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Ablenkung im Straßenverkehr Handysünder am Steuer sollen konsequenter erfasst werden

Ablenkung am Steuer gilt als eine der wichtigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Das Smartphone nimmt dabei meist eine zentrale Rolle ein. Die Polizei plant nun, unerlaubte Handynutzung konsequenter zu erfassen.

Mal eben eine Nachricht verschicken oder von unterwegs den Kollegen anrufen? Keine gute Idee. Allein bis eine Telefonnummer gewählt ist, vergehen im Schnitt 14 Sekunden. Wer mit 50 km/h unterwegs ist, hat dann schon eine Strecke von 196 Metern zurückgelegt – ohne auf das zu achten, was vor ihm passiert.

Ein Unfallrisiko, das auf deutschen Straßen massenhaft zu beobachten ist. Jeder zweite Autofahrer gab in einer repräsentativen Befragung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) an, durch Ablenkung schon einmal in eine brenzlige Situation geraten zu sein.

Handysünder: Bislang keine Auswertung möglich

Die Polizei plant deshalb, den bundesweiten Katalog der Unfallursachen um den Faktor "Ablenkung" zu ergänzen, sagte Stefanie Spaniol vom Berliner Polizeipräsidium dem Spiegel. Man wolle damit dem Vorschlag einer Arbeitsgemeinschaft der Innenministerien folgen. Bislang sieht das Ursachenverzeichnis "Ablenkung" noch nicht als eigene Unfallursache vor. Entsprechend existieren keine bundesweiten Zahlen, wie viele Unfälle jährlich durch Handynutzung oder anderweitige Ablenkung wie Rauchen, Essen oder lautes Musikhören verursacht werden.

Ablenkung verursacht fast jeden dritten Verkehrsunfall

Zahlen aus der Schweiz lassen jedoch vermuten, dass diese Gründe bei fast jedem dritten Verkehrsunfall eine Rolle spielen. "Unaufmerksamkeit und Ablenkung" werden dort schon länger als eigene Unfallkategorie geführt. Die Realität können jedoch auch diese Zahlen nicht vollständig abbilden. Denn um Handysünder zu überführen, braucht es in der Regel Zeugen. Zwar kann die Polizei in Verdachtsfällen Mobiltelefone zur Auswertung einziehen. In der Praxis werde dies aber nur bei schweren Verkehrsunfällen -  etwa mit Todesfolge - gemacht, so Spaniol.

Grundsätzlich gilt: Sobald der Motor läuft, ist es verboten, das Handy zu berühren. Dazu zählen auch Kleinigkeiten, wie auf die Uhrzeit schauen oder Anrufe wegdrücken. Wer erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von mindestens 100 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Eine Ausnahme besteht, wenn sich das Handy in einer Halterung befindet und das Auto über eine Freisprecheinrichtung verfügt – dann darf auch während der Fahrt telefoniert werden. In allen anderen Fällen gilt:

Bußgeld Punkte Fahrverbot
Handynutzung als Fahrer eines Kfz 100 Euro 1 -
- mit Gefährdung 150 Euro 2 1 Monat
- mit Sachbeschädigung 200 Euro 2 1 Monat
Handynutzung auf dem Fahrrad 55 Euro - -

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