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Wagner im Jahr 2018: Bau einer Reisekutsche Handwerksarbeit für eine Reise quer durch Europa

Andreas Hauck hatte einst eine Firma für Lärmschutzwände und entschied sich dann, als Wagner eine zweite Karriere zu machen. Ein ganz besonderer Auftrag stand für ihn kürzlich an: der Bau einer Reisekutsche.

Einfach losfahren, der Weg ist das Ziel. Sich zeit nehmen – so lange wie es eben dauert. Der Traum von Vielen, sich einfach auf den Weg machen und Reisen. In Ruhe die Landschaft, Kultur und Leute kennenlernen und auf sich wirken lassen.

So weit so bekannt. Aber nicht etwa mit dem Wohnmobil, dem Camper oder dem Zelt, sondern mit einer Kutsche. "Ich habe mich sehr über den Auftrag gefreut, denn es ist schon etwas Besonderes, wenn man als Handwerker die Gelegenheit bekommt, eine Reisekutsche zu entwerfen und zu bauen", erklärt Andreas Hauck. Hauck ist Wagner. Er restauriert und baut im oberbayrischen Großrohrsdorf, südöstlich von München, normalerweise Wagenräder, Kutschen und auch einige der Brauerei-Fuhrwerke für den Einzug der Oktoberfest-Wirte.

Besonderer Auftrag: eine Reisekutsche bauen

Der Auftrag dieses Mal: Eine Kutsche mit der die Besitzerin quer durch Europa fährt. "An so eine Herausforderung geht man anders heran, denn wichtigste Voraussetzung in dem Fall ist, dass die Kutsche leicht ist. Schließlich dürfen Gefährt, Interieur und Ausstattung nicht allzu sehr auf die Waage drücken. Als Faustregel sagt man, dass ein Pferd in etwa sein eigenes Gewicht sehr gut und ausdauernd ziehen kann."

Die Kundin aus Winterthur in der Schweiz hatte den Wagner in Großrohrsdorf als Spezialisten für Kutschen und Fuhrwerke kontaktiert und ihn im Frühsommer schließlich beauftragt den Einspänner für die viele Jahre geplante Reise durch Europa zu bauen. Ein leichter Wagen, der in liebevoller Handarbeit Bett, Küche und sogar eine Solaranlage für die autarke Stromversorgung beinhaltet. "Ich habe mich für eine leichte und doch sehr stabile Spriegel-Planen-Konstruktion entschieden. So konnte ich die fertige Konstruktion, inklusive moderner Scheibenbremsen, Elektrik und Aufbauten bei knapp 500 Kilo halten – für eine Kutsche dieses Ausmaßes ein sehr guter Wert", erklärt Wagner Hauck.

Wagner

"Einen solchen Auftrag bekommt man nicht oft. Eine wunderbare Herausforderung! Ich habe immer wieder etablierte Strukturen in Frage stellen müssen, um mit Gewichtsvorgaben und dem Platzangebot arbeiten zu können. Die Steifigkeit der Konstruktion und gleichzeitig die notwendige Elastizität zu gewährleisten, die eine Kutsche beim Fahren braucht, war schon eine spannende Aufgabe", so Hauck.

Kutsche mit zertifizierter Sicherheit

Eine Herausforderung, die dem Wagner aber hervorragend gelungen ist, bestätigte auch die Dekra bei der Abnahme: Scheibenbremsen, Hydraulik, Beleuchtung – alles vorschriftsmäßig. Wagner Hauck ist besonders stolz auf die zertifizierte Sicherheit. Seine Fuhrwerke werden zudem alle nach den Richtlinien des Dachverbands der reiterlichen Vereinigung (Federation National; FN Wagenpass) gefertigt.

Vier Wochen hat Andreas Hauck an der Kutsche für die zierliche Kundin vom Bodensee gebaut – 1,55 Meter Körpergröße haben bei so einem Reise-Abenteuer Vorteile, denn der Innenraum der Reise-Kutsche ist zwar erstaunlich pragmatisch mit Tisch, Bett, Küchenzeile und Schränken eingerichtet, dennoch ist die Kutsche relativ schmal und niedrig.  

 "Ich bin sehr stolz, dass ich meine Kundin mit einer solch besonderen Arbeit zufriedenstellen konnte und die Bedürfnisse und Anforderungen treffen konnte", resümiert Hauck, und blickt dem Transport-LKW nach, der die fertige Kutsche nun vom kleinen oberbayrischen Großrohrsdorf nach Winterthur zur Kundin bringt. Eine Kutsche, die noch viele tausend Kilometer und mehre Jahre unterwegs sein wird. Erst an der Atlantikküste entlang und dann quer durch Europa. Ein abenteuerliches Unterfangen mit vielen unerwarteten Wendungen und Überraschungen – nicht aber mit der Kutsche, denn Hauck garantiert Qualität.

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