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Steueranrechnung für Handwerkerleistungen Handwerkerbonus: Bundesfinanzhof urteilt über Neubaumaßnahmen

Für Handwerkerleistungen gibt es einen Steuerbonus von 20 Prozent der Arbeitskosten – allerdings nur für Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsarbeiten und nicht für Neubaumaßnahmen. Wann ein Neubau als bezugsfertig gilt, bestimmte bislang der Bauvertrag. Ein neues Urteil des Bundesfinanzhofs kippt nun diese Annahme. Das hat auch Folgen für den Handwerkerbonus.

Eigenheimbesitzer können für Handwerkerleistungen im eigenen Haushalt in ihrer Steuererklärung eine Steueranrechnung in Höhe von 20 Prozent der abgerechneten und bezahlten Arbeitsleistung, maximal 1.200 Euro pro Jahr geltend machen – der sogenannte Handwerkerbonus. Doch das Finanzamt differenziert bei Handwerkerleistungen sehr streng. Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit einem Neubau sind von der Steueranrechnung ausgeschlossen. Ein Beschluss des Bundesfinanzhof bringt für Eigenheimbesitzer Klarheit und bei cleverer Vorgehensweise eine höhere Steueranrechnung.

Steuerbonus: Unterscheidung zwischen begünstigter Handwerksleistungen und Neubaumaßnahme

Lassen Sie an einer bestehenden Immobilie Handwerkerleistungen ausführen, steht Ihnen die Steueranrechnung zu, wenn es sich bei den Arbeiten um Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsarbeiten handelt (§ 35a Abs. 3 EStG; BMF, Schreiben v. 9.11.2016, Az. IV C 8 - S 2296-b/07/10003 :008). Bei Neubaumaßnahmen verweigern die Sachbearbeiter die Steueranrechnung dagegen.

Beispiel: Sie lassen an Ihren Eigenheim, in dem Sie schon 30 Jahre wohnen, die Heizung austauschen. Arbeitskosten 1.000 Euro.

Folge: Sie können in Ihrer Steuererklärung eine Steueranrechnung in Höhe von 200 Euro beantragen.

Variante: Sie lassen sich ein Haus bauen. Sie entscheiden sich kurzfristig vor Bezugsfertigkeit für den Dachgeschoßausbau. Arbeitskosten 2.500 Euro. Folge: Hier steht Ihnen keine Steueranrechnung zu, weil der Dachgeschoßausbau als Neubaumaßnahme handelt.

Praxis-Tipp: Folgende Faustformel gilt zur Unterscheidung zwischen den begünstigten Handwerkerleitungen und den Neubaumaßnahmen. Als Neubaumaßnahme gelten alle Arbeiten, die bis zur Bezugsfertigkeit der Immobilie anfallen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ist eine Immobilie nachweislich bezugsfähig, kann für alle Arbeitskosten, die danach anfallen, die Steueranrechnung beantragt werden (BMF, Schreiben v. 9.11.2016, Rz. 21).

Finanzgericht kippte die Bezugsfertigkeits-Regelung

In einem Streitfall vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg wollte ein Steuerzahler, der sich ein Haus bauen und erst nach Bezugsfertigkeit die Außenputzarbeiten ausführen ließ, eine Steueranrechnung für die Verputzarbeiten. Das Finanzamt und zu aller Überraschung aus das Finanzgericht lehnten die Steueranrechnung ab. Begründung: Die Verputzarbeiten waren im Bauvertrag vereinbart. Deshalb handelt es sich bei der Verputzarbeiten um Neubaumaßnahmen (FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 7.11.2017, Az. 6 K 6199/16).

In den Finanzämtern kippen die Sachbearbeiter deshalb munter die Steueranrechnung, sobald Arbeiten nach Bezugsfertigkeit angefallen sind, jedoch im ursprünglichen Bauvertrag vereinbart waren.

Finanzamt hält an steuerzahlerfreundlichen Regelung fest

Der beim Finanzgericht unterlegene Steuerzahler wollte sich die Verweigerung der Steueranrechnung nicht gefallen lassen und legte Revision beim Bundesfinanzhof ein. Doch dann die überraschende Wende. Obwohl das Finanzamt in erster Instanz gewonnen hatte, änderte es die beklagtem Steuerbescheide und gewährte dem Steuerzahler die beantragte Steuererklärung. Das Urteil des FG Berlin-Brandenburg wurde dadurch gegenstandlos (BFH, Beschluss v. 5.7.2018, Az. VI R 53/17).

Mit anderen Worten: Es gilt wieder der Grundsatz: Eine Steueranrechnung gibt es für alle Handwerkerleistungen nach Bezugsfertigkeit des Eigenheims, egal ob die Arbeiten im Bauvertrag vereinbart sind.

Verhaltensknigge für Steuerzahler: Steuerzahler sollten also überlegen, welche Arbeiten für die Bezugsfertigkeit nicht wichtig sind. Werden diese nach Bezugsfertigkeit erst erbracht und bezahlt, kann die Steueranrechnung beantragt werden. Denkbar sind folgende Arbeiten nach Bezugsfertigkeit: Gartenerstellung, Kellerausbau, Dachgeschoßausbau oder die Erstellung eines Wintergartens. Lehnt der Sachbearbeiter die Steueranrechnung mit Hinweis auf das Urteil des FG Berlin-Brandenburg ab, sollte er dezent auf die neue Rechtslage hingewiesen werden.

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