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Fotoservice Olbrich Hier wird noch repariert: Erste Hilfe für alte Kameras

Filigran und nostalgisch – so lässt sich die Arbeit von Andrea Schönfelder zusammenfassen. Die Görlitzer Feinwerkmechanikermeisterin widmet sich der Reparatur alter Kameraobjektive und führt das Erbe ihres Großvaters in dritter Generation fort.

Seit sie zurückdenken kann, steht Schönfelder schon im Reparaturbetrieb "Fotoservice Olbrich". "Hier habe ich schon als kleines Mädchen meinem Opa über die Schulter geschaut und dabei meine Leidenschaft für alte Kameras und Objektive entdeckt."

Erste Hilfe für alte Kameras

Gegründet um 1938 von Walter Olbrich, blieb das kleine Geschäft in der Görlitzer Emmerichstraße immer in Familienhand. "Bis 2011 hat mein Vater den Betrieb geführt. Zu DDR-Zeiten arbeiteten hier sieben Beschäftigte, heute bin ich alleine und werde an drei Tagen in der Woche von meinem Papa unterstützt", so Andrea Schönfelder.

Lieferungen aus aller Welt

Die Befürchtung, dass der Laden einmal nicht weitergeführt wird, be­drückt sie, doch sie verstehe auch die Vorbehalte der neuen Generation. Dass der Bedarf an Könnern des Fachs aber durchaus da ist, zeigt sich anhand der vielen Pakete, die sich im Lagerraum stapeln . Lieferungen aus aller Welt, sogar aus Australien und Neuseeland, landen hier tagtäglich – und in allen verbirgt sich die Bitte um Reparatur der ostdeutschen Objektive. "Die alten Kameras und Objektive helfen dabei, den Moment bewusst festzuhalten. Sogar der gute alte Film ist wieder schwer im Kommen!", erklärt die 56-Jährige.

Dass der Geschäftszweig so viel Zuspruch findet, hat Andrea Schönfelder aber nicht nur dem aktuellen Trend zu verdanken, sondern auch ihrer Disziplin. 1990 machte sie in Dresden ihren Meister und hat sich seither nicht davor gescheut, sich weiterzubilden. Gelernt habe sie nämlich ursprünglich, wie Objektive hergestellt werden. Alles weitere, was zur Reparatur dazugehört, hat sie sich selbst beigebracht. "Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man Stücke, die man selbst noch aus der eigenen Kindheit kennt, erhalten und so auch einen kleinen Beitrag zu einer nachhaltigeren Lebensweise beitragen kann", so die Expertin.

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