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Allzeit auf Achse Iglhaut macht aus Transportern echte Offroader

Michael Iglhaut hat mit seinem Betrieb den Allradantrieb für Transporter revolutioniert. Durch jahrelange Erfahrung mit Sonderumbauten bei Mercedes-Benz-Fahrzeugen hat er sich einen Namen gemacht. Mit den Spezialanfertigungen schaffen es die umgebauten Fahrzeuge durch jegliches schweres Gelände. Auch deutlich über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Der Duft von frischem Kaffee strömt aus der Bürotür und vermischt sich mit den maschinellen Gerüchen aus der Werkstatt. Das Tippen der Tastaturen und das Klicken der Computermaus wird nur von dem lauten Getöse der Schraubmaschinen übertönt. In dem hellen Büro ist geradeso Platz für zwei vollgeräumte Schreibtische. Auf dem Regal in der Ecke stapeln sich die hauseigenen Iglhaut Allrad Werbekäppis neben einigen Musterteilen. Alte vergilbte Zeitungsausschnitte und eingerahmte Fotos, die Iglhaut Transporter überall auf der Welt zeigen, zieren die sonst weißen Wände und halten die langjährige Geschichte des Unternehmens fest.

3D-Software macht Visionen sichtbar

In diesem Raum voller Erzählungen fängt laut Geschäftsführer Michael Iglhaut auch alles Neue an. Denn jeder Umbau eines Fahrzeugs wird in diesem unscheinbaren Büro am Ende der Werkstatthalle konstruiert und organisiert. Von hier aus kann man durch eine Scheibe die ganze Halle überblicken. Während unten fleißig mit allerhand Maschinen an Fahrzeugen gewerkelt wird, sitzt Konstrukteur René Masgaj vor den großen Computerbildschirmen. Beidhändig bearbeitet er riesige Datenmengen, die den Computer jedes Mal aufs Neue an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen. Minutenlang lädt das Gerät die Modelle der umzubauenden Fahrzeuge in kleinstem Detail. Minuten, die sich in dem eifrigen Betrieb wie Stunden anfühlen können. Die neuen Teile sind in dem Programm farbig markiert, sodass gut zu erkennen ist, welcher Anbau wo und wie genau passt, oder passend gemacht werden muss. Laut Masgaj musste man früher all das, was nun der Computer anzeigt, selbst per Hand zeichnen und anschließend als Modell bauen, damit die Vorstellungen real werden können. Ein langwieriger Prozess. Doch neueste 3D-Softwares erlauben dem Konstrukteur mithilfe komplexer Techniken und einiger Mausklicke all die Visionen virtuell zu gestalten. Und das alles vom bequemen Schreibtischstuhl aus.

"Egal welches Auto der Kunde will, wir können es umbauen"

Draußen dagegen ist es eher ungemütlich, denn es fängt gerade an zu nieseln, als der Geschäftsführer Michael Iglhaut schnellen Schrittes das Anwesen seiner Firma überquert. Dem regnerischen Wetter trotzend zieht er den Reißverschluss seiner schwarzen Jacke bis unter das Kinn hoch. Dadurch zeigt sich das Mercedes-Benz Zeichen auf der einen und das Iglhaut Allrad Logo auf der anderen Seite seiner Jacke. Er schüttelt sich kurz und streicht sich mit der linken Hand die Regentropfen aus dem nun feuchten braunen Haar. Iglhaut ist auf dem Weg vom Hauptgebäude des Mercedes-Benz Händlers zu der Werkstatthalle, die die Seele seines Betriebes ist. Denn erst dort kommt die Besonderheit seiner Arbeit zum Vorschein: Die Umbauten der Fahrzeuge werden hier, ganz am anderen Ende des Anwesens, in die Tat umgesetzt. Der Weg dorthin ist lang – jedes Mal aufs Neue muss sich der Geschäftsführer durch unzählige Reihen von weißen Transportern schlängeln.

"Egal welches Auto der Kunde will, wir können es umbauen", meint Iglhaut frei nach dem Motto der Firma Allrad ist unser Antrieb. Denn "das ist unser Know-how", bekräftigt er. Und das nicht nur in Deutschland. Vom Mercedes-Benz Sprinter 907 und dem älteren Modell 906 über den Mercedes-Benz Vito bis hin zum VW Crafter und Reisemobilen werden Fahrzeuge bei seinem Unternehmen Iglhaut Allrad zum Umbau in Auftrag gestellt. Seit über 35 Jahren baut Iglhaut mit seinem Team besondere Allradantriebe für viele Kunden ein, die hauptsächlich aus dem gewerblichen Bereich kommen. So entstehen Spezialanfertigungen von Krankenwagen, Feuerwehrwagen, Laborfahrzeugen und vielen weiteren Transportern für schwieriges Gelände. Diese verkauft Iglhaut in die ganze Welt, sodass Aufträge aus Ägypten oder den USA keine Seltenheit sind.

