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ZDH-Spitzenamt Handwerkspräsident Wollseifer wiedergewählt

Vertrauensbeweis für Hans Peter Wollseifer: Der ZDH-Präsident wurde mit großer Mehrheit bestätigt. Wollseifers nächste Amtszeit dürfte anstrengend werden.

Hans Peter Wollseifer ist als Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) bestätigt worden. Der 64-jährige Maler- und Lackierermeister erhielt am Donnerstag in Wiesbaden 97 Prozent der Stimmen, drei Jahre zuvor waren es ebenfalls 97 Prozent. "Ich bin stolz, dass mir so ein starkes Vertrauen entgegengebracht worden ist. Ich sehe das Ergebnis als Motivation für meine künftige Arbeit."

Ein deutlicher Vertrauensbeweis für Wollseifer nach arbeitsreichen Jahren in Berlin. Die Vertreter der Kammern und Fachverbände halten Wollseifer für den richtigen Mann an der Spitze, um die Interessen des Handwerks in Berlin und Brüssel zu vertreten. Ein Zufall dürfte zum guten Abschneiden Wollseifers beigetragen haben: Just am Tag seiner Wiederwahl hatte der Bundestag mit breiter Mehrheit den Weg frei gemacht für die Wiedereinführung des Meisterpflicht in zwölf Gewerken.

Praxisferne Politiker machen das Leben schwer

Wobei dieser Erfolg nicht darüber hiwegtäuschen kann, dass die Arbeit im politischen Berlin anstrengender wird. Die Große Koalition ist weitgehend mit sich selbst beschäftigt, viele Politiker lassen es an Verständnis für die Probleme von Unternehmern vermissen, radikale Positionen werden salonfähig. Der Gesetzgeber bürdet dem Handwerk immer mehr Bürokratie auf. Galt Wollseifer zu Beginn seiner Amtszeit als Befürworter einer "stillen Diplomatie", der Probleme mit der Politik lieber hinter verschlossenen Türen ansprach, so macht er seinem Ärger inzwischen immer häufiger in der Öffentlichkeit Luft. "Die Politik muss sich um die mittelständische Wirtschaft, um das Handwerk kümmern. Sie muss den kleinen und mittleren Unternehmen wieder Luft zum Atmen geben. Arbeit muss sich wieder lohnen", sagte Wollseifer im November im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ).

Der Präsident der Handwerkskammer zu Köln hält sich zugute, in der Bildungspolitik viel erreicht, bisweilen auch Schlimmeres verhindert zu haben. Erfolgreich setzte sich der ZDH dafür ein, dass Handwerker neben ihrem Meistertitel künftig die Berufsbezeichnung "Bachelor Professional" führen können. Dieser Zusatz soll dazu beitragen, die Meisterqualifikation im internationalen Vergleich besser einschätzen zu können. In vielen Nachbarländern ist die deutsche Handwerksausbildung mit ihren Karrierestufen unbekannt. Wollseifer erkämpfte diese neuen, international gültigen Berufsbezeichnungen gegen den Widerstand der Hochschulrektorenkonferenz und einiger Kultusminister.

Erfolgreiche Wiedereinführung der Meisterpflicht

Als größter Erfolg in der zweiten Amtszeit Wollseifers gilt die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken. Der Bundestag hatte am Donnerstag zugestimmt, der Bundesrat dürfte am Freitag kommender Woche folgen. Wollseifer hatte dieses Vorhaben mehrfach als "Herzensanliegen des Handwerks" bezeichnet. Prinzipiell unterstützen alle im Bundestag vertretenen Parteien die Ausweitung der Meisterpflicht - was nicht zuletzt Wollseifers diplomatischem Geschick zu verdanken ist. "Heute ist so etwas wie eine Bescherung für uns", sagte Wollseifer. Der Meisterbrief sei ein Garant für Verbraucher- und Kulturgüterschutz.

Rückschläge dagegen musste Wollseifer hinnehmen beim Abbau von Bürokratie. Trotz anderslautender Absichtserklärungen gelang der Bundesregierung auf diesem Gebiet kein großer Wurf. Auch Wollseifers Bedenken gegen eine flächendeckende Mindestausbildungsvergütung wurden von der Großen Koalition überhört. Unsicher ist zudem, ob es im dritten Anlauf glückt, eine steuerliche Förderung für die energetische Gebäudesanierung durchzusetzen. Diese bereits sicher geglaubte Regelung aus dem Klimapaket der Bundesregierung, von der viele Handwerksbetriebe profitieren könnten, wird derzeit auf Wunsch der Länderkammer im Vermittlungsausschuss beraten. Wollseifer forderte: "Der Bundesrat soll sich jetzt mal zusammenreißen."

Studium und handwerkliche Ausbildung gleichstellen

In seiner dritten und nunmehr wohl letzten Amtszeit will Wollseifer die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung vorantreiben. Ihm schwebt vor, dass das Berufsabitur ausgebaut und die Meisterfortbildung künftig großzüzgiger gefördert wird. "Ich möchte aber, dass der Staat einmal die kompletten Kosten der Meisterausbildung übernimmt. Mein Ziel ist es, die Wertschätzung für das Handwerk weiter zu erhöhen", sagte Wollseifer im Gespräch mit der DHZ. Dahinter steckt die Idee, Hochschulreife und handwerkliche Ausbildung zu verbinden – und auf diese Weise neue Zielgruppen für eine Lehre zu gewinnen. "Diese Wertschätzung muss auch finanziell zum Ausdruck kommen. Die finanzielle Gleichbehandlung beruflicher und akademischer Bildung ist eine Frage von Fairness und Gerechtigkeit."

Außerdem steht der Wirtschaft die Aufgabe bevor, das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz zu nutzen und praxistaugliche Regelungen zu entwickeln. Viele Handwerksbetriebe hegen die Hoffnung, dass sie ihren Bedarf an Mitarbeitern künftig auch im Ausland decken können. "Wir werden damit das Fachkräfteproblem nicht lösen, aber wir können es entschärfen", hatte Wollseifer im November im Interview mit der DHZ gesagt.

Umstrittene Versicherungspflicht für Selbstständige

Nicht unumstritten im Handwerk ist ein weiteres Vorhaben, das Bundearbeitsminister Hubertus Heil (SPD) 2020 in Angriff nehmen will: die Versicherungspflicht für Selbstständige. Wollseifer unterstützt das Ansinnen. "Die Vorsorgepflicht für Selbstständige ist überfällig", sagte der ZDH-Präsident im November im Gespräch mit der DHZ. "Es kann nicht sein, dass man sich selbstständig macht und später im Alter auf Grundsicherung angewiesen ist, weil man unzureichend vorgesorgt hat."

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