Für Ausbilder -

Lehrstellen im Handwerk Betriebe locken Azubis mit Prämien

Immer mehr Handwerksbetriebe suchen händeringend nach neuen Auszubildenden. Doch die Bewerberzahlen gehen seit Jahren zurück. Um dennoch qualifizierte Azubis zu gewinnen, bieten einige Betriebe mittlerweile attraktive Prämienmodelle an wie den eigenen ersten Dienstwagen oder finanzielle Anreize bei besonders guter Leistung an.

Betriebe locken Azubis mit Prämien
Die Zimmerei-Innung Biberach stellt ausgezeichneten Azubis einen nagelneuen VW Up ein Jahr kostenlos zur Verfügung. -

Dietmar Hagel, Obermeister der Zimmerer-Innungen Ulm-Biberach und Geschäftsführer der Firma Hagel Holzbau, wirbt für potenzielle Lehrlinge aus der Region mit einem schicken kleinen Flitzer: "Wegen des großen Mangels an Bewerbern im Zimmereihandwerk haben wir seit Ende letzten Jahres unsere Ausbildungswerbung an Schulen verstärkt. Als Ausbildungspreis winkt Azubis mit guten Noten eine besondere Prämie." Wer sich bei Hagel als Lehrling bewährt und gute Noten schreibt, dem stellt der Betrieb gemeinsam mit der Innung einen nagelneuen VW Up für ein Jahr kostenlos zur Verfügung. Der Auszubildende muss lediglich den Sprit bezahlen.

So wie Hagel geht es vielen Betrieben. Die Nachfrage an neuen Mitarbeitern ist in Zeiten des umfassenden Fachkräftemangels derzeit deutlich höher als das verfügbare Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Der Kampf um die Fachkräfte trifft hierbei vor allem die Handwerksbetriebe.

Hatten diese früher bei der Zahl der Bewerbungen noch die Qual der Wahl, so müssen einige heute mit großer Mühe aus der sehr überschaubaren Anzahl von potenziellen Auszubildenden ein lukratives Ausbildungsangebot zimmern – denn die Konkurrenz schläft nicht. Noch bessere Verdienstaussichten in der Großindustrie oder geschickte Abwerbungsversuche lokaler Konkurrenzbetriebe verschärfen den Kampf um die heiß begehrten Nachwuchskräfte.

Mehr Lohn, Dienstwagen und Schwimmbad-Flatrate

Heute müssen Betriebe schon Sondervergütungen wie "Begrüßungsgelder" für Azubis von 500 Euro bis hin zu 1000 Euro für ausgelernte Fachkräfte in Betracht ziehen, um die eigene Attraktivität ihrer Firma zu steigern. Ist der Konkurrenzdruck besonders hoch, versuchen Firmen zum Beispiel mit höheren Stundenlöhnen und einer Monats- oder Jahreskarte fürs örtliche Schwimmbad, die Konkurrenz um den Bewerber auszustechen. Auch Dienstwagen, die privat genutzt werden dürfen, gibt es schon. Das Ziel, das hinter diesen Aktionen steht, ist eindeutig: Zum einen wollen sich die Betriebe auf dem Stellenmarkt von den anderen Unternehmen abheben und andererseits intern lukrative Leistungsanreize schaffen sowie Werbung in eigener Sache betreiben.

Prämie
© leroy131/Fotolia

In Biberach übernimmt die Innung sämtliche Kosten, die bei der Nutzung des Azubi-Autos. Nicht ohne Hintergedanken. Auf dem Flitzer prangt der Werbeschriftzug "uuups – wer will mich kostenlos fahren" mit dem Linkverweis auf die Zimmerei-Innung. "Unsere Aktion läuft erst seit ein paar Monaten – aber die Resonanz in den Schulen und im Internet ist bisher nicht schlecht." Das Angebot wecke das Interesse der jungen Leute, so Zimmerer Hagel. "Dieses Modell wird gerade in unserem Handwerk eine Zukunft haben, denn die Abwerbungsversuche aus der Industrie und die besseren Verdienstmöglichkeiten dort, machen uns die Suche nach neuen Azubis in den nächsten Jahren nicht einfacher. Da muss man schon mit attraktiven Prämien kommen, sonst ist die Existenz des ein oder anderen Betriebes gefährdet, weil er seine offenen Stellen nicht mehr besetzen kann", wie Hagel prognostiziert.

Regionale Unterschiede

Das Problem des Fachkräftemangels ist ein Teufelskreis. Während in strukturstarken Regionen die Handwerksbetriebe mit den großen Industrieunternehmen um neue Mitarbeiter kämpfen, reicht in strukturschwachen Regionen auf dem Land das Angebot an Lehrlingen einfach nicht aus, um die nötigen Stellen ausreichend zu besetzen.

Metallbauer
© Gina Sanders/Fotolia

Detlev Michalke von der Handwerkskammer in Mannheim kennt einen Fall aus der Vergangenheit, bei dem ein mittelständischer Metallbaubetrieb, der für den Kfz-Karosseriebau zuliefert, den Azubi sogar mit dem Werksporsche fahren ließ. Das sei aber eine krasse Ausnahme. Im Gegensatz zu anderen Regionen hat Michalke diesen Trend der Azubi-Akquise in seinem Gebiet noch nicht flächendeckend erkannt.

"Es könnte jedoch in ein paar Jahren - vorausgesetzt der Fachkräftemangel wird noch drastischer und wir behalten die niedrigen Sätze für die Ausbildungsvergütung bei -  zu dieser Prämienfestlegung für Auszubildende führen." Ihm seien bislang nur Firmen bekannt, die mit übertariflicher Bezahlung neue Mitarbeiter locken. Kleine Handwerksbetriebe können Prämien in Form von Sonderzahlungen oder etwa eigenen Firmenwagen für die Angestellten sowieso nicht finanzieren, wie Michalke ergänzt.

Die Lage könnte besser sein

Wie eng es trotzdem schon auf dem Ausbildungsmarkt der handwerklichen Betriebe zugeht, verdeutlicht eine Statistik des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Verließen im Jahr 2005 noch 700.000 junge Menschen ohne Anspruch auf einen Studienplatz die Schule, waren es 2012 bereits nur noch 530.000. Besonders drastisch ist die Lage in den neuen Bundesländern, wo sich die Zahl der nicht studienberechtigten Schulabgänger um die Hälfte verringert hat.

Wie der ZDH weiter angibt, sind im deutschen Handwerk 15.000 Ausbildungsplätze unbesetzt – so viele wie nie zuvor seit der statistischen Erfassung. Viele Firmen hätten seit Jahren keine neuen Auszubildenden mehr für sich gewinnen können. Selbst beliebte Handwerksbetriebe wie Friseurfachgeschäfte oder Kfz-Werkstätten beklagen immer mehr unbesetzte Stellen, so der ZDH. Da bleibt es vielen kleinen und mittleren Betrieben nicht erspart, neue Anreize zu schaffen, die über die Liebe zum Ausbildungsberuf hinausgehen.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten