Sächsischer Handwerkstag -

Europäische Tage des Kunsthandwerks Handwerkliche Gestalter laden in ihre Werkstätten ein

Vom 5. bis zum 7. April öffnen Werkstätten in ganz Sachsen wieder ihre Türen zu den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks.

Vom edlen Abendkleid über klangvolle Instrumente, filigrane Wohnaccessoires aus Holz oder Keramik bis hin zur aufwendig gearbeiteten Steinskulptur – all das ist Kunsthandwerk. Jeweils mehr als 70 Betriebe aus den Kammerbezirken Chemnitz und Dresden beteiligen sich in diesem Jahr an dem europaweiten Aktionstag der Kunsthandwerker.

Keramiker ohne Töpferscheibe

An seiner Liebe zur Keramik lässst das Ehepaar Löschau aus Göda die Besucher der diesjährigen Kunsthandwerkertage teilhaben. Sandy Löschau, gelernte Einzelhandelskauffrau, entdeckte ihr Händchen für die Arbeit mit dem Ton bereits im Kindesalter. Später wurde die Keramik zu ihrer Passion. Den Mut, sich hauptberuflich dieser Leidenschaft zu widmen, fand sie vor zwölf Jahren.

„Es ist eine Arbeit für die Seele“, sagt die Keramikerin. Ihre Technik nennt sich freier Handaufbau. Die Stücke des Ehepaars werden also nicht gedreht wie bei einem Töpfer, sondern bestehen aus vielen Einzelteilen. Diese werden von Hand mit ordentlich Daumendruck geformt und schließlich zusammengefügt.

„Im Prinzip wenden wir dieselbe Technik an wie die alten Ägypter vor 4.000 Jahren. Damit sind wir ein Kleinod in dieser Töpfergegend hier“, erklärt Frank Löschau. Für die Verzierung und die Oberflächenstruktur seiner Unikate nutzt das Keramikerpaar zudem gern ungewöhnliche Hilfsmittel wie Nudelhölzer, alte Spitzendeckchen von der Oma oder auch mal einen Kartoffelsack. Die Tiere oder Figuren auf vielen Gefäßen aus dem Hause Löschau sind natürlich von Hand gemalt. Zudem fließt auch Frank Löschaus Know-how als Tischler in die Arbeit ein – bei hölzernen Deckeln von Kartoffel- oder Zwiebeltöpfen oder bei rustikalen Holztischen und -zäunen mit Keramikintarsien.

Instrumentenkunde in Radebeul

Instrumentenbaumeister Norbert Walsch

Dass der Musikinstrumentenbau nicht ausschließlich im vogtländischen Musikwinkel beheimatet ist, beweist Instrumentenbaumeister Norbert Walsch, der in Radebeul eine Werkstatt mit Fachgeschäft für Blasinstrumente führt. Zu den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks führt Walsch instrumentenkundliche Werkstattführungen durch. Besucher erfahren dabei Wissenswertes über die Geschichte und Funktionsweise der Instrumente und können zusehen, wie der Handwerksmeister an aktuellen Aufträgen arbeitet.

Im Laden von Walsch herrscht auch an einem ganz normalen Vormittag reges Kommen und Gehen. Reparierte Instrumente werden abgeholt, überholungsbedürftige gebracht. Norbert Walsch bespricht mit einem Kunden die Arbeiten, die an einem Saxophon vorzunehmen sind. Zwei Wochen später soll das Instrument wieder in Schuss sein. Langweilig wird dem 55-Jährigen nicht: „Meine Reparaturplanung reicht ein Vierteljahr voraus.“ Hin und wieder bringen Kunden auch Schätze ihrer Eltern oder Großeltern vorbei. Den teils Jahrzehnten unbespielten Instrumenten verhilft Walsch gern zu neuen Tönen. Nicht nur die Technik bringt er dann auf Vordermann, sondern auch das Äußere: So wie bei einem 60 Jahre alten Saxophon, dessen ursprüngliche Optik er wiederhergestellt hat. „Das Instrument ist ver­silbert. Die Flächen, die weiß erscheinen, wurden mit einem Sandstrahl behandelt, die silbernen sind poliert“, erläutert der Handwerksmeister.

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