Mittelfranken -

Geschäftslage Handwerks­konjunktur bleibt stabil

Dunkle Wolken ziehen am Horizont der weltweiten Wirtschaftskonjunktur auf: Brexit, Haushaltskrise in Italien, Wirtschaftskrise in der Türkei, französischer Reformstau oder Welthandelsstreit mit China heißen sie. Doch das mittelfränkische Handwerk lässt sich davon nicht beeindrucken.

Laut Umfrage sind knapp 94 Prozent mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. „Weltwirtschaftliche Risiken wirken sich bei uns oft zeitverzögert aus. Als erstes merken es immer die Zuliefererbetriebe“, erklärt Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken.

Binnenkonjunktur stützt Konsum

Doch noch blicken über 87 Prozent der Betriebe optimistisch in die Zukunft. Kein Wunder: 9,4 Wochen Vorlaufzeit können die Betriebe des gewerblichen Bedarfs aktuell verzeichnen. Damit ist sie fast so lang wie im Bereich Bau und Ausbau, der dank der Niedrigzinspolitik und der Wohnungsnot ein weiterhin anhaltendes Hoch verzeichnen kann und von immerhin zwölf Wochen Vorlaufzeit spricht. „Das Handwerk ist stark binnenmarktorientiert“, erklären Thomas Pirner und Wolfgang Uhl, Geschäftsführer der Handwerkskammer. Und die gute Binnenkonjunktur stützt den Konsum. Das Handwerk profitiert von der niedrigen Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden hohen Kaufkraft. Doch die erfreulich niedrigen Arbeitslosenzahlen sind auch ein Nachteil. Der Fachkräftemarkt ist leergefegt.

Handwerk bildet aus

Händeringend suchen Betriebe Mitarbeiter, um der gestiegenen Nachfrage nachkommen zu können. Doch sie finden sie nicht. Wird also zu wenig ausgebildet? Dem widerspricht Wolfgang Uhl vehement: „Das Handwerk ist der Ausbilder der Nation. 25 Prozent aller Auszubildenden stammen aus dem Handwerk“, betont er. Und die Betriebe sind kreativ bei der Anwerbung ihrer Lehrlinge, weiß Pirner.

Handwerks­konjunktur bleibt stabil

„Ein Dienstwagen, eine Zuzahlung zum Führerschein oder ein Handy locken Jugendliche. Aber die achten nicht nur aufs Geld: Auch flexible Arbeitszeiten, gute Weiterbildungsmöglichkeiten oder Aufstiegschancen sind ihnen wichtig“, führt er aus. „Allerdings haben wir ein gesamtgesellschaftliches Problem: Eltern möchten, dass ihre Kinder studieren und nicht, dass sie eine Berufsausbildung machen. Der Druck, aufs Gymnasium und anschließend an die Uni zu gehen, ist nach wie vor hoch.“ Dabei stimmt es schon lange nicht mehr, dass die akademische Ausbildung ein Garant für Erfolg ist. Ein Meister verdient oft mehr als ein Geisteswissenschaftler.

Berufsorientierung an Gymnasien

„Doch in den Köpfen der Menschen steckt immer noch: Mein Kind soll es mal besser haben, also muss es studieren“, seufzt Thomas Pirner. Eine Möglichkeit, auf die vielen Chancen und Vorteile hinzuweisen, die eine Ausbildung im Handwerk haben kann, wäre eine verpflichtende Berufsorientierung auch an Gymnasien. Ähnlich wird es bereits an den Mittelschulen gehandhabt. „Das ist doch auch eine Chance für die Kinder, herauszufinden, was ihnen liegt und ihre Talente zu entdecken“, sagt Pirner. „Natürlich ist nicht jeder zum Handwerker geboren – aber eben auch nicht für die akademische Karriere.“

Zurück zur Meisterpflicht

Wolfgang Uhl ergänzt noch einen weiteren Aspekt, der dem Handwerk beim Thema Ausbildung am Herzen liegt: die Wiedereinführung der Meisterpflicht, die aktuell in Berlin diskutiert wird. „Mit der Novellierung der Handwerksordnung wurden 2004 leider 53 der 94 Handwerksberufe zulassungsfrei“, erklärt er. Der Wegfall der Meisterprüfung, in der fachliche und betriebswirtschaftliche Qualifikationen geprüft werden, habe sich nicht nur negativ auf die Qualität der angebotenen handwerklichen Leistung in manchen Branchen ausgewirkt, sondern auch auf die Ausbildungszahlen: „Im Meisterkurs erwirbt man auch den Ausbilderschein. Und die Zahlen bestätigen: Vor allem Meisterbetriebe bilden aus. Warum schwächt man diese Berufe mit der Abschaffung des Meisters? Mit ihnen könnte man Fachkräfte generieren.“ Diese wiederum könnten das unter dem Fachkräftemangel leidende Handwerk verstärken. Die Konjunktur zeigt: Das Handwerk hat nicht nur goldenen Boden, sondern auch Zukunft.

Den vollständigen Konjunkturbericht finden Sie unter hwk-mittelfranken.de

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