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Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses Hörgerät: Nicht immer ist ein Arztbesuch vorher notwendig

Wer ein Hörgerät braucht, benötigt nicht immer eine ärztliche Verordnung. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen und folgende Fakten klargestellt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, dass eine ärztliche Verordnung nicht bei allen Versorgungen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) notwendig ist. Mit diesem Beschluss hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) vor allem die Verordnung von Hörsystemen durch den HNO-Arzt präzisiert.

Ärztliche Verordnung nur in speziellen Fällen

Demzufolge brauchen nur diejenigen Personen zum Arzt zu gehen, die erstmals ein Hörsystem brauchen und das auch vom HNO-Arzt bestätigt bekommen haben. Das teilt die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker (biha) mit.  Laut biha hat der G-BA festgelegt, in welchen Fällen erneut eine fachärztliche Diagnose Voraussetzung ist. Das sind:

  • Versorgungen für an Taubheit grenzende Schwerhörige
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
  • Personen, bei denen erstmalig ein Tinitus auftritt.

In anderen, nicht genannten Fällen halte der G-BA eine ärztliche Verordnung von Hörsystemen nicht zwingend für notwendig. Die biha teilt weiterhin mit, dass die Folgeversorgung auch ausschließlich von Hörgeräteakustikern ohne ärztliche Verordnung vorgenommen werden kann. "Es ist im Sinne der Patientinnen und Patienten, gerade bei Folgeversorgungen keine erneute ärztliche Behandlung vorzuschreiben. Schwerhörige Menschen sind nicht häufiger erkrankt als Normalhörende", so Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker.

Privatpatienten brauchen keine Verordnung

Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der GKV für etwa 70 Millionen Versicherte.

Seit Jahren ist es strittig gewesen, ob zur Versorgung schwerhöriger Menschen im System der GKV immer eine ärztliche Versorgung notwendig sei. Im Bereich der privat durchgeführten Hörsystemversorgung ist eine ärztliche Verordnung dagegen noch nie zwingend notwendig gewesen. In Kürze wird der Beschluss dem Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vorgelegt. "Erst dann erscheint er im Bundesanzeiger und tritt in Kraft", so ein Sprecher der biha.

Dennoch rät die biha aus präventiven Gründen den regelmäßigen Besuch beim HNO-Arzt. dhz

Hintergrund zum Hörgeräteakustiker-Handwerk

Mit 5.500 Betrieben und rund 14.000 Hörgeräteakustikern versorgt das Handwerk etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland mit digitalen Hörsystemen. Darüber hinaus bieten Hörgeräteakustiker eine passgenauen Gehörschutz sowie technische Hilfen für Gehörlose an.

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