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Ideenschmied mit Ambitionen

Schreinermeister Hubert Hipp hat in Löbau sein Zuhause gefunden - und den Ort, wo er aus Visionen Möbel macht

Im östlichen Zipfel Deutschlands, in der idyllischen Landschaft der sächsischen Oberlausitz, dort ist seit einigen Jahren Schreinermeister Hubert Hipp zu Hause. Zeit, das herrliche Bergpanorama am Fuße der Stadt Löbau zu genießen, hat er jedoch selten. Denn von morgens bis abends arbeitet er für seine Firma, die Wohndesign Hipp GmbH. Und auch in der Nacht findet er oft keine Ruhe. „Ich habe sogar einen Stift mit Taschenlampe, um meine Ideen aufzuschreiben“, gesteht der 51-jährige gebürtige Allgäuer, den es der Liebe wegen vom tiefen Süden Deutschlands in den tiefen Osten zog und der damit auch vom Schreinermeister zum Tischlermeister wurde.

Nur zu gern lässt es sich Hubert Hipp anmerken, dass er diesen Schritt noch keine Sekunde bereut hat. Hier habe er alles, was er braucht, denn das ehemalige Militärgelände der einstigen Garnisonsstadt biete für ihn die besten Bedingungen. „Das ist für mich wie ein Schlaraffenland. Auf dem 35.000 Quadratmeter großen Areal habe ich genug Platz für meine Tischlerei und kann meine Ideen und Träume verwirklichen. Alles handgemacht: von der Holzbearbeitung der in der Region gewachsenen Bäume bis hin zum fertigen Möbelstück“, so Hipp. Für ihn gebe es keinen Abfall. Er mache aus allem etwas.

Seine Mitarbeiter stöhnen schon hin und wieder, scherzen dann aber „der Chef hat wieder einen neuen Spleen“. Hipp weiß, dass er mit seinen Visionen und seiner Spontanität für viele anstrengend ist. Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Denn der gelernte Schreiner, der sich 1983 mit einer kleinen Werkstatt selbstständig machte und anschließend ein Softwareprogramm für Schreiner entwickelte, hat sich mit seinen ausgefallenen Erfindungen bereits einen Namen gemacht. Im Patentamt haben „Hippel-Stuhl“ und „Hipp-Belt“ eine amtliche Nummer.

Mit seinem „Hippel-Stuhl“ machte er nicht nur Kindergarten- und Schulkinder glücklich. Inzwischen gibt es 25 verschiedene Stuhl-Modelle mit speziellen Kippeleigenschaften. Sogar einen kippelnden Barhocker (der höchstens dann umfällt, wenn der Nutzer zu tief ins Glas geschaut hat) bietet Hipp an und stillende Mütter genießen seinen Kippelsessel. „Es ist medizinisch erwiesen: Wer kippelt, denkt besser. Wir sind nicht geboren, um zu sitzen. Der ,Hippel-Stuhl‘ fördert die Konzentration, Aufnahmebereitschaft und eine gesunde Körperhaltung“, erläutert Hipp. In immer mehr Einrichtungen kommt deshalb sein Stuhl zum Einsatz.

Auch sein „Hipp-Belt“, der kleinste Rucksack der Welt, kann mit medizinischem Hintergrund aufwarten, denn er macht vielen das Tragen leichter. Der Rucksack ist nur 30 Gramm schwer und hat einen Durchmesser von 4,5 Zentimeter. Der Clou: Der Tragegurt für Taschen und Beutel ist nicht nur mini und einfach zu handhaben, sondern entlastet auch die Wirbelsäule. „Auf die Idee kam ich, als ich einer Frau mit unzähligen Einkaufstüten zur Hilfe eilte. Bepackt wie sie war, wollte sie ihr Auto aufschließen und alle Tüten landeten im Dreck“, erinnert sich der Tischler. „Da dachte ich mir, da muss es doch eine Lösung geben, und tüftelte so lange an dem Tragegurt und der Verschlusstechnik, bis es passte.“

Ideen sprudeln nahezu unaufhörlich im Kopf des Meisters. Im Resultat dessen werden schon wieder die neusten Modelle in seiner Tischlerei gefertigt: ein Doppelstockwasserbett für Kinder und ein überdimensionierter Wäscheständer. Dieses Werk hat neun Leinen und verwandelt sich im Handumdrehen von einem schmalen Gestell in eine „Wäschetrockenstrecke“ von über drei Metern - da passt nicht nur eine Waschmaschinenfüllung drauf.

Hipps Enthusiasmus ist so groß, dass seine Ideen nicht nur für seine Tischlerei reichen, sondern auch in die Region ausstrahlen. Das teilweise brachliegende frühere Armeegelände will er zu neuem Leben erwecken. Seine schier unerschöpfliche Energie steckt der - im wahrsten Sinne des Wortes Unternehmer in den Bau eines Pflegeheimes, ein Projekt für behinderte Menschen und in die Kinder- und Jugendarbeit. „Kinder können sich in der heutigen Zeit viel zu wenig selbst ausprobieren. Wie sollen aus ihnen Handerker, Ingenieure oder Forscher werden, wenn sie das Leben nicht selbst erkunden?“, meint Hipp. Und so nimmt gerade eine Bastelstube Gestalt an, in der Kinder an Autos schrauben, Radios auseinanderbauen und selbst etwas kreieren können. Schon die Fünfjährigen sollen sich hier ausprobieren und könnten vielleicht die Handwerker von morgen werden.

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