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Reisesommer 2016 Holpriger Start in die Sommerreisesaison

Die Konjunktur läuft rund, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Eigentlich also beste Voraussetzungen für ein weiteres Rekordjahr in der Reisebranche. Doch die Buchungen für den Sommerurlaub sind bisher noch verhalten.

Die erfolgsverwöhnte deutsche Tourismusbranche bekommt die Verunsicherung der Kunden nach den Terroranschlägen in beliebten Reisegebieten zu spüren. Urlauber zögern mit den Buchungen für die schönsten Wochen des Jahres - vor allem bei Zielen in der Türkei oder Ägypten. Das trübt die bisherige Bilanz der Sommersaison. Kurz vor dem wichtigen Branchentreff, der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, ist die Stimmung verhalten.
 
"Der Buchungseingang ist derzeit nicht ganz so stark wie im vergangenen Jahr", sagt der Präsident des Branchenverbandes DRV, Norbert Fiebig. Ob Veranstalter und Reisebüros nach dem Rekordjahr 2014/2015 ihre Ziele für den Sommer anpassen müssen oder das Buchungsverhalten nur verzögert sei, lasse sich noch nicht abschätzen.

Großes Umsatzplus im Reisejahr 2014/2015

Im Reisejahr 2014/15 machten die Veranstalter nach ersten DRV-Berechnungen mit mehr als 27 Milliarden Euro drei bis vier Prozent mehr Umsatz als im Jahr zuvor. Die Zahl der Gäste stieg um ein Prozent. Die fast 9.900 Reisebüros verbuchten ein Umsatzplus von rund drei Prozent.
 
Doch das diesjährige Sommergeschäft läuft noch nicht auf Hochtouren. "Derzeit warten vor allem Familien noch ab", berichtet ein Tui-Sprecher. Ein Teil der Kunden habe die Urlaubsplanung wegen der Unsicherheit vertagt, sagte jüngst der Chef des Reisekonzerns Thomas Cook, Peter Fankhauser.
 
Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK für die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen sind 37 Prozent der Bundesbürger bisher unentschlossen, ob sie in diesem Jahr ihre Koffer packen. 21 Prozent der Befragten gaben an, keine mindestens fünftägige Urlaubsreise zu planen. Im vergangenen Jahr hatten 19 Prozent diese Antwort gegeben.

Der Trend geht zu mehreren kürzeren Einzelreisen

GfK-Experte Roland Gaßner weist allerdings darauf hin, dass es schon seit geraumer Zeit einen Trend weg vom klassischen Haupturlaub hin zu mehreren kürzeren Einzelreisen gibt. "Dass die Reiselust der Deutschen gesunken ist, kann ich trotz der aktuellen Buchungsdelle bisher nicht feststellen".

Sie würden auf andere Ziele ausweichen, sich kurzfristig entscheiden, oder häufiger kürzere Reisen unternehmen, vermutet Gaßner. Ägypten, Tunesien und die Türkei machen Gaßner zufolge etwa 10 Prozent der Reisen am deutschen Urlaubsreisemarkt aus und rund 30 Prozent des Flugurlaubsreisemarktes. Es dürfte nicht ganz einfach werden, diese unsicheren Kapazitäten schnell auf andere Reiseziele umzulagern. "2016 wird demzufolge kein leichtes Jahr für die Veranstalter".

Große Nachfrage bei den Urlaubsklassikern

Wird 2016 also ein Jahr für Schnäppchenjäger, die sich auf viele günstige Last-Minute-Angebote freuen können? Diese Rechnung dürfte nicht immer aufgehen. Die Nachfrage nach Fernreisen beispielsweise in die Karibik sowie nach den Urlaubsklassikern Spanien, aber auch Portugal, Italien, Kroatien und Deutschland ist der Branche zufolge derzeit sehr groß. Absolut gefragt sei unter anderem das westliche Mittelmeer, heißt es beispielsweise bei DER Touristik. "Wir stellen eine Verlagerung bei den Reisezielen ins westliche Europa fest", sagt Fiebig. Vor allem beliebte Urlaubsorte in Spanien dürften daher schnell ausgebucht sein.
 
Die Sommerbuchungen für das wichtige Reiseland Türkei sind nach dem Anschlag von Istanbul mit elf toten deutschen Touristen dagegen regelrecht eingebrochen. Über ein Minus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr berichtete Anfang Februar beispielsweise Tui.
 
Branchenexperte Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung rechnet trotz des holprigen Starts damit, dass die Bundesbürger erneut mehr Geld für Reisen ausgeben. Das zögerliche Buchungsverhalten bedeute nicht, dass die Bundesbürger nicht in Urlaub fahren wollten. dpa

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