion Kompromisslosigkeit versucht er, den Originalen so nahe wie möglich zu kommen.

Harfenbauer Eric Kleinmann
© Foto: Roland Beck

Die musikalische Hölle – ausgerechnet an diesem unwirtlichen Ort fand Kleinmann die Vorlage für eine der gotischen Harfen, die in seiner Werkstatt entstehen. Freilich handelt es sich nicht um eine detaillierte Konstruktionszeichnung. Der gleichnamige Seitenflügel des um das Jahr 1500 entstandenen Triptychons "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch zeigt eine Szene aus der Unterwelt, die erste Hinweise auf Form und Proportionen des Instruments enthält, mehr nicht. "Abbildungen auf Altaren, Gemälden und Skulpturen oder in Kirchenhandschriften sind wichtige Quellen, weil nur wenige Instrumente erhalten sind", erklärt Kleinmann.

Zum Vermessen nach London

Was folgt, ist die akribische Rekonstruktion von Maßen, Proportionen, der Statik und Bauweise bis hin zu Tonumfang und Ornamentik. Nicht immer ist der Abgleich mit einem Original möglich. Der Nachbau eines im Barock vom eng­lischen Harfenbauer David Evans gefertigten Instruments führt Kleinmann zum Vermessen ins Victoria-Albert-Museum nach London. Während der Arbeit in der Werkstatt kommen neue Fragen auf und eine zweite Reise wird notwendig. Den damals nicht einkalkulierten Mehraufwand verbucht er als Investition: "Ich stelle Kopien her, aber eben solche, die dem historischen Vorbild möglichst nahe kommen."

Harfenbau

Betriebszahlen:Insgesamt gibt es laut Kleinmann rund 15 handwerkliche Harfenbauer in Deutschland. Beim Bau von Konzertharfen ist vor allem die Firma Horngacher vom Starnberger See führend. Ausbildung:Harfen gehören zu den Zupfinstrumenten und werden mit den Gitarrenbauern beschult. Das Problem, so Kleinmann, ist, dass Gitarrenbau zum Beispiel bei der Statik ganz andere Anforderungen an die Ausbildung stellt als der Bau von Harfen. Deshalb arbeitet Kleinmann in einer Arbeitsgruppe mit Fachleuten vom Bundesinstitut für Berufsbildung an einer spezialisierten Ausbildungsordnung. Harfenarten:In den Musikschulen werden für den Unterricht hauptsächlich keltische Harfen genutzt. Orchester musizieren mit Konzert­harfen, die eine zusätzliche Klappenmechanik besitzen. Historische Harfen, die Kleinmann baut, umfassen alle Harfen vor 1800 ohne Pedalmechanik.

Seite 2: Eric Kleinmann über seine "Zeit im Untergrund".

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