Gesundheit -

Tag des hellen Hautkrebses Heller Hautkrebs: Die Haut zählt jede Sonnenstunde

Auch wenn die Sonne dieser Tage an Stärke verliert: Der Tag des hellen Hautkrebses erinnert daran, dass immer mehr Menschen in Deutschland unter den Folgen von zu viel Sonneneinstrahlung leiden. Warum Freiluftarbeiter von dieser Krankheit besonders betroffen sind, wie sie sich schützen können und wie sie ihre Belastung genau ermitteln können.

Eine kleine Hautstelle, die sich immer schuppt, nicht richtig abheilt, manchmal sogar blutet: Für immer mehr Menschen ist das ein erstes Anzeichen für hellen Hautkrebs.

Hautkrebs gilt als weltweit häufigste Krebsart, jedes Jahr steigt die Zahl der Neuerkrankungen. Allein in Deutschland geht die Europäische Hautkrebsstiftung (ESCF) von jährlich 220.000 neu Betroffenen aus. Die Zahl der stationären Hautkrebsbehandlungen hat innerhalb von fünf Jahren um 17 Prozent auf über 100.000 im Jahr 2015 zugenommen. Mehr Männer als Frauen sind betroffen, knapp ein Viertel hat "schwarzen" Hautkrebs, das bösartige Melanom, zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Der weitaus größere Teil der Patienten wurde 2015 wegen "hellem" Hautkrebs behandelt, also wegen Basalzellkarzinomen und Stachelzellkarzinomen. Diese Krebsform ist zwar weniger gefährlich als der schwarze Hautkrebs, dennoch ist die Entwicklung kritisch, zumal gerade Freiluftarbeiter von dieser Form betroffen sind.

Mit dem Tag des hellen Hautkrebses am 13. September möchte die Europäische Hautkrebsstiftung (ESCF) über Ursachen und Folgen des Hautkrebses informieren.

Dauerhafte Sonneneinwirkung verursacht hellen Hautkrebs

Besonders häufig tritt der "helle“ Hautkrebs an Körperstellen auf, die verstärkt dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, bespielsweise im Gesicht, auf der Kopfhaut, am Hals oder an den Ohren - all die Stellen, die über viele Jahre dauerhaft der Sonne ausgesetzt waren. Aus diesem Grund sind Freiluftarbeiter doppelt so gefährdet wie der Rest der Bevölkerung, denn die Haut registriert jede Sonnenexposition im Laufe des Lebens. Wer sein "Sonnenkontingent" voll hat, läuft Gefahr, an hellem Hautkrebs zu erkranken.

"Schwarzer“ Hautkrebs dagegen entsteht, wenn ungebräunte Haut plötzlich sehr intensiver Sonne ausgesetzt wird, beispielsweise im Urlaub im Süden. Auch die Körperstellen sind beim schwarzen Hautkrebs andere. Bei Männern tritt er vor allem am Körperrumpf auf, bei Frauen vor allem an den unteren Extremitäten sowie der Hüfte. Gut drei Viertel der Hautkrebspatienten 2015 waren 65 Jahre und älter.

Die Auswirkung dieser steigenden Zahlen bemerken auch die Berufsgenossenschaften. 2016 erkannten die Kassen knapp 21.000 neue Fälle von Berufskrankheiten an, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Großteil dieser Zunahme geht auf die Fälle von weißem Hautkrebs zurück, der erst seit Januar 2015 als Berufskrankheit anerkannt ist (Stachelzellkrebs, Plattenepithelkarzinom oder die Vorstufe davon, genannt aktinische Keratosen).

Auffällige Hautstellen untersuchen lassen

Jeder, der an seiner Haut auffällige Veränderungen feststellt, sollte zum Arzt gehen und abklären lassen, ob es sich hierbei um eine kritische Veränderung handeln könnte. Zu viel UV-Strahlung zeigt sich zunächst durch trockene, schlaffe und vermehrt faltige Haut.

Kritisch wird es, wenn sich verkrustete Stellen bilden. Auch hautfarbene Knötchen, anfangs eher spür- als sichtbar, können ein Indiz sein. Hautstellen, die einreißen oder bluten, sind ein ganz deutliches Alarmzeichen. Bestätigt sich dieser Verdacht und die Ursache könnte in der Arbeit liegen, muss der Arzt die Erkrankung mit der Berufskrankheitenanzeige an den zuständigen Unfallversicherungsträger melden.

UV-Stärke bei der Arbeit messen

Wie stark welche Körperregion bei welcher Arbeit der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, ermittelt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mit Hilfe des Messsystems GENESIS. Freiwillige Probanden bekommen hierzu ein Messsystem an den Oberarm geschnallt, so dass die Sonnenstrahlung unter echten Arbeitsbedingungen ermittelt wird.

Die am häufigsten vom hellen Hautkrebs betroffenen Körperregionen sind "Sonnenterrassen" wie Nasenrücken, Stirn, Ohren, Dekolleté und vor allem die Kopfhaut, gerade, wenn das Haar schütter wird, aber auch Handrücken und Unterarme. Frühzeitig erkannt, ist heller Hautkrebs heilbar.

Professor Swen Malte John warnt vor hellem Hautkrebs
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Für Betroffene kann die Anerkennung als Berufskrankheit positive Folgen haben: "Wer infolge seiner Arbeit an hellem Hautkrebs erkrankt und dadurch schwer geschädigt ist, kann über die gesetzliche Unfallversicherung nicht nur eine bessere medizinische Versorgung bekommen, er wird auch von Zuzahlungen zu Rezepten befreit, hat Anspruch auf Lichtschutz und sogar eine Chance auf eine Zusatzrente", zählt Swen Malte John, wissenschaftlicher Direktor und Chefarzt des Instituts für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück (iDerm) auf.

Dies gilt nicht nur für noch im Arbeitsleben stehende Personen, sondern auch für Rentner und vor allem für Menschen, die bereits infolge ihrer Berufstätigkeit an hellem Hautkrebs erkrankt sind.

Gut vor Sonne schützen, Warnzeichen erkennen

Wichtig für alle, die viel im Freien arbeiten, ist der entsprechende Schutz. "Am besten wäre es, wenn die Betroffenen ihre Arbeit anders organisieren könnten und in der Zeit zwischen 11 und 14 Uhr, wenn die UV-Strahlung am höchsten ist, nicht in der prallen Sonne sind", wünscht sich Dermatologe John.

Da das für Bauarbeiter in der Regel nicht umsetzbar ist, bleiben nur Schutzmaßnahmen. Arbeiten mit nacktem Oberkörper ist beispielsweise nicht empfehlenswert. Der Professor empfiehlt, möglichst viel Hautfläche mit Kleidung zu bedecken, auch und gerade den Kopf, die Ohren und den Nacken. Hautpartien, die der Sonne ausgesetzt werden, sollten mit einer Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 eingeschmiert werden. Einen ausführlichen Artikel zum Schutz vor Sonne, UV-Strahlung und Hitze lesen Sie hier. Weitere Tipps liefert die Berufsgenossenschaft Bau .

Diagnose Heller Hautkrebs

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung informiert in ihrem Video über die Gefahren der Sonneneinstrahlung und was erkrankte Freiluftarbeiter erwartet.

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