Meinung -

Leitartikel zur Internationalen Handwerksmesse IHM: Es gibt viel zu besprechen

Fachkräftemangel, Digitalisierung und EU-Dienstleistungspaket: Bei der Internationalen Handwerksmesse (IHM) kommen vom 8. bis zum 14. März auch kritische Themen zur Sprache.

In wenigen Tagen eröffnet die Internationale Handwerksmesse IHM (8. bis 14. März 2017) in München ihre Tore. Sie bietet dem Handwerk die Gelegenheit, seine wirtschaftliche Leistungs- und Innovationsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Allerdings kommen auch kritische Themen zur Sprache.

Digitalisierung steht besonders im Fokus

Unter anderem wird die Digitalisierung mit ihren Auswirkungen und ihren Chancen für das Handwerk besonders im Fokus stehen. Die Handwerker sollten sich die Gelegenheit zum Fachgespräch nicht entgehen lassen. Denn die Digitalisierung trifft nahezu jeden Betrieb und sie wird manches traditionelle Geschäftsmodell in Frage stellen. Vorne dabei sein wird nur, wer sich rechtzeitig damit auseinandersetzt und darauf reagiert.

Die IHM ist aber auch eine hervorragende Gelegenheit für den politischen Dialog. Sie gibt den Spitzenvertretern des Handwerks die Möglichkeit, darauf hinzuweisen, was politisch unternommen werden muss, damit unser Wirtschaftsbereich seine Potenziale bestmöglich ausspielen kann. Wirtschaftlich steht das Handwerk derzeit gut da.

Fachkräftemangel droht zur Wachstumsbremse zu werden

2017 wird dem Handwerk wieder volle Auftragsbücher und gute Umsätze bescheren. Ganz besonders gilt dies für die Bau- und Ausbaugewerke. Der Fachkräftemangel allerdings droht zur entscheidenden Wachstumsbremse zu werden. Er, aber auch andere Themen müssen gegenüber der politischen Prominenz, die bei der Eröffnung der IHM und beim Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft anwesend ist, angesprochen werden.

EU-Kommission sorgt mir Dienstleistungspaket für Unruhe im Handwerk

Stirnrunzeln rufen beim Handwerk aktuell erneut Initiativen der EU-Kommission hervor. Als würden die Europäische Union mit Brexit, Flüchtlingen und Stabilität der EU insgesamt wahrlich nicht andere Probleme genug beschäftigen und beschäftigen müssen, sorgt die Kommission mit ihrem Dienstleistungspaket in Deutschland für erhebliche Unruhe. Was so unscheinbar klingt, hat es aber in sich. Brüssel stellt einmal mehr die Regularien des Handwerks – insbesondere den Meistervorbehalt – in Frage. Warum – so fragt man sich schon fast resigniert – können die Eurokraten nicht endlich akzeptieren, dass der Meisterbrief im Handwerk dessen Leistungsfähigkeit sichert und Voraussetzung für das so gute Funktionieren des dualen Systems der Berufsausbildung ist. Europas Musterknabe soll wohl seiner Erfolgsfaktoren beraubt werden. Dazu erwartet das Handwerk von der Bundeswirtschaftsministerin und der Bundeskanzlerin in München klare und eindeutige Bekenntnisse und Ansagen nach Brüssel.

Spitzengespräch mit Kanzlerin Angela Merkel

Apropos Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft: Hier sind sicherlich viele gespannt, wie sich Angela Merkel nach dem kometenhaften Aufstieg von Martin Schulz präsentiert. Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Strategie der Kanzlerin, zunächst einmal abzuwarten, aufgehen könnte. Denn die demoskopischen Höhenflüge des SPD-Kanzlerkandidaten scheinen ihren Zenit überschritten zu haben. Die Menschen erkennen sehr schnell, wie ernst und seriös Ankündigungen zu nehmen sind, wenn sie nicht mit bewertbaren Inhalten verbunden werden.

Zu bereden gibt es mit der Kanzlerin einiges. Von der Unsicherheit, die der US-Präsident Trump über die Welt gebracht hat, bis hin zu Reformplänen für die Europäische Union und für den Standort Deutschland. Nach den erneuten Rekordüberschüssen besteht Gelegenheit und Notwendigkeit zum Handeln – und zwar nicht für neue soziale Wohltaten, sondern für Entlastungen bei Bürgern und Unternehmen.

lothar.semper@holzmann-medien.de

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