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Überzeugendes Debüt Hyundai H350 im Test: Konkurrenzfähiger Neuling

Mit dem H350 betritt ein neuer Mitbewerber das Feld der 3,5-Tonner. Wie sich der Transporter von Hyundai im Alltag schlägt, hat die Deutsche Handwerks Zeitung getestet.

Die Neuzulassungen von Transportern bis 3,5 Tonnen steigen seit Jahren – allein in Deutschland von rund 197.000 auf knapp 238.000 in den vergangenen fünf Jahren. Da wundert es nicht, wenn neue Hersteller auf den Markt drängen, wie Hyundai mit dem H350.

Größte Variante: H350 L3 im Praxistest

Für den Test stand der größte aus dem noch überschaubaren Angebot an Varianten zur Verfügung – ein H350 L3, also mit langem Radstand, sowie 170 PS starkem Motor mit Sechs-Gang-Handschaltung in Profi-Ausstattung. Dass sich Hyundai nicht von der unglaublichen Variantenvielfalt der etablierten Anbieter blenden ließ, in der mitunter nicht einmal die Verkäufer in den Nutzfahrzeugzentren durchblicken, kommt dem neuen H350 zugute.

Der Einstand in der Klasse der 3,5-Tonner darf als gelungen bewertet werden, der H350 hinterlässt sowohl bei der Verarbeitung als auch bei Fahrleistungen und der Funktionalität einen soliden Eindruck.

Das wird schon nach dem Einsteigen deutlich. Das Cockpit wirkt übersichtlich und aufgeräumt mit vielen Ablagen, die mit einer rutschhemmenden Unterlage besonders anwenderfreundlich sind. So wird das Smartphone nicht bei jeder Kurve auf seine Stoßfestigkeit getestet und die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht von hin und her rutschenden Gegenständen abgelenkt.

Der neue Hyundai H350

Dem Trend zu immer mehr elektronischen Geräten kommt Hyundai mit drei 12-Volt-Steckdosen im Armaturenbrett entgegen, was allerdings nicht für den Laderaum gilt. Dort gibt es eine Steckdose nur in Verbindung mit einem der Cargo-Pakete, die für 790 bzw. 990 Euro inklusive Holzboden, Seitenverkleidungen und Zurrschienen zu haben sind. Vermisst wurde sie im zweiwöchigen Test allerdings nicht.

Ärger über Außenspiegel

Ganz anders ein Knopf zum Einstellen der Außenspiegel, die nur manuell am Spiegel selbst in die richtige Position gebracht werden können. Elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel müssen trotz Profi-Ausstattung extra bestellt werden, Aufpreis 150 Euro. Für einen Transporter im Gewerbeeinsatz mit ­häufigem Fahrerwechsel ein echtes Ärgernis.

Der Ärger verfliegt aber, wenn die Fahrt beginnt. Der 170 PS starke Motor sorgt für ordentlichen Vortrieb und entwickelt auch bei Beladung genug Kraft. Wer sich mehr Anzug wünscht, kann für 80 Euro eine kürzere Hinterachs-Übersetzung bestellen. Dann sinkt zwar die Höchstgeschwindigkeit von 170 auf 156 km/h, dafür meistert der H350 unwegsames Gelände wie auf Baustellen lässiger. Für Asphaltfahrten bleibt aber die längere Übersetzung die bessere ­Alternative.

Erstaunlich gut ließ sich der H350 durch enge Straßen steuern, auch wenn der L3 angesichts seiner Länge von mehr als 6 m irgendwann an seine Grenzen stößt. Doch mit einem Wendekreis von 12,85 m schlägt sich der große H350 bei der Wendigkeit durchaus beachtlich.

Platz für fünf Europaletten

Die Größe kommt dem Laderaum zugute, der fünf Europaletten aufnehmen kann, allerdings lassen sich nicht alle mit einem normalen Gabelstapler zum direkten Beladen erreichen. Um die mittleren Paletten zu platzieren, muss wie beim Lkw mit dem Hubwagen nachgeholfen werden. Wer den Laderaum auch als mobile Werkstatt oder Materiallager nutzt und oft ein- und aussteigen muss, wird für eine Trittstufe dankbar sein. Die Höhe der Ladekante von 695 mm geht selbst bei sportlichen Typen schnell auf die Gelenke.

Fahrwerk und Karosserie des H350 sind so gut aufeinander abgestimmt, dass Erschütterungen aufgrund schlechter Straßen oder tief liegender Gullideckel gut gedämpft werden. Das schont das Ladegut und die Wirbelsäule des Fahrers. Wem die Gesundheit des Steuermanns besonders am Herzen liegt, der kann für 480 Euro Aufpreis ein Fahrer-Paket ordern, zu dem ein Schwingsitz gehört. Für häufige Ganztagesfahrten sicher eine sinnvolle Investition, im Handwerk dürfte aber die normale Bestuhlung ausreichen.

Die Doppelsitzbank auf der Beifahrerseite, die in der Profi-Ausstattung zur Serie gehört, bietet übrigens nützlichen Stauraum unter den aufklappbaren Sitzflächen. Die abklappbare Rückenlehne des linken Sitzes kann der Fahrer als Schreibtisch oder für seine Brotzeit nutzen.

Drei Jahre Garantie

Test-Fazit: Insgesamt ist Hyundai mit dem H350, der eigens für den europäischen Markt entwickelt wurde, ein konkurrenzfähiger 3,5-Tonner gelungen. Bei der Variantenvielfalt noch ausbaufähig, bedient das Angebot dennoch die wichtigsten Anforderungen im Handwerk. Das Netz an Service-Werkstätten muss in den nächsten Jahren noch wachsen. Bei der Garantie sind die Koreaner jetzt schon Spitze: drei Jahre ohne Kilometerbegrenzung.

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