Sächsischer Handwerkstag -

17. Parlamentarischer Abend Handwerkstag fordert Zukunftspakt für berufliche Bildung

Ein Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen haben rund 100 Handwerksvertreter gegenüber der Landespolitik die Forderung nach einer dauerhaft leistungsfähigen dualen Berufsausbildung bekräftigt.

Beim 17. Großen Parlamentarischen Abend unter Schirmherrschaft von Landtagspräsident Matthias Rößler kamen sie Ende September im Dresdner Landtag mit 40 Abgeordneten aus allen politischen Lagern sowie mit zahlreichen Mitgliedern der Landesregierung ins Gespräch.

Worum es an diesem Abend bildungspolitisch konkret ging, erfuhren die Teilnehmer der Veranstaltung spätestens, als ihnen beim Einlass von jungen Azubis jeweils ein Zollstock mit dem Aufdruck „Daran werden wir die Landespolitik messen“ übergeben wurde. Im Kern ging es um dreierlei: Oberschulen stärken! – Berufsschulzentren zukunftsfest aufstellen! – Attraktivität der dualen Berufsausbildung erhöhen!

Als vordringliche Aufgaben hob Handwerkstag-Präsident Roland Ermer hervor, sowohl die Oberschulen, aus denen das Handwerk 80 Prozent seiner Auszubildenden bezieht, als auch die Berufsschulstandorte für künftige Herausforderungen fit zu machen. Erforderlich seien hierzu vor allem ausreichend qualifizierte und motivierte Pädagogen, darüber hinaus aber auch eine adäquate materiell-technische Ausstattung der Schuleinrichtungen bis hin zu deren Vernetzung mit „schnellem Internet“, und zwar auch im ländlichen Raum. Dringend vonnöten sei, dass Sachsen noch in der laufenden Legislatur das koalitionsvertraglich zugesagte „Azubi-Ticket“ verkehrsverbundübergreifend einführt.

Mit Blick auf die in Angriff zu nehmende Neuordnung der Berufsschulstandorte im Freistaat mahnte der Handwerkspräsident eine „klare Ansage“ seitens der Landesregierung an. Um diese und weitere Themen der Berufsbildungspraxis noch zielgenauer anpacken zu können, warb Ermer für einen „Zukunftspakt Berufliche Bildung in Sachsen“. Unter Einbeziehung von Experten aus Handwerk, Industrie und Handel könnten von der Politik – über 2019 hinaus – so längerfristig die entsprechenden Weichen gestellt werden.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zeigte sich über den Vorstoß des Handwerks zu einer gemeinsamen Aktion von Wirtschaft und Landespolitik erfreut, stellte jedoch zugleich klar, dass der Freistaat zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes auf Fachkräfte aus dem Ausland dennoch nicht verzichten kann. Die Idee für ein „Zukunftspakt“-Expertengremium nannte Kretschmer einen „guten Vorschlag“. Zuversichtlich zeigte sich der Premier zudem, dass es auch in Sachsen schon bald ein „Bildungsticket“ für Auszubildende geben wird.

Zurückhaltend äußerte sich der Regierungschef dagegen zu Erwartungen des Handwerks an eine zügige Neuordnung des Berufsschulnetzes im Freistaat. Hier werde nicht vor dem Frühjahr 2020 mit ersten diskussionsreifen Entwürfen zu rechnen sein, deutete er an. - An die Handwerker appellierte Kretschmer, z.B. durch angemessenere Ausbildungsvergütungen, ebenfalls einen Beitrag zur Aufwertung beruflicher Karrierewege zu leisten.

Zu prominenten Gästen des Handwerker-Abends gehörten Landtagsvize Horst Wehner sowie die Fraktionschefs von DIE LINKE, SPD und Bündnis90/Die Grünen - Rico Gebhardt, Dirk Panter und Wolfram Günther. Für die CDU saßen Vize-Fraktionschef Thomas Colditz, MdL, für die AfD Rolf Weigand, MdL, im Podium. Von der sächsischen Landesregierung waren Wirtschaftsminister Martin Dulig, MdL (SPD), Innenminister Roland Wöller, MdL (CDU), Kultusminister Christian Piwarz, MdL (CDU), Umwelt- und Agrarminister Thomas Schmidt, MdL (CDU), sowie Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, MdL (SPD), an Dresdner Elbufer gekommen.

Bildungspolitische Positionen der Landtagsfraktionen

Thomas Colditz, CDU: Wir arbeiten daran, unsere Ober- und Berufsschulen zu stärken, indem zunehmend qualifizierte Praxisberater zum Einsatz kommen. Eine frühzeitige Berufsorientierung ist jetzt auch auf Gymnasien ausgeweitet.

Rico Gebhardt, DIE LINKE: Stärker als bisher sollte über das längere gemeinsame Lernen und damit über Gemeinschaftsschulen nachgedacht werden. Bei den Berufsschulen darf die Altersstruktur der Lehrer nicht aus dem Blick geraten, brauchen wir rechtzeitig Berufsnachwuchs.

Dirk Panter, SPD: Die Idee eines Zukunftspakts Berufsbildung ist nicht schlecht; darüber sollte man reden. Was das Azubi-Ticket betrifft: Es gilt unser Anspruch, dass es noch in dieser Legislaturperiode kommt. Und auch die zentrale Berufsschulnetzplanung muss auf den Weg kommen.

Rolf Weigand, AfD: Eine qualifizierte duale Berufsbildung ist für den Freistaat unverzichtbar, denn sie trägt dazu bei, dass die gewerbliche Wirtschaft eine Zukunft hat. Das Azubi-Tickt für Sachsen ist längst überfällig.

Wolfram Günther, Bündnis 90/Die Grünen: Am Erfolgsmodell „Duale Ausbildung“ müssen wir festhalten, brauchen deshalb auch eine höhere Wertschätzung für die Oberschulen. Dass noch immer 8 Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss verlassen, können wir uns nicht leisten.

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