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Allgäu Hexen, Geister und Ungeheuer

Der Familienradweg "Sagenhafter Weg" führt durch kleine Dörfer und Weiler, der Gemeinden rund um Biessenhofen im Allgäu. Auf insgesamt 70 Kilometern tauchen Radfahrer in die Welt voll grusliger Sagen und mystischer Geschichten ab.

Hexen, Geister und Ungeheuer
Die schmiedeeiserne Hexe verbildlicht die Sage, die sich um den Dachsee und den Korbsee rankt. -

Das Grundmeer reicht mit einem unermesslichen Schacht in jeden der vielen Allgäuer Seen. In diese ­Hexen- oder Teufelslöcher könnte man ganze Berge von Felsbrocken hineinwerfen, ohne sie je aufzufüllen. Als die Bernbacher Hexe bei lebendigem Leibe zur Hölle fuhr, wählte sie den Korbsee. Sie hat an dessen südlichem Ende ein tiefes Loch im See hinterlassen, in das man bequem ein Dutzend Kirchtürme übereinanderstellen könnte. Oder war es doch der Dachsee? Auf jeden Fall muss man beim Baden in beiden Seen auch heute noch größte Vorsicht walten lassen. Dass man nicht in einem solchen Loch versinkt und nie mehr auftaucht.

Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche des Moorsees. Durch das dichte Schilf am Ufer raschelt der Wind und die hölzerne Sitzgruppe am Ufer lädt zu einem Picknick ein. Allein die schmiedeeiserne Hexe, die auf einem Stab im seichten Wasser auf ihrem Besen sitzt, verdeutlicht die schaurige Geschichte, die die Informationstafel am Ufer erzählt.

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Uralte Sagen und Mythen

Der Sagenort Dachsee ist einer der vielen Stationen des "Sagenhaften Wegs", der 2011 rund um die Gemeinden Biessenhofen, Bidingen, Aitrang und Ruderatshofen angelegt wurde. Der Radweg führt durch kleine Weiler und Dörfer dieser Allgäuer Gemeinden und lässt die uralten Sagen und Mythen, die von Geistern, Hexen und Ungeheuern handeln, weiterleben. So manch alteingesessenen Allgäuer kennt die Schauermärchen noch aus seinen Kindertagen.Jede Route ist in sich geschlossen und etwa 15 Kilometer lang. Alle einzelnen Touren sind an den insgesamt 70 Kilometer langen Weg angebunden. Auf der gesamten Strecke finden sich immer wieder Möglichkeiten zur Einkehr und zur Rast, das macht den "Sagenhaften Weg" auch für Familien interessant.

Vom Dachsee führt der Weg weiter nach Geblatsried. Hier soll im Jahr 1827 ein Bauer verstorben sein, der beim Viehhüten sonderbare Erscheinungen gesehen hat. Hühner, die sich zuerst in Enten, dann in Gänse verwandelten und schließlich verschwanden. Männer ohne Kopf, denen Feuer zwischen den Rippen brannte. Aber jedes Mal, wenn von Bidingen her die Betglocke ertönte, verschwand der ganze Spuk. Kaum zu glauben, wenn man den Blick über die grünen, idyllischen Allgäuer Felder schweifen lässt – oder ist gerade das der Grund für den leichten Schauer bei diesem Anblick?

Ein eisernes Pferd

Über Bidingen geht es zum Sagenort Kalvarienberg. Um diesen Hügel ranken sich mehrere alte Geschichten. Das schmiedeeiserne Pferd erzählt die Sage von der Erbauung der Kapelle auf dem kleinen Berg. Ein Abstecher hinauf zur Kapelle mit Gruft, in der auch heute noch Andachten zu bestimmten Anlässen stattfinden, lohnt sich. Der Weg führt auf einer schmalen Straße weiter durch den Wald, um den Kalvarienberg herum. Eine Prise von frischen Pilzen und feuchtem Moos liegt jetzt im Herbst in der Luft. Nach einem leichten Anstieg zeigt die schwarze Hexe im gelben Kreis – das Symbol des Weges –, dass es rechts auf einem Feldweg weitergeht. Der schmale Pfad scheint nur ins grüne Dickicht zu führen und so mancher Einheimischer wird diesen Schleichweg nach Geislatsried wohl nicht kennen. Zuerst geht es weiter leicht bergauf und oben eröffnet sich dann ein weiter Blick über die kleinen Weiler der Gemeinde Bidingen. Nach einer kurzen holprigen Abfahrt erreicht man dann den Ort Geislatsried. Hier soll ein Schongauer Scharfrichter mit einem Besen aus den Nackenhaaren verurteilter Hexen die Stube eines Bauern ausgekehrt haben und überführte so die Hexe, die für das Unheil des Bauern verantwortlich war.

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Streitende Bauern

Anschließend führt der "Sagenhafte Weg" rund um Bidingen nach Ob. Vor vielen Jahren hatten sich zwei Bauern um den Grenzverlauf ihrer Felder gestritten. Nachdem sie sich eines Nachts begegneten und halbtot schlugen, starben beide. Seitdem müssen sie jede Nacht einträchtig einen schweren Markstein setzen, um ihn gleich darauf wieder auszugraben und an anderer Stelle wieder einzugraben.

Abschließend führt der Weg über Korbsee nach Bernbach. Am letzten Sagenort erzählt die Informationstafel, wie bis ins 19. Jahrhundert der Tod abgewehrt werden sollte.

Und wer jetzt immer noch nicht genug von alten Sagen und Geschichten hat und noch etwas Kondition übrig, für den geht’s weiter nach Hörmannshofen, um gleich wieder in die Sagenwelt rund um "Hornach-Männle" und "Märzenburg-Fräulein" abzutauchen.

Wegbeschreibung des "Sagenhaften Wegs"

Route Bidingen: Länge 16 Kilometer, Anschlüsse zur Route "Biessenhofen", Wegbeschaffenheit: 10% Kiesweg, 90% asphaltiert.

Route Biessenhofen: Länge 17 Kilometer, Anschlüsse zur Route "Ruderatshofen" und "Bidingen", Wegbeschaffenheit: 15% Kiesweg, 85% asphaltiert.

Route Ruderatshofen: Länge 17 Kiometer, Anschlüsse zur Route "Aitrang" und zur Route "Biessenhofen", Wegbeschaffenheit: 26% Kies- und Forstwege, 74% asphaltiert, starke Steigung zwischen Hiemenhofen und Bergmang-­Alpe.

Route Aitrang: Länge 15 Kilometer, Anschlüsse zur Route "Ruderatshofen", Wegbeschaffenheit 7% Kiesweg 93% asphaltiert.

Die Routen im Gesamtüberblick unter sagenhafter-weg.de.

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