Azubi -

High-Tech im Ohr Hörakustiker: Modernisierte Ausbildung

Jeder fünfte Mensch in Deutschland hört nicht gut. Die Folgen sind gravierend, lassen sich aber durch Hörsysteme lindern. Die richtigen Lösungen für den Einzelnen zu finden und perfekt anzupassen, ist in den vergangenen Jahren durch die Digitalisierung immer anspruchsvoller geworden. Jetzt wurde die Ausbildung der Hörakustiker modernisiert. Was sich ändert.

Aus Hörgeräteakustiker wird der Hörakustiker. Das ist für den Außenstehenden die offensichtlichste Änderung, die mit der modernisierten Ausbildung ab 1. August in Kraft treten wird.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat mit den Sozialpartnern und den Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis die Ausbildung auf den neuesten Stand gebracht, denn Neuerungen um moderne Messverfahren, audiologische Befunde, dreidimensionale Abbilder des Ohres und technisch hochsensible Hörsysteme fordern auch von den Fachleuten besonderes Wissen.

Jeder fünfte hört schlecht

Etwa jede fünfte Person in Deutschland leidet unter einer Hörbeeinträchtigung - von geringer bis zu hochgradiger Schwerhörigkeit. Die Ursachen können vielfältig sein und längst nicht alle Betroffenen sind sich ihrer Behinderung bewusst. Dabei wirkt sich schlechtes Hören gravierend auf das soziale, seelische und körperliche Wohlergehen aus – und befördert im Extremfal l Demenz.

Hörakustiker versuchen, das Hörvermögen ihrer Kunden mit Hilfe von hochwertigen Hörystemen und Hörassistenzsystemen möglichst weitgehend wieder herzustellen. Sie leisten aber auch Präventionsarbeit, indem sie Gehörschutz anpassen, der beispielsweise vor Lärm am Arbeitsplatz schützen soll.

Ausbildung mit hohen technischen Anforderungen

Die dreijährige Ausbildung stellt anspruchsvolle technische Anforderungen: Es gilt, individuelle Hörprofile zu bestimmen und zu beurteilen und den jeweiligen "Hörbedarf" zu ermitteln. Dazu sind unterschiedliche Messverfahren, technische Hilfsmittel und Techniken zu nutzen, beispielsweise digitale Abdrucknahmen am und ihm Ohr.

Zu den Tätigkeiten gehört auch, Otoplastiken, zum Beispiel Formpassstücke für Hörhilfen und individuell angepassten Gehörschutz zur regulierbaren Lärmreduzierung, herzustellen. Hohe Genauigkeit, zum Beispiel bei der Datenerhebung oder der Einstellung von programmierbaren Hörsystemen, ist dabei eine Grundvoraussetzung für das Arbeiten in diesem Beruf.

Zur technischen Seite der Ausbildung kommt die moderne, serviceorientierte Patientenberatungals weiterer wesentlicher Ausbildungsschwerpunkt hinzu. Schließlich sind Service- und Instandhaltungsaufgaben und das Organisieren und Ausführen von Geschäfts- und Abrechnungsprozessen weitere Bestandteile der Ausbildungsordnung.

High-Tech und Beratung

Doch sieht die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker ihr Handwerk nicht nur als HighTech-Beruf. Der größte Anteil der Arbeit sei nach wie vor der Dienst am Menschen, denn der individuelle Beratungsbedarf wächst immer weiter.

Zwar zählt der Beruf der Hörakustiker zu den Handwerksberufen mit den stärksten Fachkräfteengpässen. Doch die Ausbildungszahlen der vergangenen Jahre sind kontinuierlich gestiegen. 2015 haben 1.296 Jugendliche einen neuen Ausbildungsvertrag unterzeichnet, 2014 waren es 1.011 und 2013 noch 837. Dies entspricht einer Steigerung innerhalb von nur zwei Jahren um mehr als 50 Prozent.

Der Hörakustiker gehört darüber hinaus zu den wenigen Handwerksberufen, in denen mehr als die Hälfte der Auszubildenden weiblich sind. Auch der Anteil der Auszubildenden mit Hoch- oder Fachhochschulreife ist sehr hoch.

Wer seine eigene Hörfähigkeit überprüfen lassen möchte oder einen Höakustiker mit bestimmten Spezialisierungen sucht, kann unter hoerakustiker-suche.de einen Betrieb in seiner Nähe finden. dhz

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten