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Gewerkschaft Handwerk zukunftssicher machen: Was die IG Metall fordert

Die IG Metall hat ihr Verhältnis zum Handwerk neu bestimmt. In einem Positionspapier legt die Gewerkschaft dar, wie sie sich das Handwerk der Zukunft vorstellt. Nicht alle Ideen dürften den Betrieben gefallen. Bei der Ausweitung der Meisterpflicht allerdings verbündet sich die IG Metall mit der Handwerksorganisation.

"Das Handwerk fit machen für die Zukunft“ – dieses Ziel hat sich die IG Metall gesetzt und fordert deshalb "eine breite Reformdiskussion“ für diesen Wirtschaftszweig. In einem Positionspapier mit dem Titel "Ein neuer Ordnungsrahmen für das Handwerk“ hat die Gewerkschaft zwölf Forderungen an Arbeitgeber und Politik formuliert mit dem Ziel, das "Handwerk zu stärken“. Dazu gehört die Wiedereinführung der Meisterpflicht in den Bereichen, in denen sie 2004 die damalige rot-grüne Bundesregierung abgeschafft hat. Zumindest in zwölf von 50 Berufen hat dies mittlerweile auch die Große Koalition vor.

Das Eintreten der Gewerkschaft für eine Stärkung des Arbeitgeberlagers ist ungewöhnlich. Viele Handwerksmeister werden dies auch sehr skeptisch sehen. Denn die IG Metall steht bislang nicht im Ruf, ein Freund der Handwerksbetriebe zu sein aufgrund ihrer Tarifpolitik. Immer mehr Betriebe im Handwerk, ja sogar ganze Handwerksinnungen entziehen sich deshalb Tarifverträgen.  Das erzürnt die IG Metall. Sie wirft deshalb den betreffenden Innungen vor, sich ihrem gesetzlichen Auftrag zu verweigern.

Gesellen wandern ab

Nach Ansicht der Gewerkschaft braucht das Handwerk einen "neuen Ordnungsrahmen", denn es gebe eine Reihe von Problemen. Nur noch ein Drittel der Beschäftigten werde nach Tarif entlohnt. Die Lohndifferenz zu anderen Branchen betrage 20 Prozent. "Zwei Drittel der jungen Gesellen wandern in andere Branchen ab“, analysiert die Gewerkschaft. Das Handwerk habe "Aufträge ohne Ende“, doch die Beschäftigten "bekommen vom Boom zu wenig ab“. Zudem sei das Handwerk "vielen jungen Menschen nicht attraktiv genug“. Die IG Metall stellt fest: "Um das zu ändern, haben wir einen Forderungskatalog erstellt.“

Darin enthalten ist ein zentraler Punkt: Tarifbindung stärken. Davon verspricht sich die Gewerkschaft nicht nur eine bessere Bezahlung der Beschäftigten. Sie unterstellt auch, dass die hohen Abwanderungsraten von Fachkräfte aus dem Handwerk sinken werden. "Auch die Arbeitsbedingungen der Handwerksbeschäftigten müssen verbessert werden“, erklärt die IG Metall. Besonders im Auge hat sie dabei "die vielen prekären Solo-Selbständigkeiten“.

Digitalisierung, Technologietransfer sind aus Sicht der Arbeitnehmerorganisation weitere Baustellen. Dafür müssten auch die Beschäftigten im Handwerk fit gemacht werden durch Weiterbildung. "Wir drehen da ein großes Rad“, sagt Ralf Kutzner, für das Handwerk zuständiges Vorstandsmitglied der IG Metall.

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