Berufswunsch zeichnete sich schon früh ab

Iglhaut GmbH ist ein Familienbetrieb, der mit seiner langjährigen Erfahrung einen einzigartigen Wissensfundus bietet. Der Vater Hans Iglhaut gründete die Firma im Jahre 1965 ursprünglich als Mercedes-Benz Werkstatt. Dass sein Sohn Michael in seine Fußstapfen treten würde, hat sich schon früh abgezeichnet. Spätestens mit acht Jahren erkannte er, was er später werden möchte. "Na, das war doch klar: ein Automann!" Schmunzelnd erläutert Iglhaut jetzt, dass ihm zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst war, wie genau man den Beruf seines Vaters betitelt. Doch durch die Erziehung seiner Eltern und das natürliche Umfeld auf dem Gelände der Firma habe er schon als Junge angefangen, an Autos herumzuschrauben. Nachdenklich fasst er sich bei der Erzählung mit der rechten Hand an den grauen Brillenbügel und verschwindet für einen kurzen Moment in seinen Erinnerungen. "Ungefähr an dieser Stelle, wo wir jetzt sind, war früher die Treppe meines Elternhauses", denkt er laut.

Inzwischen wurde das Firmengelände mehrfach umgebaut, um den stetigen Kundenandrang zu bewältigen. Soweit das Auge reicht, stehen heute die verschiedensten Transporter und Reisemobile aneinandergereiht auf dem weiten Gelände. Es ist auf den ersten Blick zu erkennen, welche von den Fahrzeugen noch umgebaut werden müssen und welche schon höhergelegt wurden. Stolz zeigt Michael Iglhaut auf ein Ausstellungsfahrzeug, das alle besonderen Features vereint. Mit diesem Iglhaut Vito reist die Firma auch regelmäßig auf Messen, um dort weitere Kontakte zu knüpfen und mögliche Partner weltweit zu finden.

Möglichst viele Serienteile weiterverwenden

Als Michael Iglhaut das Tor der Werkstatt öffnet, fällt warmes Licht auf den regennassen Boden. In der Halle begrüßt er die Mitarbeiter mit einem freundlichen Händedruck und schaut sich jedes Detail des Fortschritts der Umbauten an. Konzentriert geht der Chef umher und kommentiert einzelne Bauteile und Maßnahmen, die noch fehlen. Dabei kommt er auf drei grundsätzliche Regeln zu sprechen, die während der Entwicklung und des Umbaus einzuhalten seien: Zunächst einmal sollten so viele Serienteile wie möglich aus dem Originalfahrzeug wiederverwendet werden, denn so vermindere sich die Anzahl möglicher Probleme. Falls Zusatzteile doch nötig seien, würden möglichst Originalteile der Partnerfirmen benutzt. Erst wenn es diese Zusatzteile nicht geben sollte, stellt das Unternehmen eine Spezialanfertigung her.

Die Mitarbeiter unter dem Werkstattleiter Hartmut Will bereiten viele solcher Arbeitsprozesse an den Werkbänken vor, um anschließend direkt am Fahrzeug arbeiten zu können. Unterhalb der Hebebühne eines großen weißen Transporters steht der Materialwagen schon bereit. Er ist vollgeräumt mit Ersatzteilen, davon ein jegliches detailliert beschriftet. Dadurch wird sichergestellt, dass alles an der richtigen Stelle angebracht wird. "Nur so baut man einen ordentlichen Geländeantrieb", meint Iglhaut und weist zufrieden auf ein neu eingebautes Differenzialgetriebe und den Vorderachsträger hin. Er erläutert, dass der Kunde zusätzlich zum Basis Paket je nach Belieben und Notwendigkeit verschiedenste Optionen dazu buchen kann. Die neuen Spezialreifen mit ausgeprägtem Profil seien beim Umbau beispielsweise eine Zusatzoption, jedoch laut Iglhaut in der Praxis unerlässlich. "Schließlich besteigt man ja auch nicht einen Berg mit Badelatschen", stellt er nüchtern fest.

Sechs Wochen bis zum fertigen Umbau

Einige Meter von der Halle entfernt rollt auf neuen Reifen ein schweres silbernes Reisemobil ein letztes Mal langsam auf die Grube. Werkstattleiter Hartmut Will kontrolliert das Fahrzeug ausführlich. Seit ungefähr sechs Wochen befindet es sich im Umbau zum Allradantrieb. Nachdem dann auch die letzte Qualitätskontrolle durchgeführt wurde, ist das Fahrzeug bereit zum Abholen. Nun können die Kunden mit dem Reisemobil dank neuer Allradtechnik stets auf Achse sein und durch die schwierigsten Gelände der Welt fahren. Ein Erfolg für Iglhaut, der allzeit neue Geschichten schreibt.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner waren die Handwerkskammer für Unterfranken und die Deutsche Handwerks Zeitung.

Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation

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