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Zimmererhandwerk Holzbau wächst in die Höhe

Angenehmes Raumklima, positive Ökobilanz – Holzhäuser liegen im Trend. Und sind längst über die Größe von Ein- und Zweifamilienhäuser hinausgewachsen. Je ein Beispiel aus dem Wohnungs- und Gewerbebau.

Holzbau
Weiße Wände, grünes Konzept: Das neue Bürogebäude der Firma ZinCo in Nürtingen entstand in Holzbauweise. -

Durchschnittlich 15 Prozent der Wohn- und 18 Prozent der Nichtwohngebäude werden mittlerweile in Holzbauweise errichtet. Das Know-how des Zimmererhandwerks ermöglicht heute den Bau von Holzhäusern mit bis zu fünf Geschossen.

Um ihrer Unternehmensphilosophie Rechnung zu tragen, hat die Firma ZinCo aus Nürtingen, ein Spezialist für Dachbegrünungen, bei seinem neuen Bürogebäude auf eine „grüne Bauweise“ gesetzt. Der dreistöckige Neubau, ergänzt um ein viertes Geschoss, das als Dachgarten genutzt wird, wurde durchgängig aus vorgefertigten Holzbauteilen errichtet. Zum Einsatz kam ausschließlich einheimische Fichte.

41 Sattelzüge in fünf Wochen

Während Nebenräume und Treppenhaus entstanden, wurden parallel dazu in der Bad Schussenrieder Zimmerei Walser die in Holzrahmenbauweise gefertigten Elemente für das Plus-Energie-Haus vormontiert. 41 Sattelzüge haben innerhalb von fünf Wochen die Bauteile angeliefert, so dass die wetterfeste Gebäudehülle in kurzer Zeit aufgestellt werden konnte.

Holzbau
© Foto: Zimmer-Meister-Haus

Der fertige Verwaltungskomplex mit einer Bürofläche von 2.300 m² bietet dem Bauherrn mehr als ein angenehmes Raumklima, in dem ZinCo-Geschäftsführer Ulrich Schäfer ein Plus an Arbeitsleistung von 30 Prozent erwartet. Das tragende Holzskelett – mit Holzwerkstoffplatten beplankt – sorgt für hohe Stabilität bei geringem Eigengewicht. Der Naturbaustoff wird im Treppenhauskern und bei Nebenräumen mit Stahlbeton kombiniert, worüber die Hauptlasten abgeleitet werden, so dass keine tragenden Innenwände nötig sind.

Sehen lassen kann sich auch das Energiekonzept des Gebäudes, das ohne konventionelle Heizung auskommt. Die Lüftung funktioniert mit Wärmerückgewinnung, für Heizung und Kühlung kommt ein Wärmepumpensystem zum Einsatz. Der Maximalwert für den Wärmebedarf liegt nach PHPP, einem Standard des Passivhaus-Instituts, bei einer Obergrenze von 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Zusammen mit dem Stromverbrauch liegt der Primärenergiebedarf bei maximal 120 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Das freut auch den Bauherrn. „In unserem alten Bürogebäude haben wir jährlich 35.000 Euro an Heizkosten verschleudert. Jetzt rechnen wir mit 4.000 Euro“, sagt Schäfer.

Wertschöpfung bleibt im Land

Für Rainer Walser liegen die Vorteile des Holzbaus auf der Hand: „Neben dem lokal nachwachsenden Rohstoff fördern wir die Wertschöpfung im eigenen Land, die Erhaltung des Handwerks und eine nachhaltige Ökobilanz.“ Walser ist Zimmermeister, diplomierter Bauingenieur und staatlich geprüfter Gebäudeenergieberater. Mit seinem Holzbaubetrieb gehört er zum Unternehmensverbund Zimmer-Meister-Haus, einem Netzwerk von bundesweit rund 90 Zimmereibetrieben, die unter anderem auf die Technik der Holzrahmenbauweise mit Hybrid-Funktion setzen. Dabei sollen durch die Verbindung von Holz und Beton die positiven Eigenschaften beider Baustoffe kombiniert werden.

Diesem Prinzip folgt auch Zimmermeister Walter Maier mit seiner Firma Holzbau Gapp aus Öpfingen im Alb-Donau-Kreis. Das 100 Jahre alte Unternehmen baut schon seit Jahrzehnten Einfamilienhäuser aus Holz. „Jetzt können wir unser Wissen und unsere Lösungen auf den mehrgeschossigen Wohnbau übertragen“, sagt Maier, der mit seiner Mannschaft innerhalb von nur drei Wochen für ein viergeschossiges Wohnhaus in Ehingen bei Ulm den Holzrohbau erstellt hat.

Bewohner sparen Nebenkosten

In einer Mischbauweise aus Holzrahmen-Wandelementen und Holzbeton-Verbunddecken sind 15 Zwei- bis Vierraumwohnungen in dem Gebäude entstanden, das dank der nach Süden ausgerichteten Glasflächen den Energiestandard KfW Effizienzhaus 40 erfüllt. An den Außenwänden kam eine 28 cm starke, nicht brennbare Steinwoll-Dämmung zum Einsatz, die einen U-Wert von 0,09 (Wärmedurchgangskoeffizient) ermöglicht.

Für die Heizung ist nur wenig Energie nötig, die von einer Erdwärmepumpe bereitstellt wird. Den Strom dafür liefert die auf dem Pultdach montierte Photovoltaikanlage. Die Bewohner können dadurch bei einer Wohnfläche von 90 m² Nebenkosten von 800 Euro pro Jahr sparen. Trotzdem wird noch mit einem Stromüberschuss von rund 25.000 kWh im Jahr gerechnet, der ins Netz eingespeist werden soll.

Die beiden Gebäude in Nürtingen und Ehingen sind Ausdruck einer beachtlichen Entwicklung, die der Baustoff Holz derzeit erlebt. „Besonders spannend sind die technologischen Fortschritte bei der Energieeffizienz und die vielfältigen architektonischen Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Robert Bergmüller, Präsident der Vereinigung Zimmer-Meister-Haus.

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